chanel schickt uns zum abschluss der paris fashion week ins weltall

Am letzten Tag der Paris Fashion Week und damit zum Abschluss der Saison startet Lagerfeld bei Chanel eine Rakete, Nicolas Ghesquière reißt bei Louis Vuitton Grenzen ein und Miuccia Prada kämpft bei Miu Miu mit Glamour gegen das Böse auf der Welt.

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März 8 2017, 2:27pm

Die Louis-Vuitton-Models bahnten sich Dienstagabend ihren Weg durch den Skulpturengarten Cour Marly im Pariser Louvre, denn für das Modevolk ging mit den letzten Fashionshows gestern Abend der Schauenreigen der Saison Herbst/Winter 2017 zu Ende, der in New York vor vier Wochen angefangen hat. Wir sind durch die berühmte Glaspyramide von Im Pei in den Garten des Museums gelangt, ein futuristischer Glasbau (in Berlin hat er den Erweiterungsbau am DHM entworfen), der in den Cour Napoleon wie die Spitze eines Ufos hineinragt. In dem Gebäude werden die Besucher mit auf eine Reise durch die Jahrhunderte, Kulturen und künstlerischen Meisterwerke genommen. Das Museum ist zu einem Symbol für die Weltgemeinschaft geworden und nicht mehr Ausdruck kolonialer Überlegenheit der Europäer. 

In einer Zeit, in der alles auf der Welt erkundet war und die Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden, hat sich die Menschheit ein neues Projekt vorgenommen: das Weltall. Chanel ließ im Grand Palais eine Rakete ins All starten. Nachdem sich David Bowie schon vor Jahrzehnten diese Frage „Gibt es Leben auf dem Mars?" gestellt hat, haben auch die Designer in ihren Herbst/Winterkollektionen 2017 mit dieser herumgespielt. Herausgekommen sind Referenzen an das Space Age. Die Mode aus der Zeit wurde immens vom politischen Klima der 60er beeinflusst sowie die xenophoben und chauvinistischen Untertöne. Aber genauso wie damals in den 60ern scheint heutzutage eine Flucht auf einen anderen Planeten einfacher zu sein, als sich mit den irdischen Probleme auseinanderzusetzen. Die glamouröse Wanderlust im Space Age wird auch durch den Optimismus und die Möglichkeiten angetrieben, die sich in der Zeit aufgetan haben. Eine Ära, in der Politiker und Wähler die Grenzen auf der Welt noch erweitern wollten, anstatt sie wieder hochzuziehen.

Louis Vuitton autumn/winter 17

Louis Vuitton, Autumn/Winter 17

Am letzten Tag der Pariser Modewoche und zum Saisonabschluss hat Nicolas Ghesquière die Themen von Autumn/Winter 17 bei Louis Vuitton zusammengefasst: nomadische und folkloristische Referenzen kombiniert mit Urbanwear-Einflüssen. Die Mode ist wie keine andere Branche international vernetzt, überwindet Grenzen und bringt die Menschen zusammen. Ein südamerikanisch inspiriertes Kleid wird von einer afrikanischen Designerin aus Europa entworfen, das von Kundinnen in Amerika oder in Asien getragen werden kann — ein theoretisches Gedankenspiel, das in der Mode nichts Ungewöhnliches ist. Die multireferenzielle, hyperhistorische und cross-kulturelle Frau dieser Saison ist für Ghesquière wie eine zweite Haut, denn das ist sein Streckenpferd. In der Herbst-/Winterkollektion 2017 für Louis Vuitton hat er dem nomadischen Kleid einen modernistischen Sportswear-Twist verpasst und ergänzt um die schlichten und futuristischen Elementen, für die er so bekannt ist. Dank der Marmorstatuen und Pflanzen in diesem gold-weißen, gläsernen Cour Marly, zusammen mit dem Frank-Ocean-Song über Cleopatra, hatte man fast das Gefühl, dass sich die Erde bewegt. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass Chanel am Dienstagmorgen eine Rakete gezündet hat. Natürlich war es keine echte, die durch die Decke des Grand Palais geschossen ist, es war eine atemberaubende Erfahrung mit Feuer und viel Rauch. Die Message von Karl Lagerfeld war nicht zu übersehen und zu überhören: Holt uns hier aus.

Chanel, Autumn/Winter 17

Chanel, Autumn/Winter 17

Bowie lieferte zwar nicht den Soundtrack, sondern Elton John mit „Rocket Man"; zur Kollektion hat er dennoch perfekt gepasst. Die Handtaschen in Raketenform, die gesteppten, silberfarbenen Decken als Schals und die Priscilla Presley-Frisuren bringen einer neuen Generation das Space Age näher. Für eine der unglaublichsten Fashion-Experiences überhaupt muss man Etienne Russo, den Produzenten, Michel Gaubert, dem Mann hinter dem Soundtrack und natürlich Karl Lagerfeld danken. Die drei haben es geschafft, dass man zumindest während der Fashionshow das Gefühl hatte, für eine kurze Zeit diesen Planeten zu verlassen. Trotzdem ging in der Chanel-Show nicht um Eskapismus, sondern darum, aktiv zu werden und ein Statement zu setzen. Miuccia Prada hatte das am Nachmittag weitergeführt, für ihre Show ließ sie das Palais d'Lena mit lilafarbenen Kunstpelz ausschmücken. Die ausgelassene Miu-Miu-Show war durch und durch von Girl-Glamour geprägt. Key-Pieces waren die Oversized-Skijacken mit Pelzkragen. Bei dem italienischen Label war Layering ein großes Thema: ein durchsichtiger Mantel mit schwarzen Nähten wurde über einem pinken Paillettenkleid getragen und mit einer Pelzstola kombiniert. Die Silhouette, zusammen mit den Juwelen bestickten Stirnbändern, haben einen in die 30er zurücktransportiert. Die Message von Miuccia Prada für Miu Miu lautete: das Böse muss mit Glamour bekämpft werden und nichts ist dafür besser geeignet als die Mode mit ihrer Industrie. Die Stimmung war diese Saison überall spürbar. Mit einer Plattform, die alle sechs Monate wiederkehrt, ist es auch die Verantwortung der Modewelt das aufzugreifen.

Miu Miu, Autumn/Ainter 17

Miu Miu, Autumn/Winter 17

Credits


Text: Anders Christian Madsen
Fotos: Mitchell Sams