Willow wears all clothing Gucci.

willow smith: fluorescent adolescent

Willow Smith lebt in einer Welt, die durch Fantasie und Neugier geprägt ist und die größer ist, als ihre 14 Jahre auf dem Planeten Erde vermuten lassen. Sie gehört zu den interessantesten Musikerinnen unserer Generation, weil sich Willows Welt eben...

von Hattie Collins
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10 August 2015, 1:33pm

Willow wears all clothing Gucci.

Jacke und Hose: Gucci

Mantel: Prada. Rollkragenpullover: House of Liza. Rock: Loewe. Stiefel: Costume Studio

Willow Smith veröffentlicht keine Songs, sondern sie setzt Statements. „Ich mache Musik, damit ich das Bewusstseinslevel auf diesem Planeten erhöhen kann. Lasst uns alle im Licht, in Liebe und Harmonie durch Einheit mit uns selbst und allem, was ist, zusammenkommen. Viel Spaß". Das ist der Einleitungssatz auf ihrem Soundcloud-Account (über 95.000 Follower). Wenn man persönlich mit der Teenagerin spricht, vergisst man leicht, dass es man sich mit dem jüngsten Mitglied der Smith-Familie unterhält. Natürlich hat sie den ungetrübten Enthusiasmus und die Energie jeder Person ihres Alters. Wenn man sie fragt, wie es der Willow-Welt gerade geht, ruft sie: „Es ist wirklich … einfach nur … toll!". Aber ihre Gedanken sind sonst alles andere als kindlich. Sie ist ein junger Geist mit gewählter Ausdrucksweise , von einer unersättlichen Neugier und von Wissensdurst geprägt und hat ihre ganz eigene Sicht auf die Welt. Sie ist lustig, offen und nachdenklich, das sind nicht unbedingt Eigenschaften, die man mit jemandem verbindet, der in der oberflächlichen Welt von Hollywood aufwuchs. Dennoch könnte Willow nicht weiter von solchen L.A.-Klischees entfernt sein. Gespräche mit ihr drehen sich nicht um süße Hunde, wie man das beste Selfie macht, wen sie anhimmelt oder wie sie mit ihrem Ruhm umgeht. Sie shoppt nicht auf dem Rodeo Drive, sondern trägt ein T-Shirt von Thugz Maison, bestickt mit den Namen der radikalen Feministinnen und queeren Theorektikerinnen Audre Lorde, Gloria E. Anzaldúa, Angela Y. Davis und bell hooks. Die junge Amerikanerin spricht über Zeit, Feminismus, die Umwelt und ihre Generation. Sie spricht darüber, auf Bäume zu klettern und über tradierte Vorstellungen von allem, was uns von Geburt an beigebracht wird. „Den besten Ratschlag, den ich jemals bekommen habe, stammt von meinem Bruder Jaden: ‚Laut Albert Einstein ist die Zeit relativ, aber er vergß zu sagen, dass alles andere auch relativ ist'", sagt Willow. „Und dann dachte ich: Gut und schlecht sind so relativ. Moralisch und unmoralisch sind so relativ. Alles in der Welt ist so relativ. Statt ‚Das Mädchen ist so gemein zu mir' zu denken, schau dir ihr Leben an, wie sie aufgewachsen ist und welche Erfahrungen sie an diesen Punkt brachten, dann kann man sie nicht in eine Schublade stecken, weil sie gar nicht anders hätte handeln können. Jemanden in eine Schublade zu stecken, funktioniert nicht wirklich, weil alles relativ ist."

Mantel und Kleid: Louis Vuitton. Socken: Stylist's own. Schuhe: TUK

Solche Zitate wurden oft benutzt, um sich über Willow lustig zu machen. Sie und ihr Bruder wurden von der Presse als „bizarr", „verrückt" und „übergeschnappt" bezeichnet. Die Kritik scheint nur erschreckenderweise ein Beispiel für die rückwärtsgewante Dogmatik der Medien und der Gesellschaft zu stehen. Wie kann es eine junge Person wagen, eine Meinung über irgendwas zu haben? Wie kann sie es wagen, so mutig ihre Meinung zu sagen, die noch nicht von medialen Spindoktoren vorgekaut wurden oder durch die Außenwirkung bestimmt werden? Ist es nicht wunderbar, dass wir eine Willow haben, die jungen Frauen eine Alternative zu den Leuten in den Charts und in der Klatschpresse bietet? Willow ist nicht berühmt, weil es ihre Eltern sind (OK, ein bisschen), es gibt keine Reality-TV-Show, keine Bekleidungslinie und ihr Instagram ist nicht voller Selfies (@Gweelos, über 666.000 Follower). Als Oprah im Jahr 2010 Will Smith danach fragte, wie man dankbare und großzügige Kinder erzieht, antwortete der Schauspieler: „Ich sage den Kindern die ganze Zeit, Mama und Papa sind reich, ihr seid pleite!"

