7 romantische Kultfilme, die man auch allein kucken kann

Vom kinky Arthouse-Melo ‘Im Reich der Sinne’ bis zu David Lynchs überhitztem ‘Wild at Heart’: hier sind unsere Favoriten.

von Kristen Yoonsoo Kim
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14 Februar 2020, 2:02pm

Still from "Wild at Heart."

Es besteht kein Mangel an klassischen Rom-coms: Notting Hill, Pretty Woman, Die Hochzeit meines besten Freundes (und das sind nur Beispiele aus Julia Roberts’ Oeuvre). Aber Valentinstag bedeutet mehr als Zuckerherzen, Schmetterlinge im Bauch und charmante Engländer, die man in Buchläden trifft—das Leben ist nicht annähernd so... formelhaft. Ob du Single bist oder gebunden, dieses Jahr wollen wir anregen, den Valentinstag mit einem unkonventionellen Kultfilm zu begehen, der zu deiner Stimmung passt: ob kinky oder trist, verbittert oder beunruhigt. “Ich liebe dich” wird in diesen Filmen ausbuchstabiert als ein Spiel auf Leben und Tod, oder als ein Ei am falschen (richtigen?) Ort. Schreibe die Regeln der Paarbildung neu mit diesen sieben Filmen, die romantische Liebe in ein untypisches Licht rücken.

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Still from "In the Realm of the Senses."

Im Reich der Sinne (Nagisa Oshima, 1976)
Oshimas einzigartiges Meisterwerk wurde zum Zeitpunkt seines Erscheinens verboten und zensuriert—mit gutem Grund. Basierend auf der wahren Geschichte einer Hausangestellten, die ihren Boss im Jahr 1936 nach dem Ende ihrer Affäre kastrierte, wanderte der Film, der nicht-simulierten Sex beinhaltet, auf dem schmalen Grat zwischen Arthouse und Pornografie. Der Film spielt ebenfalls in den 1930er Jahren, mit Eiko Matsuda in der Rolle des Dienstmädchens, das mit dem Besitzer des Hotels, in dem es arbeitet (Tatsuya Fuji), eine obsessive sexuelle Beziehung eingeht. Sie vögeln, vögeln und vögeln wieder; ihr Sex wird zunehmend extravaganter während ihre Liebe (Lust?) aufblüht—einschließlich Erstickungsspielen und der bereits erwähnten Szene, in der ein Ei vaginal eingeführt wird. Eine Seherfahrung, die ans Eingemachte geht—voller Schweiß, Sperma und anderer Flüssigkeiten. (“Wahre Liebe ist, wenn man mit den Säften der geliebten Person angemachtes Essen isst.”) Natürlich geht es nicht gut aus für Matsuda. Vielleicht werden wir nie wirklich eine Liebe wie die ihre erleben.

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Still from "My Beautiful Launderette."

Mein wunderbarer Waschsalon (Stephen Frears, 1985)
Der Star dieses queeren Kult-Klassikers, der im England der 80er spielt, ist Daniel Day-Lewis als der reformierte Skinhead Johnny—mit bauschiger Jacke, zerrissenen Jeans und einem blondierten Büschel, das von seiner akkurat getrimmten Kurzhaarfrisur absteht. Johnny ist dabei, sich in einen Kindheitsfreund zu verlieben, den er eben wieder getroffen hat, der aber genau jene Sorte Mensch ist, den Johnnys alte Fascho-Gang ins Visier nehmen würde: ein pakistanischstämmiger Mann namens Omar (Gordon Warnecke), der für seinen alkoholkranken Vater sorgt. Johnny und Omar schließen Frieden, verlieben sich und übernehmen schließlich den Waschsalon von Omars Onkel, der zu ihrem Zufluchtsort wird. Stephen Frears Film navigiert verbotene Liebe, die Frustrationen der Thatcher-Ära, Fragen von Ethnizität und Sexualität, aber macht dies alles freudvoll, unterhaltsam und vor allem sexy—unvergesslich die Szene, in der Johnny Omars Nacken leckt.

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Still from "Wild at Heart."

Wild at Heart (David Lynch, 1990)
Laura Dern hat das vergangene Jahr damit zugebracht, Scheidungen zu moderieren (Marriage Story) und vier kleine Frauen (äh, Little Women) großzuziehen; vor dreißig Jahren spielte sie in David Lynchs hitzigem Wild at Heart eine ihrer durchgeknalltesten Rollen an der Seite von Nick Cage als Liebespärchen auf der Flucht. Nachdem sie ein paar Jahre zuvor in Blue Velvet das brave Mädchen gegeben hatte, legt Dern hier eine 180-Grad-Drehung hin als die unersättliche Lula (der Name von Lynchs siebenjähriger Tochter). Lula verliebt sich in Sailor (Cage), einen knastaffinen Kerl in Schlangenlederkluft, der eine herzflatternde, lendenkreisende Version von Elvis Presleys “Love Me Tender” zum Besten gibt. Das junge Paar sieht sich gezwungen das Weite zu suchen, als Lulas Mutter (gespielt von Derns Mutter, Diane Ladd), den Gangster Marcello Santos anheuert, um Sailor zu töten. Brandgefährlich!

