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Mount Kimbie im Gespräch über alte Gewohnheiten und neue Musik

Mit “Love What Survives” erkundet Mount Kimbie wieder einmal völlig Neues. Wir freuen uns schon: Das Album erscheint am 8. September.

von Joely Ketterer; Fotos von Frank Lebon
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31 August 2017, 2:01pm

Wir können gar nicht mehr sagen, wie oft wir die beiden letzten Platten von Mount Kimbie rauf und runter gehört haben. So sehr haben sich die beiden Briten in unsere Ohren gespielt und uns mit ihrem unverwechselbaren Sound nicht mehr losgelassen. Umso mehr haben wir uns gefreut, als das Duo sein neuestes Album angekündigt hat, das am 8. September nun endlich erscheinen wird.

Auf Love What Survives haben die beiden Jungs eine Menge junger britischer Künstler im Gepäck. Neben neuem Elektro- und Vintage-Synths von Dominic und Kai sind auch James Blake, Micachu und King Krule mit dabei. "Alles Freunde und Leute, deren musikalische Entwicklungen wir mitverfolgt haben", erzählen sie.


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Musikalisch lässt die neue LP einiges an Veränderung hören: neue Instrumente kommen zum Einsatz, selbstbewusster und ein Tick wärmer klingen die Tracks. Welche Musik ihnen dabei als Inspiration diente und was ihr großes Ziel war, haben sie uns vor Veröffentlichung im Interview verraten. Das Video zu Delta (ein Favorit von Kai) erscheint schon heute und kannst du dir hier ansehen.

Seit eurem letzten Album sind vier Jahre vergangen. Wie habt ihr euch entwickelt?
Kai: Im Grunde ist es genauso, wie man sich physisch verändert: Es ist unabwendbar. Dinge bewegen sich nach vorne und du musst versuchen, deine eigene Wahrheit wiederzugeben. Das Schlimmste wäre, eine weitere Version der letzten Platte zu machen. Das wäre, als würde man eine Lüge erzählen.

Worin unterscheidet sich Love What Survives von euren vorherigen zwei Alben?
Dom: Ich hoffe, dass das allgemeine Gefühl, das man mitnimmt, ein anderes ist. Wir haben uns mit ganz unterschiedlichen Sounds beschäftigt — es fühlt sich wie ein völlig anderes Projekt an. Wir freuen uns sehr, wenn ihr hören könnt, was wir so getrieben haben.

Drei Jahre habt ihr an der neuen LP gearbeitet. Was habt ihr in der Zwischenzeit gehört?
Dom: Total unterschiedliche Arten von Musik. Zu Beginn eine ganze Menge Soul. Vor allem die Art von Soul, für die anfangs Drum-Maschinen als eine Art Hintergrund-Track verwendet wurden, um das Timing zu halten. Schließlich auch viel Zeug, das Kai zu der Zeit hörte: mit einem Krautrock Feel. Suicide beispielsweise. Ich konnte da einen Zusammenhang herstellen, weil die Band auch diese Art von Drum-Maschinen verwendete, die im Soul und Funk vorkommen. So konnten wir musikalische Einflüsse miteinander verbinden, die ähnliche Elemente teilen.

Für Love What Survives habt ihr euch gesangliche Unterstützung von James Blake, Micachu und King Krule geholt. Wie war die Zusammenarbeit? Dom: Das sind alles Freunde und Leute, deren musikalische Entwicklungen wir mitverfolgt haben — die uns auch Impulse geben. Wir hatten ein Stück weit befürchtet, dass wir zu viele Features in unserer Musik haben würden. Das Gegenteil war der Fall: Es fühlte sich später an, als würde alles genau da hingehören, wo es war. Kai: Richtig interessant wird es, wenn du dich anderen Leuten öffnest und sie aus deiner Song-Idee etwas machen, was dir nicht in den Sinn gekommen wäre. Du hast anfangs vielleicht eine Melodie, aber es gibt so viele Möglichkeiten, das gesanglich umzusetzen. Die Ideen von anderen können einer Sache ganz neues Leben einhauchen und dich dazu zwingen, auch mal etwas Neues zu erkunden.

Ihr habt euch außerdem, so liest man, von allem getrennt, was bisher erfolgreich funktioniert hat. Was hat euch dazu bewegt? Dom: Wir hätten uns nicht wohl damit gefühlt, die gleiche Sache nochmal zu machen. Alte Gewohnheiten loszuwerden war wichtig, um sich der Sache mit frischem Durst und Hunger anzunehmen. Das konnten wir nur, indem wir sagten: Wir gucken mal was passiert und kümmern uns nicht um die Vergangenheit.

Was wolltet ihr mit dem neuen Album erreichen? Kai: Bevor es irgendjemand hört, willst du persönlich das Gefühl erreichen, dass wir uns nach vorne bewegen. Und hoffentlich etwas zu der Konversation beitragen, in der es darum geht, was Musik ist. Eigentlich ist das Ziel immer ganz einfach: Freude daran haben, es wieder zu tun.

Kai Campos (links) und Dominic Maker

Dieses Jahr habt ihr erneut Radiosendungen für NTS kuratiert. Was habt ihr von dieser Erfahrung mitgenommen?
Kai: Gemeinsam über Musik zu diskutieren, hat uns darüber nachdenken lassen, was wir bisher musikalisch erreicht haben und wo wir reinpassen. Und auch wohin wir eigentlich wollen.
Dom: Die Möglichkeit, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zu treffen und mit ihnen über ihre Arbeiten zu sprechen, war sehr inspirierend. Wir konnten ein bisschen nachforschen und hören, wie andere ihre Sachen angehen.

Dominic lebt nach wie vor in Los Angeles — Kai in London. Wie wirkt sich die Entfernung auf Mount Kimbie aus?
Dom: Abgesehen vom Jetlag beeinflusst es uns eigentlich gar nicht. Es verändert nichts daran, wie wir miteinander arbeiten, weil wir sowieso immer getrennt begonnen haben und erst später im Prozess zusammenkamen. Es bedeutet eigentlich nur, dass eine Menge passiert — wir reisen viel herum.

Wie oft seht ihr euch?
Kai: Relativ häufig eigentlich. Ich sehe Dom mehr als meine Familie.

Könntet ihr uns etwas durch euer kommendes Album führen? Wie ist das persönliche Lieblingslied entstanden, das hat den Titel inspiriert?
Dom: Ich nehme das kurze Interlude "Poison". Es ist ein sehr einfacher Loop und erinnert mich sehr an William Basinski, den wir immer sehr bewundert haben. Wir hatten ihn auch zu Gast in der Radiosendung. Es ist ein schöner Bruch, etwa in der Mitte des Albums. Wie ein Stückchen Ingwer, während man Sushi isst.
Kai: Ich mag Delta. Einer der ersten Songs, der uns dabei geholfen hat, zu definieren, wo wir uns hinbewegen würden. Es begann als ein elektronisches und doch von Krautrock inspiriertes Stück. Der Sound repräsentiert unser Album ganz gut.

Live kannst du Mount Kimbie am 10.11 in Berlin und am 16.11 in München erleben.