wie pop art die mode beeinflusst hat

i-D erforscht die ganz besondere Beziehung zwischen visueller Kunst und Mode.

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09 Januar 2015, 7:42am

Um zu überleben, brauchen die verschiedenen Branchen der Kreativindustrie einander: Kunst beeinflusst Musik, Musik beeinflusst Kunst, beide beeinflussen die Mode und Werbung bezieht sowieso von überall her ihre Inspirationen. Die Verbindung zwischen Mode und Kunst ist derzeit so stark wie selten zuvor: So hat Prada für ihrer Spring / Summer 14 Kollektion sechs Graffitikünstler beauftragt, Bottega Veneta hat mit Ryan McGinley zusammengearbeitet und Louis Vuitton ging in den letzten Jahren hochgelobte Kollaborationen mit Yayoi Kusama, Takashi Murakami und Richard Prince ein.

Diese kommerziell erfolgreichen Partnerschaften reichen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Damals platzierte Salvador Dali einen riesigen Hummer auf einem weißen Abendkleid von Elsa Schiaparelli.

Laut dem Kurator der „Pop-to-Popism"-Ausstellung in Sydney, Wayne Tunnicliffe, hat sich die Beziehung seither immer mehr verstärkt: „Verglichen mit heute war die kreative Szene in den 60ern kleiner und dadurch überschaubarer. Viele der innovativsten Modedesigner verkehrten in denselben Kreisen wie Künstler, Musiker und anderen Leuten, die die Kultur der damaligen Zeit geprägt haben. Ich bin mir sicher, dass sich viele Pop-Art-Künstler mit Mode auseinandersetzten, wobei wiederum viele Pop-Art-Bilder in den Kollektionen verwendet wurden. Zum Beispiel ist Warhols Campbells Suppendose zu einem beliebten Print geworden."

Pop-Künstler verwendeten nicht nur die Mode selbst als Thema, sondern bedienten sich auch an den Modedesignern: Eines der bekanntesten Bilder von David Hockney ist das Porträt von Ossie Clark mit seiner Eherfrau, der Textilgestalterin Celia Birtwell.

Yves Saint Laurent by Andy Warhol, 1974

Unvergessen sind natürlich die Mondarin-Kleider von Yves Saint Laurent, die auf Motive des niederländischen Malers zurückgehen. 1974 verewigte Warhol den französischen Modedesigner in einem vierteiligen Siebdruckporträt. Zu Andy Warhols Freunden zählte auch der amerikanische Designer Roy Halston, der in zahlreichen Werken von Warhol vorkommt und Warhols Kunst auch sammelte. Im Gegenzug schuf der Künstler Werbekampagnen für ihn. 

Martha Rosler, Cleaning the Drapes, aus der Serie „House Beautiful: Bringing the War Home", 1967-1972, Fotomontage

Mode war nicht nur eine Quelle der Kollaboration - für viele Künstler war sie auch Gegenstand der Kritik. So wie in Martha Roslers Fotomontagen Bringing The War Home, in denen sie High Fashion und luxuriöse Inneneinrichtung mit grausamen Bildern des Vietnamkrieges mischt. Ihre Arbeiten sind eine Kritik an der Konsumgesellschaft und dem verborgenen Blutvergießen.

Ein anderes Beispiel ist die Künstlerin Cindy Sherman, die im selben Atemzug Mode kritisiert und feiert. „Es ist in Ordnung, ein abgeklärtes Verhältnis zur Mode zu haben. Einerseits scheint es so, als ob Sherman Mode für die Verzehrung unseres Selbstbild kritisiert, während sie andererseits an der Entstehung von Modebildern mitwirkt. Diese ambivalente Position ist typisch für viele Künstler, die in den 80er Jahren bekannt wurden. Beispiele dafür sind Richard Prince und Jeff Koons. Manchmal wirkt es so, als ob diese Künstler Kommerz und Massenmedien kritisieren, um dann wieder daran teilzunehmen", erklärt Tunnicliffe.

Die Vorstellung, dass Kunst befreit von Kommerz ist, ist mittlerweile unglaubwürdig. Was einen jedoch nicht davon abhält, sich zu wünschen, dass es so wäre. „Schon mit den ersten Pop-Art-Ausstellungen in den frühen 60er Jahren haben gewinnorientierte Künstler immer wieder ein geteiltes Echo hervorgerufen. Einige waren der Meinung, dass Kommerz und Hochkultur nicht zusammengehörten. Andere sahen in deren Verschmelzung die Anerkennung der Tatsache, dass Big Business die Kunstwelt dominiert und als eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Kommerzialisierung der Welt", fügt Tunnicliffe hinzu.

Allen Jones, Secretary, 1972

Während nicht jeder Designer behaupten kann, dass seine Arbeit eine gewisse Relevanz hat, sieht es auf individueller Ebene anders aus. Dort steht Mode nämlich für etwas. Der Akt des Sich-Anziehens sagt viel über die Person aus, unabhängig davon, ob es sich dabei nun um eine Message der Konformität oder Rebellion handelt. Künstler entdecken darin oftmals eine tiefere Bedeutung: Egal ob in den Fetisch-Stiefeln einer Allen-Jones-Skulptur oder in einem Liechtenstein-Bild ein elegant gekleidetes Paar in die Nacht entschwebt.

Mode und Kunst beeinflussen einander oftmals in strukturierteren Umgebungen, aber wenn sie zusammenkommen, um eine Geschichte zu erzählen, ist die Verbindung womöglich am stärksten. So lange weiterhin Kleidung getragen wird, ist es unwahrscheinlich, dass diese Verbindung jemals abbricht.

Hier geht's zum Interview mit Allen Jones.