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Eine Anleitung, wie du den Silvesterabend überlebst

Bertie Brandes nimmt dir den Jahresendstress ab und hat einen Ratgeber mit einfachen und effektiven Lösungsvorschlägen für dich zusammengestellt, damit du Silvester nicht nur am Stalken bist.

von Bertie Brandes
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31 Dezember 2015, 8:40am

Du hast nur 20 Mal im Leben die Chance, das beste Silvester deines Lebens zu feiern. Und bei mindestens fünf davon wirst du wahrscheinlich ein Tutu und einen Taucherhelm tragen. Ich nehme dir den Stress für die Nacht der Nächte zum Jahreswechsel ab und habe für dich einen Ratgeber mit einfachen und effektiven Lösungsvorschlägen zusammengestellt, die dich vor dir selbst schützen, während du einen Schwarm stalkst. Außerdem erkläre ich dir, wie du dir dabei keine Unterkühlung holst. Wenn du Ratgeber scheiße findest, dann respektiere ich das, OK. Vergiss nicht zu essen und wenn du für den nächsten Morgen eine Pizza im Kühlschrank deponierst, dann wirst du dich mehr lieben als es ein semi-süßer Fremder im Sakko jemals könnte.

Das Problem: Du darfst unter keinen Umständen alleine in die Nähe deines Handys gelassen werden, du musst aber wissen, zu welcher Party du als Nächstes sollst aka du brauchst Google Maps, damit du den Countdown zum Jahreswechsel nicht in der U-Bahn oder auf einer leeren, dunklen Straße alleine verbringen musst.
An Silvester Single zu sein und ein Kommunikationsmittel bei sich zu haben, mit dem du jeden Boy, mit dem du jemals Augenkontakt hattest, kontaktieren zu können, kann nur in einer Katastrophe enden. Ob es sich dabei nur darum dreht, dass du einen Ex mit der komischen, weingetränkten Stimme anrufst, die du benutzt, um den Fakt zu übertünchen, dass du dich selbst zu Tode weinst, wenn du innerhalb der nächsten 25 Minuten niemanden zum Kuscheln hast, oder ob du deinem Chef um Mitternacht einfach nur „X" simst, dein Magen wird sich beim Gedanken daran für die nächsten zwei Wochen krümmen. Wieso solltest du das neue Jahr mit einem Gefühl der Reue und der Scham beginnen? Das hast du bereits zur Genüge getan. Sei proaktiv. Dasselbe gilt übrigens auch für Facebook Messenger, Whatsapp, etc.

Die Lösung: Bevor du das Abendessen verlässt, soll jeder der anwesenden Gäste sein Handy in einen Beutel packen und dann wird daraus per Zufall irgendein Handy gezogen. Das ist für die nächsten Stunden nun dein Handy. Und ich hoffe für dich, dass es kein rosafarbenes, verspiegeltes Prinzessinnen-Cover hat. Wie auch immer das Handy auszieht, das Wichtigste ist, dass sich darauf keine Nummer einer der Ex-Freunde befindet. Falls doch: What the fuck, wem auch immer dieses Handy gehört, diese Person hört sich nach einer richtigen Bitch an. Nichtsdestotrotz wird dir dieses Handy um 5 Uhr morgens den kürzesten Weg zur Party weisen. Dadurch hast du das Vergnügen, wenn du irgendwann mit einem tierischen Kater aufwachst, dich durch die Anrufe von letzter Nacht zu scrollen, die du ja ignoriert hast, weil du zu viel Spaß hattest und du keinen McRib in einem Bahnhof-McDonald's, der rund um die Uhr hat, verdrückt hast. Spaß! Und noch mehr Spaß!

Das Problem: Du willst etwas tragen, in dem du auf allen unnötigen Polaroids heute Nacht gut aussiehst, aber es ist kalt und außerdem bist du erkältet.
Wer will denn nicht das neue Jahr in einem Outfit begrüßen, mit dem man noch nie besser aussah als auf dem geschickt gefilterten Foto auf dem Instagram-Account der Freundin mit den meisten Followern? Die Silvesternacht ist die Nacht, in der Girls, die in den vergangenen 364 Tage keinen BH trugen, plötzlich das dringende Bedürfnis haben, ihre Brustwarzen abzukleben und Silikoneinlagen in ihre Push-up-BHs zu stopfen, oder auf einmal ernsthaft überlegen, komplett auf Unterwäsche zu verzichten. Spaß! Auf der anderen Seite ist es draußen bitterkalt, du bist krank und du wirst für acht Stunden in der Küche von irgendjemandem sitzen und Celine-Dion-Videos schauen. Das ist schon ein ziemlicher Zwiespalt.

