Diese Ausstellung bringt aufstrebende digitale Kunstschaffende auf die belebtesten Straßen der Welt

Vom Times Square bis nach Shibuya: Die Freiluftausstellung Global Gallery gibt aufsteigenden Künstler:innen und ihren Werken in pulsierenden Metropolen eine Bühne.

von Ryan White
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27 Oktober 2021, 9:16am

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Ihr müsst keine Expert:innen sein, um festzustellen, dass sich die Art, wie wir Kunst konsumieren, im raschen Wandel befindet. Digitale Kunst sowie Virtual, Alternative und Augmented Reality haben eine innovative, spannende Ära visueller Kommunikation eingeleitet. Wenngleich einige dieser Technologien nach wie vor in den Kinderschuhen stecken, sind sie stellvertretend für eine mit der Erfindung der Kamera vergleichbare Neuanordnung der Kunstszene. Marina Abramovic, Olafur Eliasson und KAWS stellten bereits unter Verwendung von VR Headsets aus, Ai Weiwei präsentierte neue Werke digital am Piccadilly Circus, Jeff Koons kooperierte sogar mit Snapchat. Die Schwergewichte der Kunstszene befinden sich im Wandel, während Pandemie-bedingt die Formation einer klareren Vision unserer digitalen Zukunft zu beobachten ist. In diesem Zusammenhang stellt sich die entscheidende Frage: Welche Folgen bringen jene Veränderungen für die nächste Generation?

Global Gallery, Porsches neues, weltweites Projekt in Zusammenarbeit mit König Galerie, sucht im Zuge innovativer Auseinandersetzungen mit populären digitalen Kunstformen außerhalb von Galerien die Antwort auf diese Fragestellung. Für das am 9. Oktober gestartete Projekt schloss sich Porsche mit elf aufstrebenden Kunstschaffenden zusammen, welche ihre Werke in einer Städte-übergreifenden Ausstellung auf einigen der weltweit größten Billboards bereitstellen. Also habt bis zum 5. Dezember ein waches Auge und genießt die beeindruckende Kunst, welche euch an jenen Orten geboten wird, an denen sich üblicherweise Werbung befindet. (Times Square in New York, Shibuya Crossing in Tokio und Callao Lights in Madrid zeigten am 9. Oktober ihre Werke für je eine komplette Stunde - beeindruckender ist es kaum möglich!) An diesen Orten, an denen laute und grelle Videos Aufmerksamkeit erregen, macht Global Gallery all jene, die sich auf den Straßen aufhalten, mit wohl konzeptionierter Kunst bekannt, während gleichzeitig traditionelle Werbemethoden von innovativer Technologie unterwandert werden. Die Künstler:innen John Yuyi, Auriea Harvey, Ben Elliot, Nicole Ruggiero, Andy Picci, Jonas Lund, kennedy+swan, Banz & Bowinkel, Junuwana, Jon Burgerman und Manuel Rossner schufen jede:r etwas Besonderes für die Installation - als Teil von Porsches Mission, aufstrebenden digitalen Kreativen, die der Verwirklichung ihrer kreativen Träume nachgehen, eine einzigartige wie einflussreiche Bühne zu bieten.

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Andy Picci

Die Kunst lässt sich nicht lediglich betrachten, sie lässt sich auch in Form von Open Edition  NFTs erwerben (im Gegensatz zu den meisten NFTs ist die Stückzahl nicht limitiert, die Verfügbarkeit ist jedoch auf acht Wochen beschränkt), ab einem Startwert von 100€. Vor 2021 war das Akronym NFT den Wenigsten ein Begriff. Tatsächlich stellen sich die Meisten von uns nach wie vor der Herausforderung, die Funktionsweise der Kryptowährungen und Blockchains sowie deren raschen Aufstieg zu begreifen. Bas Grasmayer schrieb vergangenen März in i-D, vor einem Jahr wäre es undenkbar gewesen, ein digitales Bild für tausende Dollar zu verkaufen. Doch mit eben dieser Neuerung haben wir es nun zu tun. Worüber wir uns sicher sein können, ist der positive Einfluss, welchen diese Entwicklung mit sich bringen kann - zeitgenössische Kunstauktionen erreichten laut eines Artikels von Artprice im Laufe des letzten Jahres ihren Höchstwert von 2.7 Milliarden $, ermöglicht wurde dies durch die Unterstützung von NFTs. Während diese Verkäufe für Kunstschaffende, die sich im digitalen Raum bewegen - vor allem für jene, welche sich aktuell einen Namen machen - viel zusätzliche Sicherheit bedeuten, wird die Kunstszene einem Publikum zugänglich gemacht, das zuvor als ausgeschlossen galt.

