Ein Appell von i-D: Bleibt drinnen und plättet die Kurve!

Wir können dieser Pandemie die Spitze nehmen, aber nur wenn wir jetzt handeln.

von Douglas Greenwood
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19 März 2020, 3:09pm

Auf der Website der Washington Post findet sich ein furchterregendes Diagramm, das die dramatische Zuspitzung von Coronavirus-Infektionen in den USA veranschaulicht: von nur einem Fall am 22. Januar bis zu über 2000 keine sechs Wochen später. Experten bezeichnen das als eine “exponentielle Kurve”; ein so brutaler Anstieg, dass die Krankenhäuser des Landes die Lage nur mit Not im Griff behalten werden können. Die Anzahl der Fälle scheint sich alle drei Tage zu verdoppeln. Nach dieser Logik stehen den USA allein bis Ende Mai um die 100 Millionen Infektionen mit COVID-19 bevor. “Das ist reine Mathematik”, sagt Harry Stevens, Journalist der Washington Post, “keine Hellseherei”.

Obwohl die Nachrichten und die sozialen Medien euch einreden wollen, dass wir auf ein paar außerordentlich düstere Monate in der Menschheitsgeschichte zurasen, muss es nicht so sein. Die Verbreitung von COVID-19 lässt sich durch soziale Distanzierung behindern. Zur Info: Das heißt nicht, dass ihr euch einschließen und in Quarantäne begeben müsst, und zu Fremden nur noch durch eine Plastik-Schutzschicht sprechen dürft. Es bedeutet lediglich, dass ihr das Haus nur dann verlassen solltet, wenn es wirklich notwendig ist, und dass ihr euch alle anderen Pläne—Ausgehen, Abendessen mit Freunden, Konzerte—abschminken könnt, weil diese Dinge jetzt alle nachrangig sind. Auch Hauspartys? Nette Idee, aber lasst das mal lieber bleiben. Ein Haufen Leute auf engem Raum ist genau das, was wir gerade nicht brauchen.

Wir verstehen die massive finanzielle Belastung, die dadurch fürs Gastgewerbe und die Unterhaltungsindustrie entstehen wird, weshalb wir vorschlagen, Geschenkgutscheine zu erstehen, um eure Lieblingshangouts aus der Ferne zu unterstützen. Auf diese Weise könnt ihr den betroffenen Betrieben über diesen Moment der Unsicherheit hinweghelfen, und hinterher, wenn das Schlimmste vorüber ist, die Früchte ernten.

Über einen längeren Zeitraum zu Hause zu bleiben, das kann an der geistigen Gesundheit nagen (glaubt uns, wir wissen wovon wir reden), weshalb es wichtig ist, dass wir zumindest digital Nähe suchen, Freunde oft anrufen, aktiv bleiben in Gruppenchats etc. Haltet euch aber vielleicht eine Weile fern von den sozialen Medien. Denn dort brütet die Hysterie, und dem ohne Ausweg ausgesetzt zu sein, kann selbst in besseren Zeiten frustrierend sein.

COVID-19 ist so gefährlich, weil die Krankheit hochgradig ansteckend ist und weil Infizierte andere anstecken können, ohne zur gleichen Zeit selbst Symptome aufzuweisen. Symptome können fünf bis sieben Tage brauchen, bevor sie in Erscheinung treten, und selbst wenn sie bei euch eher milde ausfallen, können sie bei älteren oder immungeschwächten Menschen, denen ihr über den Weg lauft, zu schwerwiegenden Komplikationen führen—bis zum Allerschlimmsten.

Das sind dieselben Menschen, die Betten auf Intensivstationen brauchen, aber in Großbritannien—wie auch an vielen anderen Orten auf der Welt—sind wir im Moment nicht hinreichend ausgestattet, um eine exponentielle Kurve wie die oben beschriebene zu bewältigen. Wir laufen blind durch die Welt, ahnungslos, welche Auswirkungen unsere Körper auf andere haben können. Um dazu beizutragen, dass dieses Virus mit so wenig physischem und finanziellem Schaden wie möglich an uns vorübergeht, ist Selbst-Isolation laut Gesundheitsexperten eine zwingende Notwendigkeit. Keine Ausflüge ins Museum, um euren Tag aufzulockern, kein Maß Bier mit Freunden in der Bar. Ruft sie lieber an. Schaut die Serie, die ihr schon seit Monaten nachholen wolltet. Oder schreibt ein Meisterwerk wie Shakespeare zur Zeit der Pest. Was immer ihr vorhabt, bitte bleibt drinnen, außer es ist absolut notwendig. Menschenleben stehen auf dem Spiel.

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