Ob Jaden ein Kleid trägt oder sich eine 11-jährige Willow den Kopf abrasiert, ganz offensichtlich haben die Geschwister Smith die Freiheit, autonom denkende Individuen und Abenteurer sein zu dürfen. „Der einzige Grund, wieso ich meinen eigenen Weg so gestalte, wie ich das tue, ist meine Erziehung", erklärt Willow. „Meine Eltern haben mir immer gesagt: ‚Wenn du dir nicht deinen eigenen Weg gestaltest, wird es jemand für dich tun. Und das ist nicht lustig.'" Von der Unschuld in Whip My Hair (121 Millionen Aufrufe) über die Teenie-Romanze in Summer Fling (1,5 Millionen) und Female Energy (500.000) bis hin zum aktuellen F-Q-C #7 (4,8 Millionen), wir werden Zeugen, wie Willow vor unseren Augen älter wird. Ein paar ihrer Songs sind mit Absicht nicht so gefällig. Sie macht keine Miley- oder Rihanna-Songs - noch nicht. Das muss sie auch nicht. „Keiner kann mir sagen, wie meine Musik sein soll. Keiner kann mir sagen ‚Mach dies nicht, weil sich das nicht verkauft'. Darüber mache ich mir keine Gedanken", betont sie. „Mich interessiert eher, was Leuten dabei helfen kann, zu begreifen, dass es eine innere Kraft gibt."

Willow trägt einen Mantel von Miu Miu. Top: House of Liza. Hose: Sonia Rykiel. Schmuck (durchweg getragen): Willow's own. Schuhe: TUK.

Sie macht das nicht nur souverän, sondern auch mit einer großen Portion Selbstbewusstsein, Individualität und Experimentierfreude. Wie wichtig ist es für sie, individuell zu sein? „Das Einzige, was ich immer tun wollte, ist, mich weiterzuentwickeln, weil man sonst stehen bleibt oder jemand anderen folgt. Mich interessiert es nicht, was andere Leute sagen. Jemand anderem zu folgen, stehen zu bleiben und nicht andere Dinge auszuprobieren, macht keinen Spaß", sagt sie lachend. „Im Leben geht es darum, Freude zu finden und den Tanz und die Glückseligkeit zu finden; einfach, dass man am Leben ist. Sich seinen eigenen Weg zu gestalten, ist ein Teil davon."

Was einem bei der kleinen Smith besonders auffällt, ist ihre ausgeprägte Neugier an der Welt. Als wir über ihren kürzlichen London-Trip sprechen, erwähnt sie beiläufig, dass sie die Stadt zu Fuß alleine entdeckte. „Ich bin alleine herumgelaufen und habe einfach Leute beobachtet. Dann habe ich mich in einen Park unter einen Baum gesetzt und dem Sonnenuntergang zugeschaut. London ist eine tolle Stadt. Es ist fast wie ein ruhigeres, eleganteres New York."

Wie jeder Teenager hat auch Willow ihre Vorlieben. Sie ist ein Kind der Natur und liebt nichts so sehr wie Camping, Schwimmen und auf Bäume klettern. „Ich liebe es, draußen bei Mutter Natur zu sein und mit den Tieren, den Baumen und allen Lebewesen zu kommunizieren, zu tanzen und einfach alles loszulassen." Animes gehören auch zu ihren Vorlieben, besonders Nana. Es geht einfach gesprochen um diese zwei Mädchen, die in Asien leben und die beide Nana heißen, aber zwei total unterschiedliche Mädchen sind. Dann leben sie zusammen und schaffen sich ein Leben mit ihren Freunden." Eine Vorliebe, die man in ihrem Twitter-Account (@OfficialWillow, 3,7 Millionen Follower) gar nicht übersehen kann, ist James Camerons Science-Fiction-Blockbuster Avatar. „Oh mein Gott,der Film ist mein Leben. Ich schaue mir diesen Film an und er trifft mich direkt ins Knochenmark. Ich weiß dann, dass ich lebendig bin", sagt sie. „Ich weiß es einfach. Der Film erinnert mich daran, was diese Generation tun muss, um ein größeres Bewusstsein zu schaffen und sih gegen die Mächte aufzulehnen. Denn die Kraft, die die Ureinwohner Pandoras aufbringen, um die Militärs zu bekämpfen, ist die Art von Kraft, die wir brauchen. Das ist die Kraft, die wir kultivieren müssen."

