Triff das Model, das zu fett zum Modeln ist

Agnes Hedengard ist das Model mit einem BMI von 17,5 (untergewichtig), das die Modelbranche an den Pranger stellte, weil sie angeblich zu dick sei.

|
09 September 2015, 9:15am

Letzte Woche machte das 19-jährige Model Agnes Hedengard Schlagzeilen, als sie ein Video auf YouTube postete, in dem sie die perversen Körperstandards der Industrie anprangerte (hier berichteten wir darüber). In dem Video stand sie in Unterwäsche vor dem Spiegel und begutachtete ihren Körper. Das schwedische Model sprach darüber, wie es ist, von fast jeder großen Modelagentur aufgrund ihres Aussehens abgelehnt zu werden und dass sie sich über ihre finanzielle Zukunft Sorgen macht. Agnes ist 1,80 m groß und hat einen BMI von 17,5, was nach WHO-Angaben Untergewicht bedeutet. "Ich bekomme keine Jobs mehr, weil die Industrie denkt, dass ich zu dick bin. Sie denken, dass mein Po zu groß und meine Hüfte zu breit ist. Wenn es nach der Modelbranche geht, dann darf man nicht so aussehen. Man muss dünner sein."


Auch auf i-D: Im Gespräch mit Model Paloma Elsesser


Das Video breitete sich wie ein Lauffeuer im Internet aus. Die Kommentare unter unserem eigenen Artikel waren gemischt: Die Reaktionen reichten von Sympathiebekundungen, in denen Leser zum Ausdruck brachten, wie schön sie Agnes finden, und dass sie sich gestärkt fühlten, nachdem sie sich ihr inspirierendes Video angeschaut haben und wie sehr sie von der Modeindustrie angewidert sind, bis zu giftigen Kommentaren, in denen Modeln nicht als "echter Job" gilt und in denen behauptetet wurde, dass Agnes nicht nur abgelehnt wird, weil sie zu fett ist, sondern auch weil sie hässlich ist. Das zeigt einmal mehr, dass das Internet auch seine Schattenseiten hat und wir die Body-Positive-Bewegung noch lange brauchen.

Mit 19 Jahren hat Agnes nicht nur die Pubertät mit all ihren Fallstricken hinter sich gelassen, sondern wurde auch schon wegen Depressionen, Angstzuständen und sogar einer Essstörung behandelt. Jetzt kämpft sie für einen Sinneswandel in der Industrie.

Wolltest du immer Model werden?
Die Idee kam mir erst, als ich 2010 bei einem Festival von einem Model-Scout entdeckt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste der Tomboy in mir nicht, was Models eigentlich machen. Das Einzige, was ich über Models wusste, war, dass sie groß und dünn sind, und ein Make-Over in der nächsten Folge von America's Next Top Model bekommen.

Was bedeutet dir Modeln?
Ich liebe Modeln. Durch Fotos werden Gefühle und Schönheit ausgedrückt.

Was frustriert dich am meisten an der Modelbranche?
Dass man immer dünn sein muss. Die Schönheitsideale in dieser Branche sind so extrem. Junge Mädchen und Jungen werden ständig dazu angehalten, Gewicht zu verlieren.

Wieso hast du das Video gemacht?
Ich hatte genug und konnte nicht mehr hören, dass ich "zu dick" bin. Aber das Fass zum Überlaufen brachte eine Modelfreundin, die fünf Jahre jünger ist als ich, und mir sagte, dass sie zu dick sei. Ich wollte den lächerlichen Teil der Industrie bloßstellen, der junge Mädchen diskriminiert, weil sie zu dick sind.

Wie hast du dich gefühlt, als Agenturen dir sagten, dass du zu fett bist?
Ich war verunsichert und traurig. Ich habe mich selbst gehasst. Ich litt auch unter einer Essstörung.

Würdest du jemals in Betracht ziehen, zu zunehmen, um ein Plus-Size-Model zu werden, oder abzunehmen, um die extremem Schönheitsideale der Modelbranche zu erfülllen?
Niemals. Man muss sich selbst lieben und die Meinung der anderen über den eigenen Körper sollte einem herzlichst egal sein.

Was denkst du über das Label "Plus Size"?
Es ist dämlich und es sollte solche Kategorien nicht geben. Es sollte einfach nur Körper geben, denn Schönheit ist nicht auf eine bestimmte Körperform begrenzt.

Was können wir für eine bessere Zukunft tun?
Wir sollten Models engagieren, die das ganze Spektrum abdecken. Größere Marken sollten Models unterschiedlicher Konfektionsgrößen für ihre Shows buchen. Junge Mädchen und Jungen -auch ältere Menschen – dazu ermuntern, sich so akzeptieren, wie sie sind, und dass sie genau deswegen schön sind. Letztlich müssen wir lernen, uns selbst zu lieben.

Geht es beim Modeln immer nur um die Objektivierung der Frau oder sorgt es bei dir als Frau auch für Empowerment?
In der Vergangenheit ging es immer nur um Objektivierung, aber jetzt habe ich das Gefühl, dass es mich stärkt und ich selbstbewusster bin. Ich mache mein eigenes Ding und ermuntere andere, dass sie sich selbst lieben sollen und stolz auf sich selbst sein sollen.

Was bedeutet Schönheit für dich?
Fühle dich in deiner eigenen Haut wohl.

Welchen Ratschlag würdest du jungen Mädchen geben, die in die Fußstapfen treten wollen?
Es wird besser. Lass dir von keinem sagen, dass du nicht gut genug bist. Du bist perfekt, so wie du bist.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich werde Leute finden, die mit mir arbeiten wollen; Leute, die mich nicht zwingen, Gewicht zu verlieren; Leute, die das, wofür ich stehe, unterstützen. Ich werde auch mehr bloggen und weiterhin Videos auf YouTube posten. Ich will das machen, was mich glücklich macht!

@hedengard