Foto: Screenshot aus dem Video 'Killin Em' von Gianni Mae

Video-Premiere: Eine Reise zurück in die 60er mit Rapperin Gianni Mae

"'Killin Em' erzählt die Geschichte, wie ich aufblühe und mich selbst von der Vergangenheit befreie."

von Marieke Fischer
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06 Juni 2019, 8:59am

Foto: Screenshot aus dem Video 'Killin Em' von Gianni Mae

Sie eine Newcomerin zu nennen, würde der in Berlin lebenden Rapperin Gianni Mae Unrecht tun. Ihre Karriere begann schon vor einigen Jahren, als sie noch in Rotterdam lebte und als Duo Musik machte. Damals mit elektronischeren Einschlägen und in ihrer Muttersprache Papiamentu. Doch mit ihrem Umzug vor eineinhalb Jahren wagte sie nicht nur einen lokalen Neuanfang – auch ihr musikalischer Stil, ihr Flow, ihre Attitüde änderten sich, als sie aus den engen Grenzen ihrer Label-Vergangenheit ausbrach.

In Berlin traf sie das Produzententrio Broke Boys, die maßgeblich für die Trap-Besessenheit der deutschen Hauptstadt verantwortlich sind. Zusammen entwickelten sie einen kompromisslosen Sound, auf den Gianni minutiös ihre authentischen, ehrlichen Lyrics brettert. Ein kleiner Akzent, der an ihre karibische Heimat Curaçao erinnert, schwingt mit, wenn sie auf ihrer Debüt-EP Saucy selbstsicher von ihrer persönlichen Entwicklung, ihren Kämpfen und Zielen rappt. Das macht sie so beeindruckend, dass selbst Rico Nasty auf sie aufmerksam wurde und sie als Opening Act für ihr Konzert in der Berghain Kantine angefragt hat.

Die neueste visuelle Auskopplung aus ihrer EP ist "Killin Em". Ein Song, der von Selbstverwirklichung, Loyalität und Freundschaft handelt. Dinge, die Gianni Mae auch an dem kreativen Multitalent Kira Pohl schätzt – unter anderem entwickelte sie das Konzept zum Video. "Ich liebe die 60er und 70er und bin besessen von Filmemachern wie Kenneth Anger, Alejandro Jodorowsky und Derek Jarman. Wir dachten, das könnte eine gute Stimmung für das Video sein", sagt Kira über die Idee hinter dem Clip. "Es ist ein interessanter Kontrast zu den üblichen Bildern, die im HipHop- und Rap-Kontext genutzt werden. Außerdem konnten wir so eine andere Seite von Gianni zeigen. Die meisten kennen sie nur in Streetwear, dabei ist sie eine facettenreiche Künstlerin. Es hat Spaß gemacht, diese ikonischen Looks zu entwickeln, die von The Rhonettes, Diana Ross und The Black Panthers inspiriert sind." Darüber wollten wir mehr erfahren ...

Gianni, an wen richtet sich dein Song "Killin Em"?
Davon Negativität, negative Menschen in deiner Vergangenheit zu lassen. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass ich mit Menschen zusammengearbeitet habe, die von einem Tag zum nächsten ihre Prioritäten geändert haben und lieber ihren eigenen Weg gingen. Kein Problem. Aber in der Art, wie du es tust, zeigt sich dein Charakter. Andere auszunutzen, shady sein, Dinge hinter dem Rücken anderer abziehen, unehrlich und verschlossen sein – das alles sind keine Qualitäten, auf die man stolz sein kann. Du musst mit den Entscheidungen leben, die du triffst. Gut und schlecht. "Killin Em" erzählt die Geschichte, wie ich aufblühe und mich selbst von der Vergangenheit befreie.

