Über den verwirrenden Aufstieg von Frosch-Postings auf Instagram

I am once again asking for… Frosch-Postings 🐸

von Jenna Mahale
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28 Februar 2020, 8:30am

@cuteliddolfrogs

Frösche waren von Anfang an ein Grundpfeiler der Meme-Kultur. Sie haben dem Internet alles erdenkliche beschert: von Evil Kermits moralischen Dilemmata bis zur Aura der Gelassenheit, die Dat Boi auf seinem Einrad ausstrahlt—und nicht zu vergessen Pepe the Frog, der, ehe er von weißen Rassisten kooptiert wurde, essenzieller Bestandteil des Online-Vokabulars war. Nirgends ist das offensichtlicher als auf Instagram, einer Plattform, wo Frosch-Aficionados sonder Zahl zu einer Gemeinschaft zusammenkommen, die sich einer überraschend großen Gefolgschaft erfreut.

“Ich weiß um ehrlich zu sein gar nicht, wie das solche Ausmaße annehmen konnte, wir haben uns nie groß beworben”, sagt Lulu, die sechzehnjährige Miteigentümerin von @dailyphrogs. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Beitrags verbuchte der Account hunderttausend Follower. “Wir haben den größten Frosch-Account auf Instagram, was ganz erstaunlich ist, denn ich habe ich keinen Schimmer, wie das passieren konnte.” Im Unterschied zu anderen Usern, die hinter Frosch-Accounts auf Instagram stehen, besitzen Lulu und Mitverwalterin Sarah selbst keine Frösche. “Dafür haben wir eine Menge Frosch-Plüschtiere—Sarah die meisten”, sagt Lulu. “Schätzungsweise 15 bis 20”, legt Sarah nach.

Ein Teil des Frosch-Content ist selbstgemacht, der Rest läuft über Crowdsourcing. “Ich finde es lustiger, wenn du die Person hinter dem Meme kennst”, sagt Sarah. “Weil dann denkst du nur, ‘das ist so typisch!’ Die Freundschaften, die du dabei schließt, sind wirklich toll.” Die fünfzehnjährige Sarah Maycock beschreibt ihren eigenen Account (@froggo, 42.000 Follower) ähnlich, nämlich als eine “positive Seite”. “Ich hatte andere Meme-Accounts über Katzen und so Zeug gesehen”, erklärt sie, “und da dachte ich, was, wenn ich so eine mache… nur mit meinem Lieblingstier. Und so kam es.”

Für viele Internet-Nutzer haben sich Memes zu einem willkommenen Mittel der Ablenkung und Weltflucht entwickelt. Die sprunghafte Popularität von Frosch-Postings auf Instagram steht aller Wahrscheinlichkeit nach in direktem Zusammenhang mit dem Anstieg von cottagecore und anderen naturnahen Ästhetiken—Bewegungen, die eine heile Umwelt romantisieren, die in Wirklichkeit zusehends unerreichbar scheint. Klar, die Erde stirbt und wir stehen knapp vor einer Pandemie—aber zieht euch mal diese glückseligen Amphibien rein! “Sie sitzen nur so da, als ob kein Gedanke ihr Dasein trüben könnte”, sagt Sarah M. “Es sind sehr meme-bare Tiere.”

“Ich finde sie einfach drollig”, sagt Megan Fry, die Inhaberin von @dumpythicc, einem Account, der ganz ihren fünf Korallenfinger-Laubfröschen verschrieben ist, mit über 28.000 Followern. In Megans Sicht eignen sich Frösche als Projektionsfläche für ganz verschiedene Emotionen: “Sie haben keinen wirklichen Gesichtsausdruck”, erklärt sie, “egal, in welche Situation du sie versetzt… das Bild strahlt irgendwie immer genau das Gefühl aus, das du damit ausdrücken willst.”

Dass Frösche derart formbar sind, soll jedoch nicht nahelegen, sie wären gefühllos. “Sie können auch sehr dramatisch sein”, sagt Lulu von @dailyphrogs, “zum Beispiel die, die so schreien und in Sachen hineinlaufen, die sind witzig.” Frösche sind schön anzusehen, scheint es, und das trotz ihrer historischen Assoziation mit Hässlichkeit. “Sie sind klein und rund und farbenfroh! Und die Leute sagen, ‘Hey, das gefällt mir.’ Das ist schön.”

Zuletzt gruppierte sich das Internet rund um ein Frosch-Meme im Besonderen: den “froggy chair” aus Animal Crossing. “Auch nach einem Monat ist das immer noch mein Lieblingsmeme”, gesteht Lulu. Damit ist sie nicht allein. “Die Leute lieben froggy chair”, fügt Sarah hinzu.

Die Warpgeschwindigkeit, mit der Internet-Content sich verbreitet, hat unglücklicherweise auch ein paar unerwünschte Gestalten auf den Plan gerufen. “Viele Accounts schreiben uns Direktnachrichten und fragen nach PR, oder sie bieten an, unseren Account aufzukaufen”, erläutert Sarah. “Normalerweise ist es okay, wenn wir nein sagen. Manche aber werden unflätig oder sogar bedrohlich.” Ein Nutzer ließ sich einfach nicht abschütteln, erzählt Lulu. “Er wurde richtig stinkig, und legte, um uns zu ärgern, seinen eigenen Frosch-Account an, auf dem er Content postete, den er von uns gestohlen hatte. Wir haben alle unsere Freunde, die diese Art von Bildern posten, informiert, dass sie ihn sofort blocken sollen. Ich hab gar nicht groß nachgefragt, wieviel er zahlen wollte. Dieser Account bedeutet mir sehr viel, ich habe viele gute Freunde hier kennengelernt.”

Die genannten Accounts, soviel steht fest, sind nur die Spitze des schleimig-grünen Eisbergs. Frosch-Freundschaften gründen tief, und die Follower-Zahlen machen mehr als deutlich, wieviel Freude sie der Plattform bereiten. Der Wert eines guten Frosch-Memes ist unermesslich. Ein richtig gutes Exemplar der Gattung mag sogar zur Heilung unserer gespaltenen und verfallenden Welt beitragen. Wenn es noch Rettung gibt, dann liegt sie in froggy chair… vermutlich.

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