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Still from "Laurence Anyways."

Laurence Anyways (Xavier Dolan, 2013)
Der erschreckend junge kanadische Regisseur Xavier Dolan (oft als “Enfant terrible” bezeichnet) war keine fünfundzwanzig als Laurence Anyways herauskam, eine 168-minütige melodramatische Reise hin zu einer Neudefinition von Liebe. Der Spielfilm von 2013 spielt in den 90ern und erzählt die Geschichte der Langzeitpartner Laurence und Fred. Laurence (Melvil Poupard), der sich den Vierzigern nähert, beschließt, dass er eine Frau werden möchte, und bittet seine Freundin Fred (Suzanne Clément) um Unterstützung während der Geschlechtsanpassung. Obwohl Fred die Neuigkeit nicht sofort akzeptiert, hilft sie Laurence schlussendlich mit dem Makeup und beim Anziehen von Damenbekleidung. Freds Mutter und ihren Kollegen indes behagt die Veränderung weniger. Über die drei Stunden Laufzeit des Films erleben Laurence und Fred Höhen und Tiefen, machen sie Schluss miteinander und finden wieder zusammen—und daten andere Leute. Der Film ist herzzerreißend, oftmals erschöpfend, aber auch aufbrausend in seiner farbenfrohen Ausstattung und flamboyanten Musical-Montagen.

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Still from "Love Me If You Dare."

Liebe mich, wenn du dich traust (Yann Samuell, 2003)
Diese unterschätzte französische Rom-com—ein weiterer Liebesfilm, der Liebe auf absolut verrückte Weise unter Beweis stellt—ist im Grunde eine einzige Partie Pflicht oder Wahrheit (okay, ohne die Wahrheit), mit Marion Cotillard und Guillaume Canet in den Hauptrollen—Canet ist inzwischen auch im wirklichen Leben Cotillards Partner. Sophie und Julien begegnen einander zum ersten Mal als Kinder und kommen sich näher beim Flaschendrehen, das sich zu einem Riesenchaos im Klassenzimmer auswächst, woraufhin beide zum Schuldirektor vorgeladen werden. Während die beiden älter werden und schließlich erwachsen, erhöhen sie beständig den Spieleinsatz, ohne je ihre Gefühle füreinander preiszugeben—bis das Spiel eine psychotische, ja ruinöse Wendung nimmt. In seinen surreal übersättigten Farben ist Liebe mich, wenn du dich traust explizit fantastisch (versucht das also nicht zuhause) und stellt die Sorte von Romanze dar, die in Wirklichkeit furchtbar wäre, im Kino aber nur eins ist: furchtbar scharf!

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Still from "Syndromes and a Century."

Syndromes and a Century (Apichatpong Weerasethakul, 2006)
Der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul nahm die Geschichte, wie seine Eltern sich kennenlernten—beide arbeiteten als Ärzte im selben Krankenhaus—zur Grundlage für einen Film, der in zwei gespiegelte Hälften zerfällt. Die erste Hälfte spielt in einem ländlichen Krankenhaus, wo Ärzte (einschließlich Weerasethakuls Eltern) einander den Hof machen. Dieselben Darsteller kehren in der zweiten Hälfte in denselben Rollen wieder, diesmal jedoch in einem Stadtkrankenhaus in Bangkok, wo sie dieselben Handlungen wiederholen, um dieselbe Liebesgeschichte zu erzählen. Obschon die Enden sich unterscheiden, ist Syndromes and a Century in erster Linie eine Gedächtnisübung—ein Film, der reflektiert, wie wir Geschichten erinnern. Der Regisseur selbst erklärt, es sei außerdem ein Film über Veränderung.

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Still from "The Annihilation of Fish."

The Annihilation of Fish (Charles Burnett, 1999)
Obwohl The Annihilation of Fish als nachrangiges Werk von Regisseur Charles Burnett (bekannt für Killer of Sheep und To Sleep With Anger) gehandelt wird, ist die Erzählung über ein interkulturelles Pärchen (meiner Ansicht nach) sein bester Film. An James Earl Jones und Lynn Redgrave findet er zwei grandiose Hauptdarsteller fortgeschrittenen Alters, die beweisen, dass es nie zu spät ist, die perfekte Partie zu finden. Ihren Mitmenschen mögen die beiden als unvermittelbar erscheinen: Er ringt mit einem Dämon (ein physischer Kampf: er taumelt regelrecht durch seine Wohnung), sie ist überzeugt, der tote Opernkomponist Giacomo Puccini sei unsterblich in sie verliebt. Die beiden Nachbarn werden unwahrscheinliche Kompagnons und obwohl beide ganz offenkundig ihre eigenen Probleme haben, erzählt Burnett diese Geschichte zweier sonderbarer Liebesvögel mit viel Verständnis und Empathie.

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