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John Yuyi

Die digitale Skulpturbilderin Auriea Harvey hofft, im Wandel der Kunst einen Anlass zu erkennen, der Menschen im Trubel des Alltags für einen Augenblick zum Stillstand bringt und ihnen erlaubt, ihre Begeisterung im vollen Ausmaß zu fühlen. Sie selbst stellt Simulationen und Objekte her, welche die Diskrepanz zwischen physischem und virtuellem Raum überbrücken. Für ihr Kunstwerk kreierte Auriea einen Scan ihres Kopfes und verwandelte ihn in eine Skulptur, die an Schönheit und Tod erinnern soll. Die aus Taipei, Taiwan stammende digitale Künstlerin John Yuyi, welche von i-D einmal als “Willy Wonka der Kunstszene” bezeichnet wurde, sieht ihren Beitrag als Anschluss an ihr bekanntes Face Post Projekt, welches ihre Haut mit sozialen Netzwerken schmückt (ursprünglich entstand das angeführte Projekt, nachdem eine eigens auf Facebook erstellte Fan-Page eine Followerzahl von 2000 erreicht hatte). Für Global Gallery ist John Yuyis Arbeit genauso subversiv. Interpretiert wird das Abbild des Gesichts, welche die auf Instagram übliche Warnung vor “sensiblen Inhalten” unter ihrem einen Auge, eine iPhone Kamera über ihrem anderen Auge platziert, als Repräsentation der Reizüberflutung, welcher wir in unseren Leben ausgesetzt sind.

Auf ähnliche Weise hinterfragt Ben Elliot die Bedeutung der sozialen Netzwerke sowie der dadurch herbeigeführten neuen Schönheitsstandards. Zeitgleich findet er Inspiration in den aufstrebenden Technologien und beleuchtet, wie diese unsere Zukunft formen. Der Künstler gibt an, seinen Avatar zu monetarisieren, seine Selfies zu verkaufen und den Umgang mit Kryptowährung zu pflegen. Mit der von ihm kreierten Kunst möchte er Menschen den Geist dieses neuen Lebens fühlen lassen. Das im Zuge der Global Gallery bearbeitete Werk nimmt die Form eines verschönernden Filters und einer auf das Gesicht projizierten Flamme an. Andy Piccis Schöpfung dreht sich laut eigenen Angaben um das Phänomen der Berühmtheit und die Suche nach Identität in Zeiten der Hyperdigitalisierung. Interpretieren lässt sich seine Arbeit des Weiteren als Reaktion auf seine Vermutung, dass uns der intime Austausch mit Fremden leichter fällt als mit Nahestehenden. Andy erfährt im Zuge dieser Möglichkeit des kreativen Ausdrucks eine Erinnerung an seinen Platz in der Kunstszene, nachdem böse Zungen behaupteten, seine Arbeit ließe sich nicht als Kunst bezeichnen. Jonas Lund hebt hervor, Porsche erlaube es Kunstschaffenden, bestimmten Aspekten ihrer Tätigkeit nachzugehen sowie über eine globale Bühne ein breiteres Publikum zu erreichen. Wollt ihr mehr über die Global Gallery Kunstschaffenden und ihre Kunstwerke erfahren? Dann besucht MISA.ART/GG

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Jon Burgerman
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Auriea Harvey
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Banz & Bowinkel
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Junuwana
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kennedy+swan
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Ben Elliot
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Manuel Rossner
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Nicole Ruggiero
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