Für das Video hast du eng mit Kira Pohl gearbeitet. Wie kam eure Kooperation zustande?
Kira und ich haben schnell eine Connection gespürt, als wir über Musik und Visuals gesprochen haben. Ich habe ihr einige meiner Songs gezeigt und sie fing direkt an darüber nachzudenken und sagte zu mir: "Lass uns ein Video zusammen machen!" Kira hat sich das Konzept überlegt. Ich habe ihr direkt vertraut, da ich von Anfang an fühlen konnte, dass wir uns gegenseitig verstehen. Schon immer wollte ich ein Musikvideo drehen, das so aussieht wie ein Spielfilm.

Gianni_Mae_Killin_Em

In der Intro zum Video sprichst du Papiamentu. Warum war es für dich wichtig, deine Muttersprache einzubringen?
Ich möchte sichergehen, dass die Leute wissen, woher ich komme. Dass sie meinen Background und meine Erziehung verstehen. Curaçao und Papiamentu sind ein großer Teil davon, wer ich bin. Ich möchte die Sprache noch weiter in meine Musik integrieren, das ist erst der Anfang.

Darin sagst du auch "friendship and loyalty don't mean much these days". Was bringt dich zu dieser Auffassung?
Viel zu oft sehe ich, wie Menschen sich für den bequemsten Weg entscheiden oder für die schnellste Erfolgsroute, statt sich darauf zu konzentrieren, etwas fundiert aufzubauen und zusammenzuarbeiten. Klar, alle sollten ihre eigenen Prioritäten haben und ihr eigenes Ding machen. Es geht nur einfach darum, welche Art Person du bist oder sein möchtest. Weißt du die zwischenmenschlichen Beziehungen wertzuschätzen – oder eben nicht? Ich glaube an Positivität und daran, anderen dabei zu helfen, das Beste zu erreichen. Und ich hoffe, dass mehr Menschen – besonders im Entertainment-Bereich – genau diese Einstellung intensiver pflegen und ihre Crew, Partner, Freunde und Familie mehr schätzen.

... und am Ende: "I stay true to myself". Wie können wir es schaffen, uns selbst treu zu bleiben?
Im Sinne des Videos und Songs: Du kannst dir selbst treu bleiben, indem du weißt, wer du bist, welche Art Mensch, deine Werte und Moralvorstellungen kennst, weißt, wohin du willst. Und das Ganze ohne dass dich Gier, Stolz oder Neid verändern. Das mag nicht ganz leicht sein, aber genau deswegen glaube ich, dass es wichtig ist, deine Gedanken, Worte und Handlungen zu reflektieren. Um ein noch besserer Mensch zu werden.

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Modisch gesehen reist du im Video zurück in der 60er, dann trägst du plötzlich einen Track Suit von Namilia. Was bedeutet dieser Mix?
Ich liebe Mode, verschiedene Sachen miteinander zu mixen. Ich liebe es fierce zu sein. In einigen Teilen des Videos geht es darum, verletzlich zu sein und eine weichere Seite zu zeigen, wohingegen es in anderen wichtig ist, super selbstbewusst zu sein und loszulassen. Der Track Suit passt da ganz wunderbar hinein. Außerdem ist Gelb eine meiner Lieblingsfarben.

Mode ist eine Selbstermächtigung über den Körper. Mit ihr kannst du beeinflussen, wie deine Umgebung dich wahrnimmt. Was sagt dein Stil über dich?
Ich mag es, mich permanent zu verändern: gemütlich, sexy, baggy, flashy. Das hängt ganz von meiner Stimmung ab. Doch alles, was ich trage, ist eine Verlängerung meines Selbstbewusstseins – das wird durch meine Outfits nach außen gebracht. Ich komme aus der Karibik und kann definitiv sagen, dass eine starke Frau zu sein, eine mit viel Selbstvertrauen, ein Teil von uns ist und davon, wie wir uns präsentieren.

Was ist deine Nachricht an die Welt?
Mach was du willst im Leben, aber mit viel Hingabe. Glaub an dich und deine Fähigkeit zu wachsen. Das wird dir helfen und andere dazu inspirieren, ohne dass du es überhaupt mitbekommst. Und das ist wunderschön!

@giannimae

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