indonesische regierung verbietet schwule emojis

Die Regierung des mehrheitlich islamisch geprägten Staates stuft kleine Darstellungen von gleichgeschlechtlichen Paaren als Gefahr ein. Doch das ist noch das geringste Problem der dortigen LGBT-Community.

von i-D Staff
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15 Februar 2016, 9:00am

A sampling of the illustrated boyfriend emojis now under fire. Courtesy LINE.

Indonesien hat gleichgeschlechtliche Emojis verboten und für illegal erklärt. Das hat Dazed and Confused am Wochenende berichtet. Die süßen Illustrationen konnten auf Apps wie LINE, Whatsapp, Facebook und Twitter verwendet werden und stellen Männer, die mit anderen Männer Händchen halten, und auch Frauen, die mit anderen Frauen Händchen halten, dar.

Doch der Führung des mehrheitlich islamisch geprägten Staates reichte das nicht und  sie hat deswegen alle LGBT-Emojis auf jeder Messenger-App, die in dem Land erhältlich ist, verboten. Die offizielle Begründung liest sich dann so: „Solche Inhalte sind in Indonesien aufgrund unserer Kulturgesetze und religiösen Normen nicht erlaubt und Betreiber müssen dies respektieren", sagte Ismail Cawidu, Sprecher des indonesischen Ministeriums für Kommunikation und Information. Natürlich hat die indonesische Regierung dabei nur das Kindeswohl im Kopf. Durch die bunten und süßen Bilder könnten Kinder sofort homosexuell werden. „Diese Dinge werden vielleicht im Westen als normal angesehen, aber in Indonesien sind sie so gut wie nicht möglich."

LINE Indonesia, das Unternehmen hinter den Emojis, hat schnell reagiert und sämtliche gleichgeschlechtlichen Cartoons aus seinen Onlineshops entfernt und eine Entschuldigung veröffentlicht. „LINE bereut einige Sticker, die von vielen als unangemessen empfunden werden."

Auch wenn Homosexualität in Indonesien an sich nicht illegal ist—viele Personen im Fernsehen des Landes sind schwul oder Transgender—, ist dies ein weiterer Schritt gegen LGBT-Rechte in dem südostasiatischen Land. Hartoyo ist ein bekannter indonesischer Schwulenrechtsaktivist und er findet das Emoji-Verbot besorgniserregend. „Das ist nur die neueste Stufe in einer ganzen Reihe von Vorfällen in der jüngsten Vergangenheit. Die Regierung steht dem Problem nun schon zu lange tatenlos gegenüber. Das ist gefährlich für unser Land."

Letztes Jahr führte die Aceh-Provinz—die einzige in Indonesien, in der die Scharia Gesetzeskraft hat—islamische Strafen für Homosexualität ein, die unter den säkularen Gesetzen des Gesamtstaates eigentlich nicht strafbar ist. Bewohner des Landes, die bei homosexuellen Sexakten erwischt werden, werden mit „Stockschlägen" bestraft, was nichts Anderes bedeutet, als öffentlich bis zu 100 Mal ausgepeitscht zu werden.

Das Verbot von gleichgeschlechtlichen Emojis ist nur das geringste Problem für die indonesische LGBT-Community.

Credits


Text: Laura Vogel
Foto: Courtesy of LINE

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