verliere dich in der musik von corbin

Im letzten Jahr hat ein Teenager, anfangs unter dem Künstlernamen „Spooky Black“, jetzt unter seinem richtigen Namen „Corbin“, das Internet verzaubert. Mit zwei EPs, „Black Silk“ und „Leaving“, und dem gleichnamigen Album seiner Band thestan4rd...

von Hattie Collins
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06 März 2015, 10:40am

Jamie Hawkesworth

Corbin über …

Keith Sweat
„Als ich acht Jahre alt war, habe ich begonnen, Musik zu machen. Ich hörte AC/DC und den ganzen normalen Rockkram, den man als Kind so hört. Im Laufe der Jahre entwickelte ich aber einen anderen Musikgeschmack: Ich liebte Dubstep, dann Emo und in der siebten Klasse habe ich mit dem Singen angefangen. Später habe ich dann Gregory Alan Isakov gehört. Er ist dieser komische Folk-Künstler aus Colorado. Er hat mich stimmlich beeinflusst. Später wurde es dann Lil Ugly Mane, er ist ein Untergrund-Rapper aus Richmond, Virginia. Er macht düsteren, schwermütigen Gangsta-Rap. Ich habe ein Rapalbum rausgebracht, Forest, bevor ich (meine erste EP) Black Silk released habe; der ganze Prozess war krank, es war einfach komisch. Irgendwo auf YouTube kannst du es noch finden. Black Silk wurde von Keith Sweat inspiriert. Ich habe angefangen, Keith Sweats Musik zu hören, nachdem mir der Vater eines Freundes die Musik empfohlen hat. Eine der größten Inspirationen für das Musikvideo zu „Without U" war das Musikvideo von Joes „I Wanna Know", deshalb habe ich ausschließlich Weiß getragen. Gerade jetzt höre ich viel Björk, James Blake, Beirut, Nils Frahm und Olafur Arnalds; Mich begeistert auch immer mehr Zoo Kid und die alten Sachen von King Krule."

EDM
„In den USA ist EDM das große Ding. Ich habe meinen Bruder im College in Iowa besucht. Es war so, wie man es sich vorstellt. Es gab eine EDM-Paint-Party, auf der Leute mit Farbe besprüht werden. In jedem Raum hörten die Leute EDM. Das fand ich nicht so gut [lacht]. Mein Bruder und ich haben denselben Samenspender, aber verschiedene Mütter, wir haben also denselben Vater. Es gab nie Probleme wegen meiner Eltern; Schwule und Lesben können jetzt heiraten und St. Paul war schon immer eine liberale, offene Stadt und ein sicherer Ort für die LGBT-Community. Ich hatte deswegen nie Probleme in meiner Jugend. Mittlerweile konnte ich meine Eltern für meine Musik begeistern. Anfangs hatten sie Problem damit, weil es auf meinem ersten Mixtape um Selbstmord und um Mord ging. Jetzt unterstützen sie mich. Meine Mutter hört meine Musik, wenn sie das Haus putzt."

Der Tod von Spooky Black
„Auf den Namen Spooky Black bin ich in der neunten Klasse gekommen. Es sollte mein Rapname werden, als ich Forest aufgenommen haben. Wenn du dir dieses Album anhörst, dann wird klar, was ich mit „Spooky Black" meine. Ich habe aber niemals erwartet, dass der Name hängenbleibt. Als ich mich dann Lil Spook nannte, wurde Spooky Black mein Rapname und Lil Spook mein R'n'B-Name. Ich zucke zusammen, wenn mich jemand Spooky Black nennt. Mittlerweile hasse ich den Namen. Er passt nicht mehr zu mir und ich fühle mich als Musiker unwohl damit. Mein Debütalbum erscheint unter meinem Namen „Corbin", um meinen Status als ernsthafter Musiker zu festigen. Ich nehme meine Musik sehr ernst, aber der Humor darf in meinen Songs nicht fehlen."

Keller
„Ich schreibe meine Songs immer, wenn ich erschöpft bin und in einer tiefsinnigen und nachdenklichen Stimmung bin. Das ist meistens abends der Fall. Ich nehme mir viel Zeit, drehe das Licht aus und laufe in meinem Keller hin und her. Wenn ich irgendetwas fühle, setze ich mich hin und fange an, Songs zu schreiben. Meine Musikvideos wurden alle in St. Paul gedreht, weil ich die Wälder und die raue Natur mag. Neulich bin ich mit Psymun [Mitglied von thestand4rd] nach Wisconsin gefahren. Der ganze Roadtrip war der Hammer, die Farben waren so geil. Braunes Gras schoss aus dem Schnee und die Bäume dahinter waren so majestätisch. Ich beneide die Leute, die am Land leben. So werde ich auch die Songs für mein Album schreiben, ich fahre nach Norden, packe meine Beats ein und bin ganz isoliert. Mein Album wird sich hauptsächlich um Isolation drehen und wie ich mich daran gewöhnt habe, alleine zu sein. Die Leute denken, dass es deprimierend ist, aber das ist es nicht. Ich mag es, alleine zu sein, es ist so spirituell. Mein neues Album hat einen seltsamen Vibe."