Mantel: Maison Margiela. Top und Leggins: Wanda Nylon. Sonnenbrille: General Eyewear. Schuhe: Vintage von Carlo Manzi.

Letztes Jahr hast du Gloria Steinem und bell hooks an der New Yorker New School sprechen hören. Wie und warum identifizierst du dich mit diesen Frauen?
Es war eine Ehre, in der Nähe dieser starken Frauen zu sein. Einfach ihre Energie zu spüren und all das, was sie durchgemacht haben, und das ganze Wissen, was sie angesammelt haben. Einfach mit ihnen zu sein, hat mir so die Augen geöffnet. Als ich kleiner war, hat mir meine Mum immer über Göttinnen und die weiblichen Kräfte des Universums erzählt und ich war immer so durcheinander, weil doch jeder sagt, dass Gott ein Mann ist. Ich habe diese starke feminine Energie mein ganzes Leben gespürt, aber die Gesellschaft als Ganzes ist auf einem anderen Dampfer. Das hat mich immer total verwirrt. Aber einfach in der Nähe von solchen Frauen zu sein und mehr über diese Göttinnen-Energie zu sprechen und das Wissen mit jungen Mädchen zu teilen, war toll Ich habe das Gefühl, dass mein Song „Female Energy" viele Mädchen dazu anregt, nach diesem Wesen der Göttin zu suchen.

Du und deine Mum engagiert euch auch gegen Menschenhandel zu sexuellen Zwecken.
Das ist ein ernsthaftes Problem. Keiner denkt daran, dass in den USA Menschenhandel wirklich existiert, aber es gibt ihn überall und er kommt jeden Tag vor. Deshalb macht es mich so traurig, dass die Medien Frauen so entwürdigen. Wir werden genug unterdrückt. Mit „uns" und „wir" meine ich uns Frauen. Wir müssen zusammenkommen und zusammenhalten. Wir sollten uns nicht gegenseitig schlecht machen. Das macht mich so traurig

Wie klingt deine neue Musik?
Nun, ich passe in kein Genre. Ich tue einfach das, was sich gut anfühlt. Das habe ich in dem Moment gefühlt. Die Musik, die ich jetzt mache, variiert - von Instrumenten der Ureinwohner bis zu weltraumartigen Perkussionsklängen. Das ist zwar schräg, aber so bin ich. Zum Beispiel benutzen nicht viele Leute die chinesische Zheng-Harfe mit synthetischen Drums. Nicht viele mischen diese beiden Klänge.

Mantel: Dries Van Noten. Shirt: Céline. Hose: Iceberg.

Drake hat dich „seine junge Muse" auf Instagram genannt und dem Internet blieb nicht verborgen, dass ihr beide kürzlich in London in den Abbey Road Studios ward. Arbeitet ihr zusammen?
[Lacht] Das hoffe ich. Das ist alles, was ich sagen kann. Wir werden sehen, was daraus wird.

Wer steht auf deiner Wunschliste möglicher Kollaborationen - egal welches Medium -?
Ich würde gerne mit Hiatus Kaiyote zusammenarbeiten. Ich würde liebend gern mit Grimes und mit Miley Cyrus zusammenarbeiten. Ich möchte wirklich Musik mit ihr zusammen machen. Ich produziere die Beats und sie kommt einfach ins Studio. Außerdem Wes Anderson und Tim Burton. Ich würde gerne auch mit Pendleton Ward, dem Erfinder der Fernsehsendung Adventure Time, zusammenarbeiten und Lolawolf.

Wie entdeckst du neue Musik?
Ich bin viel auf Soundcloud unterwegs. Für gewöhnlich bekomme ich meine Musik von Freunden. Eine der Personen, die mich wirklich mit schräger und toller Musik versorgt ist Amandla Stenberg [Rue in Die Tribute von Panem]. Ich sage ihr die ganze Zeit: „Girl, du hast mich angesteckt!". Das muss ich ihr zugestehen, denn wenn sie nicht wäre, hätte ich von den Künstlern, die ich jetzt kenne, keine Ahnung.

Jacke und Hose: Gucci. Top: House of Liza.

