10 dinge, die du über hedi slimane wissen solltest

In einem seltenen Interview sprach der Creative Director von Saint Laurent über (fast) alles. Hier sind die zehn Dinge, die wir aus dem Interview gelernt haben.

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Aug. 13 2015, 9:33am

In den drei Jahren seit er an die Spitze von Saint Laurent steht, wurde aus Hedi Slimanes Neuausrichtung des französischen Modehauses ein kommerzieller und kreativer Erfolg. In einem seltenen, langen Interview mit Dirk Standen von Yahoo! Style (das du hier findest) sprach der medienscheue Designer über seinen Ansatz, sein Privatleben und über seine Zukunftspläne für Saint Laurent. Das ganze Interview der Kollegen ist äußerst lesenswert, hier sind unsere 10 Highlights des Interviews.

Die Kritik am Anfang störte ihn nicht sonderlich. Obwohl die meisten Kritiker nicht wussten, dass Saint Laurents Umbenennung 2012 eine Rückkehr zum ursprünglichen Namen des Hauses bedeutete, wurde Hedi trotzdem der modischen Gotteslästerung beschuldigt. Zwar wurde er anfangs von der Kritik überrascht, die ihn aber letztlich nur noch mehr bestärkt hat: „Wenn es keine Reaktionen darauf gegeben hätte, hätte das bedeutet, dass es keinen interessiert. Wenn es keinen interessiert, dann haben wir ein Problem."

Er tat genau das, was Yves tat. Zwar ebbte die Aufregung um den neuen Namen ab, aber Kritiker werfen Slimane immer noch vor, dass seine Rock 'n' Roll-Anleihen gegen die elegante Vision des Gründers verstoßen. Hedi entgegnet ihnen aber: „Yves Saint Laurent spielte in seinen Kollektionen mit Elementen und Proportionen aus vergangenen Jahrzehnten, aber am Ende ging es um die Gegenwart und eigenständige Kreationen, um das Gefühl einer Zeit festzuhalten, das Polaroid einer Generation zu schaffen."

Yves kam sogar zu seiner ersten Show für Dior. YSL-Mitbegründer Pierre Berge machte den jungen Hedi 1996 zum Designer für die Herrenkollektion des Hauses. Fünf Jahre später saß Yves selbst im Publikum bei Slimanes Debüt für Dior Homme 2001. „Pierre rief mich am Tag davor an und ließ mich wissen, dass Yves kommen möchte. Es war das Einzige, woran ich an diesem Tag denken konnte und das mir wichtig war."

Das Mobbing in seiner Jugend hinterließ nachhaltig Spuren bei ihm. Wie sich herausstellt, ist sein Markenzeichen - die Skinny-Silhouette - eine Reaktion auf das Mobbing und auf die Homophobie, denen er als Teenager ausgesetzt war: „Viele in der Schule oder in meiner Familie versuchten mir einzureden, dass ich nur halber Mann aufgrund meiner dünnen Figur sei", sagt Slimane im Interview. „Ich wandte mich meinen Musikidolen zu und die trösteten mich. Sie sahen gleich aus und ich tat alles, um so wie sie zu sein, und mich nicht in weiter Kleidung zu verstecken, um den negativen Kommentaren zu entgehen."

Seine Fotografie ist nicht nur für Kampagnen gut. Nach seinem Weggang bei Dior Homme 2007 wandte er sich gänzlich von Modedesign ab und widmete all seine Energie der Fotografie, die auch seine Saint Laurent-Designs beeinflusst: „Genau wie in meinen Fotos war ich auf der Suche nach Unvollkommenheit, Fehlern oder Schwachstellen, die ich in ein analoges Design übersetzt habe."

Er ist gläubig. Zum ersten Mal spricht er über seine Jugend. Slimane sagte, dass er religiös erzogen wurde. „Meine Mutter hat mich auch als Christen erzogen, und auch wenn ich nie darüber spreche, spielt der Glauben, der nie über mich gestülpt wurde, in meinem Leben eine große Rolle. Das äußert sich in der Art und Weise, wie ich Dinge mache oder was mir wichtig ist. Der Glauben vermittelt mir ein Gefühl der Geborgenheit und Stärke."

Er mag Blogs. „Ich mag das Konzept von Blogs; die Vielfältigkeit der Stimmen und die globale Diskussion. Die Art und Weise, wie Blogs das Establishment gezwungen haben, seine Perspektive zu ändern."

Sein Urteil über Social Media ist noch nicht final. Zwar sieht Hedi auf den Einfluss, den Social Media auf die Modebranche hat, aber weder stimmt er Lobgesänge wie Selfie-Meister Olivier Rousteing an noch verurteilt er Social Media ganz wie Phoebe Philo. Aber eines steht für ihn fest: „Die Modeindustrie hat noch nicht Anschluss an das gegenwärtige Tempo von Social Media gefunden."

In einem anderen Leben wäre er Chef eines Musiklabels geworden. Slimane ist auf der Suche nach neuen Talenten in Jugend-Subkulturen und machte aus Sunflower Bean und den Zwillingen von The Garden Kampagnenstars. Aber die Rockstars sammelt er nicht nur als Musen auf Lebenszeit: „Musik, die in den letzten 15 Jahren ursprünglich für Fashionshows in Auftrag gegeben wurden, erscheinen als Songs auf Alben von Bands, mit denen ich zusammengearbeitet habe."

Letztlich treibt ihn die Neugier an. „Nach neuer Musik, unverbrauchten Talenten und der Begeisterung der Jugend zu suchen: Es gibt Nichts, worüber man gleichgültig sein könnte. Man muss neugierig bleiben und neuen Sachen offen gegenüberstehen."

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Credits


Text: Emily Manning
Artwork: Dani Tull
[Aus The Livin' Loud Issue, No. 311, Pre-Spring 2011]