„straight/curve“ ist die dokumentation über die body-positive-bewegung, auf die wir gewartet haben

Wir stellten der Regisseurin Jenny McQuaile ein paar Fragen, weil wir herausfinden wollten, wie die Modeindustrie zum Vorreiter dieser Bewegung wurde.

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Aug. 27 2015, 8:20am

Wenn Frauen mit beschämenden Schönheitsidealen (von Protein World bis zu Project Harpoon) konfrontiert werden, wehren sie sich mittlerweile. Models wie Ashley Graham, Stefania Ferrario und Tess Holliday sind die führenden Köpfe der Body-Positive-Bewegung und nutzen soziale Plattformen, um Millionen von Follower zu erreichen, die genug haben von 08/15-Schönheit. Die Dokumentation Straight/Curve der Filmemacherin Jenny McQuaile beweist nun, dass diese Forderung nach Vielfalt von allen Bereichen der Modeindustrie langsam aber sicher aufgenommen wird und somit letztlich die ganze Gesellschaft verändert. Auf Kickstarter sammelt die Filmemacherin Geld zur Realisierung des Filmprojekts. Wir trafen Jenny und sprachen mit ihr darüber, wieso gerade jetzt die richtige Zeit ist, um Straight/Curve Realität werden zu lassen.

Wieso machst du den Film?
Ich arbeite schon eine ganze Weile an Straight/Curve. Ich bin so wie viele Frauen mit ernsten Problemen der Körperwahrnehmung aufgewachsen. Ich erinnere mich daran, wie ich in Magazinen und im Fernsehen nur dünne Mädchen gesehen habe. Ich habe geglaubt, dass ich so aussehen muss, um schön und glücklich zu sein, aber das könnte falscher nicht sein. Ich glaube, dass die Leute Angst haben, über den Körper und Schönheit zu reden. Ich möchte jedoch einen Dialog darüber führen und versuchen, dieses Tabu ein für alle Mal abzuschaffen. Ich habe über die Plus-Size-Community gelesen und das hat mein Interesse geweckt.

Dieser Film erzählt nicht nur aus der Perspektive von Models. Welche anderen Blickwinkel möchtest du darstellen?
Ich fing damit an, Übergrößen-Models anzuschreiben und mich mit ihnen in New York zu treffen. Nach einer Weile habe ich festgestellt, dass ich die falschen Fragen über die Branche gestellt habe und die falsche Geschichte erzählen wollte. Straight/Curve ist eine echte Gemeinschaftsanstrengung der Schlüsselfiguren der Plus-Size-Community, die alle ihre Geschichten erzählen und diesen historischen Moment in der Modeindustrie beleuchten. Ich habe mich mit Dutzenden Leuten - Models, Fotografen, Agenten, Journalisten, Stylisten und Designern - getroffen und ich hörte einfach zu. Alle haben ein Ziel: eine Industrie, die Frauen aller Körpermaße umfasst. Diesem Ziel will ich mit Straight/Curve näher kommen.

Wie sehr hat Social Media die Debatten über die Körperwahrnehmung beeinflusst?
Social Media hat Frauen wie Männern auf der ganzen Welt eine Plattform gegeben, mit deren Hilfe sie ihren Meinungen und Forderungen Nachdruck verleihen können. Die Leute können Marken und Designern nun direkt sagen, was sie in den Läden und auf den Catwalks sehen wollen und diese Forderungen finden allmählich Gehör. Es wird durch Social Media deutlich, dass sich Leute überall auf der Welt um ihre Körperwahrnehmung Gedanken machen. Die Leute interessiert es, wer das Gesicht einer Marke wird, oder wen sie in Magazinen sehen.

Was sind die größten Veränderungen, die du in der Debatte um Körperwahrnehmung in der Modeindustrie und in der Gesellschaft in den letzten Jahren beobachtet hast?
In den letzten zwei Jahren hat sich in der Modeindustrie enorm viel verändert, besonders in den letzten sechs Monaten. Gerade ändert sich wirklich was und es wirkt wie ein Schneeballsystem. Viele befürchten, dass die Sichtbarkeit von kurvigen Frauen lediglich ein Trend ist, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass es dieses Mal nicht bloß eine Phase ist. Diese kurvigen Frauen sind keine Ausreißer, sie repräsentieren zwei Drittel der Gesellschaft, wieso soll es also merkwürdig sein, wenn diese Frauen erfolgreiche Model sind? Leute, die schon seit 15 Jahren in der Modeindustrie arbeiten und die die Plus-Size-Bewegung gegründet haben, sagen mir, dass es dieses Mal anders ist. Straight/Curve fängt echte und bleibende Veränderungen an diesem wichtigen und entscheidenden Wendepunkt ein.

Was ist die wichtigste Lektion, die du während der Arbeiten an diesem Film gelernt hast?
Weibliches Empowerment. Ich hatte immer männliche beste Freunde, als ich großgeworden bin. Ich war nie Feministin. Aber durch die Arbeiten zu diesem Film habe ich ein paar der tollsten, stärksten und inspirierendsten Frauen getroffen. Sie haben mir viel über mich selbst beigebracht und durch sie begriff ich, dass diese Dokumentation ein Film von, für und über Frauen sein soll. Der Mangel an Frauen in der Filmproduktionsbranche macht mich traurig und auch wütend. Wo auch immer es möglich ist, versuchen wir, dass die Crew bei Straight /Curve nur aus weiblichen Mitgliedern besteht und das ist etwas, wovon ich nicht dachte, dass ich es jemals sagen würde.

Was erhoffst du dir mit dem Film?
Ich hoffe, dass ich durch diesen Film die nächste Generation Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und Empowerment anrege. Ich möchte, dass die Leute sich den Film anschauen und Einblick in eine Welt erhalten, die bis jetzt geheim war. Es wird für jeden etwas dabei sein, aber die wichtigste Message ist die von weiblichem Empowerment. Wir befinden uns auch in Gesprächen mit Behörden und NGOs, um Straight/Curve in Schulen zu zeigen, und  mit verschiedenen Organisationen, die sich mit der Körperwahrnehmung beschäftigen, um ihnen den Film als Material zur Verfügung zu stellen. Wir haben eine wichtige Message und wir wollen sie mit so vielen Leuten wie möglich teilen.

Hier gelangst du zur Straight/Curve's Kickstarter Kampagne.

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Credits


Text: Emily Manning
Image via Straight/Curve Kickstarter