Welche Themen kehren in deiner Musik wieder?
Besonders im Song „F Q-C #7" wollte ich authentisch darstellen, wie mein alltägliches Leben ist und wie ich immer draußen bin, auf Bäumen klettere und in Bäche springe. So sieht wirklich mein Alltag aus. Das einzig wirkliche Muster in meiner Musik, über das ich ständig spreche, ist Frequenz, Vibes und so was. Ansonsten ist nichts, worüber ich erzähle, sehr bleibend. Wenn ich meine Songs schreibe, gibt es keine Erklärung für das, was ich sage, weil ich nicht weiß, woher es kommt.

Was denkst du über deine Generation?
Ich fühle gerade, dass unsere Generation die Kunst kreieren muss, die in unseren Herzen ist. Widme dich dem ganz, versuche anderen zu helfen und finde heraus, was sie glücklich macht. Je mehr Leute das tun, was in ihren Herzen ist, desto mehr stärker wird das Herz schlagen und Liebe auf der Welt verbreiten; und desto mehr Leute werden anfangen zu denken ‚Wow, vielleicht ist McDonalds doch nicht das, was ich essen sollte; vielleicht macht mich die Art und Weise, wie in der Schule unterrichtet wird, depressiv; vielleicht sollte ich auf Bäume klettern und mehr meditieren und nicht so sehr auf meine Lehrer hören, die mir ständig sagen, dass alles, was ich tue, falsch ist.' Es braucht nur diese kleinen Schritte, um mehr Bewusstsein zu schaffen.

Ich habe das Gefühl, dass die Generation Y Dinge schneller versteht als vorherige Generationen.
Ich glaube nicht, dass es etwas mit Verstehen zu tun hat. Ich habe eher das Gefühl, dass es mit Begreifen zu tun hat. Sobald man einmal begreift, dass es mehr gibt, als das, was einem gestattet wurde zu glauben, eröffnet sich eine ganze neue Dimension vor einem. Eine ganz neue Dimension von Kreativität, Spaß, Leben - einfach alles.

Body: Vintage von House of Liza. 

Wie bist du zu diesen Schlussfolgerungen gekommen? Durch Freunde, durch die Schule, durch deine eigenen Beobachtungen oder durch deine Eltern?
Einhundert Prozent durch meine Eltern, denn wenn es sie nicht geben würde, wäre ich nicht auf der Welt. Wenn es meine Eltern nicht geben würde, hätte ich nicht gelernt, dass in Einklang mit sich selbst zu sein und auf innere Reise zu gehen, das Einzige ist, was zählt. Du kannst so oft den Finger auf andere zeigen, aber der einzige Grund, wieso du über etwas so fühlst wie du fühlst, liegt an deiner Wahrnehmung, an deiner Konditionierung und deiner Erziehung. Alles ist relativ und du bist der gemeinsame Nenner für alles in deinem Leben. Die meisten Leute sehen sich nicht selbst als potenzielle Ursache des Problems, das sie versuchen zu lösen.

Was ist das schwierigste beim Erwachsenwerden?
Fehler zu machen. Ich hasse es, Fehler zu machen. Das ärgert mich besonders, aber ich mache sehr oft Fehler, deswegen ist es besonders schwierig, gerade wenn man jung ist und versucht, neue Dinge zu lernen. Man muss Fehler machen, um zu wissen, was man in seinem Leben machen möchte und was nicht - und das ist für jeden etwas komplett anderes.

Wie sähe Willow Smiths Erde aus?
Die ganze Welt wäre ein einziger Stamm, eine große Gemeinschaft, die nicht nicht getrennt und geteilt wäre. Wir würden nicht annähernd so viel kämpfen, wir würden nicht unnötig Energiequellen vergeuden, wir würden frei verfügbare Energiequellen benutzen, wir würden von den Bäumen essen und wir würden aus Bächen trinken. Es gäbe keinen Verkehr, keine Windeln und unsere Flüsse wären nicht verschmutzt. Es würde einfach darum gehen, in eine andere Dimension vorzudringen [lacht]. 

Bodysuit: Dior. Stiefel: Costume Studio.

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Credits


Text: Hattie Collins
Fotos: Tyrone Lebon
Styling: Julia Sarr-Jamois

Haare: Marcia Hamilton at Fr8me verwendete Mizani
Make-up: Steven Aturo at The Only Agency verwendete Laura Mercier
Nägel: Marisa Carmichael at Streeters
Fotoassistenz: William Mathieu, Steven Gabriel
Stylingassistenz: Bojana Kozarevic, Roberta Hollis, Sophia Phonsavahn, Victoria Zengo 
Schneider: Brian Frank
Produktion: Rosco Production
Produktion: Holly Gore at Dobedo Productions

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