Britta Burger fotografiert die coolsten Girls zwischen London und Berlin

Das Zine der Fotografin ist eine Hommage an die Weiblichkeit abseits des Mainstreamschönheitsideals.

von Alexandra Bondi de Antoni; Fotos von Britta Burger
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05 Mai 2017, 7:10am

Sie sind laut, sie sind frech, sie sind anders. Sie sind Skaterinnen, Demonstrantinnen, sie sind das coole Mädchen von nebenan – die Frauen, die Britta Burger fotografiert, sind vieles, aber auf gar keinen Fall langweilig. Die in Berlin lebende Fotografin und regelmässige i-D Contributorin hat letzte Woche ihr neues Zine herausgebracht, in dem sie die besten Bilder aus den letzten fünf Jahren präsentiert. Alle Aufnahmen sind in London, Paris und Berlin entstanden und zeigen die Musen und Freunde der Kreativen. Was sie mit dem Titel "Cover your Heaven" sagen will und ob sich ihre Sicht auf Weiblichkeit über die Jahre verändert hat, hat sie uns im Gespräch verraten.

Wer sind die Frauen und wie hast du sie getroffen?
Es sind Skaterinnen, Drummerinnen, Demonstrantinnen, Freundinnen — viele kannte ich schon. Andere habe ich in Skateparks, auf Demos oder auf der Straße getroffen.

Du fotografierst sehr oft sehr stark wirkende Frauen.
Ich bin eine Frau und wäre gern so stark wie nur irgendwie möglich. In dem Sinn sind meine Fotos von anderen Frauen, die stark aber realistisch, manchmal ein bisschen trotzig sind, auch immer Selbstportraits. Oder Wunschselbstportraits, so stark wie die Frauen in meinen Fotos bin ich selbst nicht immer. Aber genau diese Stärke fasziniert mich auch an ihnen, an Männern fasziniert mich übrigens eher deren Verwundbarkeit.


A uch auf i-D: Die Skategirls aus Brighton


Würdest du sagen, dass sich dein Blick auf Weiblichkeit verändert hat, seit du zu fotografieren begonnen hast?
Ja, ich habe durchs Fotografieren bemerkt, dass ich die Welt — und natürlich auch die Frauen — bis zu einem gewissen Grad so ausschauen lassen kann, wie ich sie gerne hätte. Mit dieser Macht kommt dann auch ein Verantwortungsgefühl. Ich überlege mir, welchen Frauentyp ich wie zeige. Mein Blick auf die Weiblichkeit ist viel weniger naiv als früher.

Wir hatten letztes Jahr eine Ausgabe, die sich ganz dem Female Gaze gewidmet hat. Denkst du, dass es so etwas gibt? Wenn ja, wie würdest du die weibliche Sicht beschrieben?
Ja, obwohl ich als Fotografin schon im Hinterkopf habe, was der Male Gaze auf mein weibliches Fotosubjekt wäre. Gleichzeitig identifiziere ich mich aber auch mit der Frau, die ich gerade fotografiere. Der Female Gaze ist relativ komplex.

Zurück zum Zine: Was hat es mit dem Titel auf sich?
"Cover your heaven" ist der erste Vers von Goethes "Prometheus", also "Bedecke deinen Himmel (Zeus)" – sozusagen eine Kampfansage eines Junior-Gottes an einen Establishmentgott. Passt zu den kämpferischen Rebellinnen im Zine, klingt aber auf Englisch viel weniger lyriklastig.

Wann hast du das letzte Mal etwas versteckt?
Ich verstecke dauernd etwas, sicher mehr als ich preisgebe.

Eine Frau, über die du mir vorab schon einmal erzählt hast, ist Hannah. Wer ist sie und warum ist sie so wichtig in deiner Arbeit?
Ich kenne Hannah Logic seit genau zehn Jahren. Als ich sie zum ersten Mal traf, war sie Hausbesetzerin in einer Toilettenfabrik in Südlondon. Sie fing als mein Intern an und saß dann als Covermodel meiner ersten, damals noch mit Mini-Digicam und Seidenstrumpfhose über dem Objektiv geschossenen Fotostrecke für den Standard auf dem Dach des Hauses, das sie gerade besetzte. Ich habe sie jetzt zehn Jahre lang fotografiert, für Labels, Magazine, meistens aber privat - es sind an die 1.000 Negative und mein nächstes großes Projekt.

brittaburger.com

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