johnny terror x nikelab acg: von berliner häuserschluchten und stadtwölfen

Der Berliner Illustrator Johnny Terror zeichnet seine eigene Version der neuen ACG-Kollektion von NikeLab.

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Nov. 28 2016, 9:55am

Johnny Terrors Zeichnungen sind eine Mischung aus düsteren Häuserschluchten, Neo-Tokyo Vibes und grimmig dreinschauenden Figuren, die in Streetwear und Sneakern erhobenen Hauptes dastehen und bereit sind für alles, was kommen mag. Ghost In The Shell trifft auf das graue Berlin, die heutigen Designs von Acronym auf die Zukunft von Morgen—Johnny Terror lebt in der Welt, die er auch auf Papier und digital zeichnet. Für die neue NikeLab ACG-Kollektion hat der junge Illustrator und Künstler seine Vision auf das bekannte Swoosh übertragen. Es kommt zusammen, was zusammen gehört: Erstens ist er selbst großer Fan von Acronym-Gründer Errolson Hugh, der zusammen mit NikeLab an den in schwarz, grau und grün gehaltenen Teilen gearbeitet hat. Zweitens lässt sich das NikeLab ACG-Motto Move. Adapt. Protect auch leicht auf die Arbeiten von Finn a.k.a. Johnny Terror übertragen. Seine Figuren sind für jedes Wetter und für jede Unannehmlichkeit, die das Leben zu bieten hat, gewappnet—etwas, das den Machern von NikeLab ACG auch ein besonderes Anliegen war. ACG steht für All Conditions Gear, das heißt die Kollektion ist für alle Bedingungen gemacht, die uns im Winter begegnen können. Wir freuen uns sehr, euch die entstandenen Illustrationen präsentieren zu dürfen, und haben dem sympathischen Wahlberliner gleich noch ein paar Fragen gestellt. 

Wer ist Johnny Terror und womit verbringt er seine Zeit?
Johnny Terror steht morgens auf, setzt sich an den Laptop und schaut sich stundenlang Military-Tech-Mode und Szenen aus Bladerunner an. Danach zeichnet er bis in die Morgenstunden.

Deine Illustrationen sind sehr von Neo Tokyo Vibes, dem urbanen Dschungel und einer gewissen technischen Endzeit-Romantik geprägt, wie kam es zu dieser Gedankenwelt?
Eine wirkliche Entstehungsgeschichte gibt es nicht. Es ist einfach die dauerhafte Inspiration durch Filme wie Akira, Bladerunner und Ghost in the Shell oder natürlich Mode wie Acronym und dementsprechend auch Nike ACG. Meine Zeichnungen folgen im generellen Sinne einer Vision der Zukunft aus Chrome, Stahl und Beton in der sich jeder bewährt und entfaltet. Explore - Thrive - Survive.

Wieviel Neo-Tokyo steckt in Berlin, welche Orte inspirieren dich hier am Meisten?
Architektonisch gibt es oft Momente, die mich faszinieren. Berlin bleibt aber Berlin und das ist auch gut so. Ich träume lieber von einer futuristischen Dystopie und gehe dann raus in die Stadt und genieße die kulturelle Vielfalt, von der wir alle zehren.

Wie lange hältst du es aus, nicht zu zeichnen und in welchen Momenten musst du sofort anfangen. Was triggered Johnny Terror, den Stift in die Hand zu nehmen?
Ich habe immer ein kleines handgroßes Skizzenbuch dabei, in dem ich visuelle Ideen aufzeichne oder einfach kleine Bilder erstelle. Manchmal entsteht daraus eine großes Strich-Chaos, das nur für mich Sinn macht. Ab und an vergesse ich das Buch auch und finde mich dann auf einer langen Bahnfahrt wieder und spüre das Cold-Turkey Gefühl.

