Dieses Festival zeigt dir, wie vielseitig Contemporary Music ist

Während des Ultima Festivals in der norwegischen Hauptstadt kann man so einiges entdecken.

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Okt. 6 2017, 10:13am

Foto: Andreas Turau

Dem interessierten Musikliebhaber dürfte es schon aufgefallen sein: In Norwegen tut sich so einiges. Noch niemals zuvor haben so viele norwegische Musiker auch international auf sich aufmerksam gemacht wie gerade jetzt. Aurora und Sigrid haben mit ihrem verträumten Pop schon längst unsere Herzen erobert und die jungen Trapkünstler, die vor allem in Bergen zu Hause sind, produzieren Beats, die so durchdacht und spannend sind, dass wir kaum erwarten können, was noch alles kommen mag.


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Und auch wenn es um Contemporary Music geht, hat das Land im Hohen Norden einiges zu bieten. Über das ganze Jahr verteilt finden Festivals statt, die die Idee, die wir von kontemporärer Musik haben, in Frage stellen und erweitern. Eines der Highlights ist das Ultima Festival. Jeden Oktober werden zwei Wochen lang in Oslo die verschiedensten Locations mit Konzerten, Installationen und Performances bespielt. Zum letzten Mal fand es dieses Jahr unter der kreativen Leitung von Lars Petter Hagen statt, der es wie kaum ein anderer schafft, dieses Genre massentauglich zu machen, ohne dabei den künstlerischen Anspruch zu verringern. Über acht Jahre hinweg hat er das 2006 gegründete Festival zu dem gemacht, was es heute ist und mit seinen Programmen Grenzen aufgebrochen — und damit maßgeblich zum Diskurs über Contemporary Music beigetragen.

Das Programm diesen Oktober war da keine Ausnahme. Neben Auftritten des Musikers Death to The Machine, der Komponistin Eliane Radigue und den Performancekünstlern HANNAH holte das Festival auch die Kompositionslegende Ryuichi Sakamoto nach Oslo, der zusammen mit der Künstlerin Fujiko Nakaya und dem experimentellen Tänzer Min Tana über den Dächern der Stadt performte. Die Besucher verloren sich in der von Nakaya erzeugten Nebelskulptur, die von Lichtstrahlen und den Klängen der Musik durchbrochen wurde, und ließen sich von der Tanzperformance in eine andere Welt befördern.

Eine Installation, die man sich nicht entgehen lassen sollte, ist Drapen von Arne Nordheim in der Osloer Kläranlage. Drapen heißt so viel wie der Tropfen und ist die weltweit größte interaktive Komposition. Zwei Lautsprecher, 2500 Meter Kabel und 12 Soundprogramme kreieren 500 Millionen Soundvariationen, die von den Signalen der Kläranlage bestimmt werden. Viele Meter unter der Erde kann man so eine Soundinstallation hören, die man sonst noch nie erlebt hat.

Was man von dem Festival mitnehmen kann ist einfach: Kontemporäre Musik lebt und entwickelt sich. Musiker schaffen Stücke, die unsere Idee von Musik herausfordern und auf ein neues Level heben. Oft als snobistisches Genre verschrien, zeigt Ultima, dass diese Musikrichtung offen für alle ist und jeden einlädt, Musik für sich selbst zu entdecken und zu erfahren. Wir sind gespannt, was unter der neuen Leitung alles passieren wird!

Das nächste Ultima Oslo Contemporary Music Festival findet vom 13. bis 22. September 2018 statt. Alle Informationen findest du hier.