Die Lösung: Wickele dich in Bio-Marabu und Bio-Lammfell ein, um der Kälte Adieu zu sagen und gleichzeitig das 70er und 80er Outfit-Ensemble nicht zu zerstören. Für diejenigen unter uns, die es etwas praktikabler haben wollen und nicht ihr Geld als freischaffende Modestylistin verdienen: Nächstes Jahr wird Thermounterwäsche ganz groß in Mode sein und total chic sein, du solltest sie immer und unter allem tragen. Thermounterwäsche sorgt irgendwie dafür, dass deine Brüste größer wirken (besonders in rot), sie halten deine Knie warm und außerdem kannst du sie tragen, wenn du dich um 7 Uhr morgens auf den Bier-getränkten Teppich ausruhen und ein Nickerchen halten musst. Außerdem kannst du sie wirklich klein zusammenknautschen und in deiner Handtasche verstauen, wenn du diesen fatalen Hey-ich-werde-jetzt-auf-diesem-Tisch-tanzen-Moment verspürst.

Das Problem: Du findest jemanden scharf, weißt aber nicht, auf welche Party diese Person geht und du hast auch kein Handy, siehe Schritt 1.
Zuerst: Glückwunsch zum geringsten Problem in dieser Nacht. Du hast es a) irgendwie geschafft, nach einem Jahr voller Selbstmitleid und Horror irgendwie jemanden scharf zu finden, und b) kennst du mindestens zwei Partys, auf die du gehen kannst. Ich bin gleichzeitig genervt und neidisch und ich sehe ein, dass du Probleme ganz eigener Art hast. Wie spürst du jemanden auf, mit dem du lediglich drei SMS ausgetauscht hast und beim Abendessen nicht mal betrunken genug wurdest, um diese Person danach zu fragen, wohin sie geht.

Die Lösung: Du musst das Party-Hopping professionell angehen. Das birgt die Gefahr, dass du dich Schlag Mitternacht in einem Bus befindest und deinen feinsten Cremant mit Touristen und dem Busfahrer teilst. Aber wenn du erfolgreich bist, dann winkt dir ein Fick, der so gut ist, dass dir dein Bauch wehtun wird (oder lag das am Cremant?), du ins Bad musst und dich mal für 15 Minuten hinsetzen musst, weil sich durch das Ecstasy dein Kopf dreht. Um Gesellschaft bei deinem Hopping zu haben, schließe dich mit Freunden zusammen, bevorzuzugen sind Freunde, die dasselbe durchmachen wie du und seid euch einig, dass ihr euch alle Taxifahrten teilt, und nichts steht deinem Lauren-Conrad-Moment entgegen. Der Nachteil an dieser Methode ist, auch wenn du diese ominöse Person nicht finden wirst, wirst du wahrscheinlich jemanden finden, der mit seinem langen Mantel gut aussieht und der nur zu gerne für 15 Minuten deinen Glitzer-Lippenstift schmecken will, während alle anderen den Nightcore-Remix von Auld Lang Syne mitgröllen.

Wenn du dir einen meiner Ratschläge zu Herzen nimmst, bevor du dir diese Mörder-Schuhe anziehst (Highheels und Thermounterwäsche sind: very Gwen Stefani) und aus der Tür stöckelst, befolge das: Statte dem Apotheker deines Vertrauens einen Besuch ab. Kauf dir Aspirin, Paracetamol, normale (!) Cola, Hustensaft und etwas gegen die Halsschmerzen, wenn du wirklich krank bist. Stell dir eine große Flasche Wasser neben dein Bett, pack ein sauberes T-Shirt, einen Schokoriegel und das Ladekabel dazu. Wenn du Neujahr aufwachst, wirst du leise statt „Oh, scheiße" und „Oh mein Gott, ich bin so durstig, aber ich kann nicht aufstehen, weil ich nackt bin und mich nicht daran erinnern kann, wer neben mir liegt" folgendes vor dich her flüstern: „Gott sei Dank". Dreh' dich und schlaf weiter. Wir sehen uns nächstes Jahr!

Credits


Text: Bertie Brandes
Foto: Terry Richardson
[The Agyness Deyn Issue, Mai 2008]

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