diese illustratorin zeigt uns kleine sarkastische alltagsmomente

Julie Houts hat viele Talente. Wenn sie nicht gerade als Womenswear-Designerin bei J.Crew arbeitet, nimmt sie die bizarren Eigenheiten der Modewelt auf die Schippe. Wir haben den Allrounder zum Interview gebeten.

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März 6 2017, 1:55pm

Die in Brooklyn lebende Illustratorin Julie Houts entführt uns mit ihren Zeichnungen in ihre höchst skurrile und dabei belustigende Welt und zeigt Situationen, in denen du dich mit ziemlicher Sicherheit auch schon einmal wiedergefunden hast. Wir können uns zugegebener Maßen das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen, wenn Julie die Eigenheiten der Modeindustrie auf den Arm nimmt, und sind auch ziemlich froh darüber, dank der amerikanischen Illustratorin endlich den wahren Grund zu erfahren, warum der Hype um Trasher-Pullis nicht abflacht. Nachdem Julie zwei Jahre an der School Of The Art in Chicago studiert hat, zog es sie nach New York für ihr Modedesign-Studium an die Parsons. Wir haben einen Blick hinter die amüsanten Illustrationen geworfen und haben uns ein bisschen mehr über die Geschichte hinter Julies Charaktere erzählen lassen.

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Wie bist zum Zeichnen gekommen?
Ich war relativ jung. Meine Eltern haben darauf geachtet, dass meine Schwester und ich als Kinder ins Ferienlager mit kreativen Aktivitäten gefahren sind oder dass wir Kunstkurse besucht haben. Seitdem ich sieben bin, interessiere ich mich dafür. Das hat sich dann immer mehr von einem Hobby weiterentwickelt und in der Highschool habe ich Kunst belegt und schließlich Malerei in Chicago an der School of the Art Institute studiert. Ich bin dann nach ein paar Jahren ins Modefach umgeschwenkt und bin nach New York auf die Parsons School gewechselt. In meiner Freizeit habe ich aber immer weiter gezeichnet.

Wer sind die Charaktere und wo findest du die?
Ich kenne die Charaktere meistens eigentlich nie persönlich. Auf eine gewisse Art und Weise ist das Mädchen wohl eine Version von mir, auch wenn sie mir physisch nicht ähnlich sind. Das sind einfach irgendwelche Mädchen. Die Maus ist so eine Art Sidekick, mit dem ich auf bestimmte Dinge hinweisen kann und die Illustration interessanter mache.

Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
Weil ich einen Modehintergrund habe, ist die Hauptfigur eine dieser normalen Modefiguren. Sie ist langgestreckt und trägt meist irgendeinen Look. Ich arbeite mit Filzstiften, weil ich sie griffbereit habe und es schnell geht. Deshalb sehen die Illustrationen so clean aus. Das ist nicht notwendigerweise, was ich sonst mag, aber so kam es zur Ästhetik!

Wie musst dich fühlen, wenn du arbeitest?
Am besten kann ich arbeiten, wenn ich traurig bin. Die Ideen sind viel klarer und kommen schneller, als wenn ich mich hinsetze und versuche, mir etwas aus dem Hirn zu saugen.

Welche Botschaft möchtest du vermitteln?
Was mich zu dem Zeitpunkt immer nervt. Für mich ist das Illustrieren ein Mittel, mit dem ich Ideen ausprobieren oder auf Dinge aufmerksam machen kann, die mir aufgefallen sind oder die ich erkunden möchte.

Wie reagieren die Leute auf deine Arbeiten? Gibt es eine Geschichte, an die du dich erinnerst?
Das ist unterschiedlich! Aber allgemein kann ich sagen, dass ich überwältigt davon bin, wie positiv die Leute darauf reagieren. So viele Menschen haben sich bei mir gemeldet und mir gesagt, wie sehr sie die Illustrationen mögen oder auch wie sehr sie sich mit ihnen identifizieren können. Das ist toll. Ein paar haben sich natürlich durch bestimmte Illustrationen beleidigt gefühlt. Das überrascht mich immer, weil ich nicht gerade finde, dass sie so besonders provokativ sind. Auch Männer haben sich bei mir gemeldet und mir echt widerliche Sachen geschrieben, als ich Sachen über meine Dating-Erfahrungen gepostet habe. Das dieser ganze frauenfeindliche Bullshit eben. Es gibt aber auch Männer, die unglaublich nette Dinge schreiben. Das entschädigt dann.

Was planst du für die Zukunft?
Ich arbeite gerade an einem Buch, das soll im Herbst bei Simon & Schuster erscheinen. Es wird alte, aber hauptsächlich neue Illustrationen zu sehen geben. Ich arbeite außerdem gerade an etwas fürs Fernsehen. Das steht allerdings noch ganz am Anfang, aber ich freue mich sehr drauf!

@Jooleeloren

Credits


Illustration: Julie Houts