Deine Illustrationen finden immer wieder ihren Weg zurück in die Realität, da sie von echten Marken und Designer beeinflusst sind. Kannst du uns mehr über deine Verbindung zu Errolson Hugh/NikeLab ACG und ACRONYM und ihren Designs erzählen?
Die Vision von einer Art Neo Tokyo breitet sich auf Filme, Musik und eben auch Mode aus. Vor allem Tech-Wear beeinflusst mich sehr. Die Arbeit von Errolson verbindet dieses Aspekt mit eine pan-asiatischen Ästhetik. Darüber hinaus bewegen sich ACRONYM und NikeLab ACG im Aspekt der Qualität und Innovation auf einer völlig neuen Ebene, die man bei anderer Mode vergeblich sucht.

Was macht für dich eine technische Jacke aus, was ist der Zauber und das Geheimnis hinter Tech-Wear?
Das Geheimnis liegt in der Anpassung an den Menschen als Funktions-Maschine. Die Taschen sind an Handbewegungen angepasst und fügen sich in die Ästhetik der Jacke ein- ohne klobig aufzufallen. Es geht um Innovation, vollkommene Funktion und Resistenz.

Techwear gibt es ja mittlerweile schon relativ lange, dennoch hat man im Gefühl, dass viele Leute erst jetzt auf diese Faszination aufspringen, wie erklärst du dir diesen Hype?
Ich muss beim Wort Hype immer sauer aufstoßen … In einer Zeit in der Mode zu niedrigsten Preisen und dementsprechend noch niedrigster Qualität gekauft wird, entwickelt es sich in manchen Aspekten zu einer Kultur des Anziehen und Wegwerfen. Im Kontrast dazu stehen die, die sich auf Langwierigkeit und Ausdauer besinnen. Diese Leute befassen sich auf einer ernsten Ebene mit Mode und lassen sich nicht durch Hype beeinflussen, sie sehen das Teil, als das was es ist: Eine kreative Entfaltung aus Gore-Tex.

Kannst du uns etwas über deinen kreativen Prozess bei diesem Projekt erzählen?
Dieses Projekt war wirklich das seltene Beispiel, in dem sich Arbeit und Herzblut vereinen. Die Professionalität von Nike zeigte sich besonders darin, dass man mir die Kollektion bereits vor dem Release per Kurier brachte um sie als Zeichenvorlage nutzen zu können. Ich verbrachte natürlich erstmal Stunden vor meinem Spiegel während ich jede Jacke einzeln anprobierte, um die Posen der Charakter nachzuempfinden. Jedes Stück ist einzigartig. Ich fühlte mich wie der Cousin von Roy Batty Nexus-6 aus Bladerunner.

Du hast seit kurzer Zeit auch damit angefangen, an deinen ersten eigenen GIFs zu arbeiten. Wie geht es weiter bei dir? Setzt du dir künstlerische Grenzen oder kannst du dir bald ein multimediales Terror Takeover vorstellen?
Man muss jeden möglichen Aspekt erkunden, sonst bleibt man stehen. GIFs in Verbindung mit analog gezeichneten Werken sind sehr aufwendig, aber sind genau die Sachen, die mich interessieren. Wo kann ich meine Zeichnung oder selbst nur Konzeptideen unterbringen? Wo kann ich Kompatibilität hervorbringen, wo sie zuvor noch nicht existiert hat? Das sind Fragen, die man sich stellen muss, um sich selber zu verwirklichen und weiterzubringen.

Berlin und Johnny Terror ...
... vereint in einer Hass-Liebe, die aus belebten, nach Baklava und Sesamöl duftenden Straßen und überfüllten stinkingen Ubahnen besteht.

Johnny Terror in 5 Jahren ist …
… gestresst, zu 100% aus Gore-Tex bestehend und immer noch der Typ, den die Omas in der Bahn misstrauisch beäugen, weil er wie ein bleicher Ninja aussieht und Waffen in sein Skizzenbuch zeichnet.

Die ganze Kollektion könnt ihr euch auf nikelab.com anschauen. 

Credits


Text: Adrian Bianco
Illustrationen: Johnny Terror