in australien wird gender ein unterrichtsfach

Was im Jahr 2016 längst überfällig ist, führt ein australischer Bundesstaat jetzt endlich ein.

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Okt. 17 2016, 12:35pm

Anfang des Monats ging ein Video viral, das knapp zwei Millionen mal angeschaut und fast 20.000 mal in den sozialen Netzwerken geshared wurde. Darin zu sehen ist die 8-jährige Daisy, die mit ihrer Mutter vor einer Kleiderstange in einem englischen Supermarkt steht, in dem T-Shirts für Kinder mit verschiedenen Prints, Motiven und Sprüchen angeboten werden. Sichtlich verwirrt und verärgert beschwert sich Daisy über die eindeutig sehr unterschiedlichen, klischeebehafteten Aufdrucke zwischen den T-Shirts für Jungs und denen für Mädchen. Warum sollten Mädchen nicht auch Lust auf Abenteuer haben oder ein Held sein dürfen? Und warum sollten sie stattdessen mit Aufschriften wie „Beautiful" und „I am fabulous" durch die Gegend laufen? Die Textilbranche mag—was das angeht—noch stark hinterherhinken. Und nicht nur diese, so viel ist klar. 

Der australische Bundesstaat Victoria möchte genau das nun ändern und passt die Lehrpläne an. Kinder sollen bereits im jungen Alter für das Thema der Geschlechterungleichheit sensibilisiert werden. Im Unterricht soll über Themen wie männliche Privilegien, Ungerechtigkeiten im Alltag, aber auch über Gewalt, die Gefahren der Pornoindustrie und ihrem Einfluss, Sexismus und sexuelle Orientierung geredet werden. In den Grundschulen soll vor allem auch über das veraltete Denken von Geschlechterrollen gesprochen werden, und darüber, dass Mädchen auch Feuerwehrfrau und Jungs auch Krankenpfleger werden können. 
Für die höheren Jahrgänge sind zusätzlich Unterrichtsstunden für Begriffserklärungen vorgesehen. Was genau bedeutet das Wort Transgender? Und wann benutzt man das Wort Butch? Wörter, die in unserem Sprachgebrauch längst etabliert sind, aber für Kinder wahrscheinlich noch wie Fremdwörter erscheinen. 

Die Hoffnung besteht, dass je früher die Kinder für derartige Themen sensibilisiert und darüber aufgeklärt werden, sie im Alter weniger urteilend oder diskriminierend werden. Bleibt zu hoffen, dass der Bundesstaat Victoria nur der Anfang ist. 

Credits


Credit: Lisa Leinen
Foto: via Imago