nan goldin und patti smith machen kunst in der gefängniszelle von oscar wilde

Mit dabei sind auch Ai Weiwei und Wolfgang Tillmans, die sich vom berühmtesten Insassen des Gefängnisses in Reading zu neuen Kunstwerken inspirieren ließen.

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Sep. 7 2016, 1:46pm

facebook.com/artangelfb

Im Jahr 1895 wurde Oscar Wilde zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt und saß die Strafe im Gefängnis im englischen Reading ab. Aus dem Kläger wurde ein Angeklagter. Ursprünglich verklagte der irische Autor den Vater seines damaligen Lovers dem jungen Lord Alfred Douglas (auch Bosie genannt) wegen Verleumdung, nachdem er Wilde eine Visitenkarte mit der Aufschrift „Für Oscar Wilde /posierender Sodomit" in dessen Klub hinterlassen hatte. Aber nachdem in dem Verfahren Beweise für Wildes gleichgeschlechtliches Sex auftauchten, wurde Wilde wegen Unzucht verhaftet und vor Gericht gestellt. Während der Zeit im Zuchthaus, von der viele davon ausgehen, dass die Wildes Gesundheit ruiniert hat und für seinen Tod 1900 im Pariser Exil verantwortlich ist, hat der berühmteste Insasse von Reading den 50.000 Wörter starken, emotionalen offenen Brief De Profundis an Bosie geschrieben, der 1905 posthum veröffentlicht wurde. Damals wurden viele Seiten gestrichen. Vollständig ist der Brief erst 1962 veröffentlicht worden.

Wilde Homosexualität wird nur sehr vage in De Profundis angesprochen, was angesichts der Tatsache, dass Homosexualität in Großbritannien erst 67 Jahre nach dem Tod von Wilde entkriminalisiert wurde, nicht besonders verwunderlich ist. Doch für die Schwulenbewegung ist der Text von enormer Wichtigkeit. In einer neuen Ausstellungsreihe wird Oscar Wildes Zeit im Gefängnis in Reading näher beleuchtet und das schwule Erbe von De Profundis neben Themen wie Isolation und Gefängnis aufgearbeitet. Nan Goldin, deren Fotos der LGBT-Community aus den 70ern und 80ern heute immer noch relevant sind, stellt im Block C Fotos und Videowerke aus. Eines dieser Kunstwerke ist laut einem Bericht des Guardian ein Interview mit einem 91-Jährigen, der immer noch auf eine offizielle Entschuldigung der britischen Regierung wegen seiner Verurteilung wegen Homosexualität vor 70 Jahren wartet. In einem anderen Kunstwerk geht es um Homorechte in Ländern, in denen Homosexualität immer noch illegal ist.

Zu weiteren Künstlern gehören Ai Weiwei, Wolfgang Tillmans, Marlene Dumas und Patti Smith, die Passagen aus dem Wildes Brief vorlesen werden. „Diese Ausstellung vereint die Dinge, die Wilde nur skizzieren konnte: der Schmerz der Trennung, das quälend langsame Vergehen der Zeit, Verrat, Wiedergutmachung und Liebe", so die Ausstellungsmacher Artangel über die Ausstellung.

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Credits


Text: Hannah Ongley
Foto: via Facebook