Liebe, Mädchen und Schule
„Ich habe seit Kurzem eine Freundin, aber ich habe keine Ahnung, wie lange es halten wird. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, alleine zu sein. Ich sehne mich nicht nach Gesellschaft. Die meiste Zeit verbringe ich entweder im Studio oder zu Hause in meinem Keller. Ich verarbeite Probleme, nicht indem ich mit Leuten spreche, sondern indem ich alleine bin. Dadurch kann ich mich selbst finden. Ziemlich lange habe ich mich von jedem zurückgezogen. Ich habe die Schule gewechselt und mich von ein paar Freunden verabschiedet, mit denen ich nicht mehr befreundet sein wollte: Typen mit Drogenproblemen, die sich in klischeehafte High-School-Idioten verwandelt haben. Ich habe mit denen einfach nicht mehr geredet, was nicht der beste Weg war, weil es sie am meisten verletzt hat. Ich will mit meinen Handlungen niemanden verletzen. Ich versuche, Leute glücklich zu machen, aber wenn mir jemand wirklich wichtig ist, bekomme ich es meistens nicht auf die Reihe. In Black Silk geht es nicht wirklich um Mädchen, es ist eher eine Plattform, um auszudrücken, wie ich mich in dieser Zeit gefühlt habe. Damals litt ich unter Depressionen. In Leaving geht es um die Chancen, die ich hatte, aber nie wahrgenommen habe. Mehr werde ich darüber aber nicht sagen."

Durags
„Ich trage keine Durags mehr, aber mit allem, was ich anhabe, versuche ich bescheuert auszusehen. Das ist meine Art von Humor. Ich finde Selbsterniedrigung lustig. Ich ziehe mich gerne lächerlich an, niemand kann sich dann lustig über mich machen, weil ich mir ja offensichtlich bewusst darüber bin, was ich trage. Wenn du dich wie ein Idiot anziehst, dann fühlen sich andere Leute weniger als Idioten. Vor unseren thestand4rd-Konzerten trete ich als DJ auf und spiele Nightcore. Nightcore ist diese schnelle Popmusik und ich schreie ins Mikrofon und benehme mich wie ein Vollidiot. Leute reagieren gemischt darauf. Ein Freund sagte mir, dass jemand im Publikum beim Konzert in St. Paul, der wie ein Trottel mit seinem rückwärts getragenen Obey-Cap und diamantenen Hemd aussah, böse auf mich wurde und wild herumschrie. Als DJ macht es mir Spaß, diese Art von Leuten zu verärgern."

DJ Khaled Is My Father
„Ich habe diesen Song zu einer Zeit geschrieben, als ich dachte, dass DJ Khaled eine wirklich komische Person ist. Er faszinierte mich. Es war eine spontane Entscheidung nach dem Motto ‚Wie soll ich den Song nennen? Oh, ich nenne ihn einfach ‚DJ Khaled Is My Father'. Der Witz ging zu weit. Danach habe ich ihn auch wirklich getroffen und er ist genauso, wie man sich ihn vorstellt. Ich habe ihn gefragt, ob er im Vorprogramm auftreten würde und er antwortete: „Hat dein DJ „All I Do is Win"? Ich meinte: „Natürlich!". Es hat super geklappt: Er trat auf, dann kamen wir auf die Bühne und ich sang „DJ Khaled Is My Father". Es war verrückt."

Fans
„Es war nie mein Traum, berühmt zu werden. Natürlich ist es toll, dass Leute meine Musik hören; das ist alles, was mich interessiert. Dass mich einige Fans verehren, ist wirklich komisch. Ich weiß gar nicht genau, was ich damit anfangen soll. Für mich sind berühmte Leute keine Götter. Ich bin eine normale Person, die normale Dinge tut. Viele meiner Fans sind Teenager, die online mehr sind als im echten Leben, was OK ist. Ein Freund sagte mir, als das Musikvideo zu „DJ Khaled Is My Father" rauskam, wusste er, dass es etwas Besonderes ist. Ich freue mich, wenn Leute meine Songs mögen. Für mich ist jedoch nur wichtig, dass ich das tun kann, was ich will. Ich will mir treu bleiben. Ich denke, dass das die Leute mögen, Leute respektieren die Ehrlichkeit."

soundcloud.com/spookyblack

Credits


Text und Interview: Hattie Collins
Fotos: Jamie Hawkesworth
Produktion: Sylvia Farago 
Besonderen Dank an Julia Sarr-Jamois

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