Warum sich jede Frau einmal im Leben ihre Haare abrasieren sollte

Was so alles auf dich zukommen wird, wie du mit Hatern und deinem eigenen entblößten Gesicht umgehst und warum es wahrscheinlich das Beste ist, was du in deinen Zwanzigern machen kannst, haben wir hier für dich zusammengetragen.

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Aug. 4 2016, 11:10am

Agyness Deyn hat es getan und wurde dadurch zum gefeierten Supermodel. Ruth Bell und Ajak Deng tun es und stehen für die junge Generation an Frauen, die mit ihrer Fuck-You-Attitüde eine neue Art von Schönheit definieren. Vivienne Westwood hat es getan, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren: Die Rede ist vom Haareabrasieren. Lang vergessen sind die Assoziationen mit Skinheads. Abrasierte Haare lassen einen nicht nur zweimal hinschauen, sondern stehen für eine neue Art von Selbstbewusstsein. Bestes Beispiel dafür sind die zahllosen Frauen, die man sieht, wenn man durch die Straßen Berlins läuft, die mit ihren Glatzen wahnsinnig gut aussehen und nur so vor Ausstrahlung strotzen.


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Wenn du dir auch schon einmal darüber Gedanken machst, den Schritt zu Haarlosigkeit zu gehen: Nur zu! Aus eigener Erfahrung lass dir aber auch gesagt sein, dass du dich auf einiges gefasst machen musst. Was so alles auf dich zukommen wird, wie du mit Hatern und deinem eigenen entblößten Gesicht umgehst und warum es wahrscheinlich das Beste ist, was du in deinen Zwanzigern machen kannst, haben wir hier für dich zusammengetragen.

Beim ersten Blick in den Spiegel wirst du wahrscheinlich denken: "Oh Gott, was habe ich getan?"
Ja, du hast richtig gelesen. Sorry, das sagen zu müssen und nicht gleich voller Empowerment in diesen Bericht starten zu können, aber die Chancen sind groß, dass du genau das denken wirst. Haare formen dein Gesicht. Und egal wie kurz du sie jemals getragen hast: Glatze ist noch einmal was ganz anderes und auf den ersten Blick ein ziemlich befremdliches Bild. Auch wenn du nach der ersten Nacht aufwachst und dir automatisch die Haare aus dem Gesicht streichen willst, nur um zu merken, dass da keine mehr sind. Der erste Schock vergeht jedoch sehr schnell und du wirst lernen, dich mit deinem Gesicht auseinanderzusetzen und anzufreunden, wie du es noch nie zuvor getan hast.

Du lernst dich so zu akzeptieren, wie du bist
Auch wenn die Hater unter euch da draußen nun sagen werden, dass es das Klischee schlechthin ist – von wegen Selbstfindung und so –, lasst euch eins gesagt sein: In den Spiegel zu schauen und sein Gesicht ohne etwas, was es verstecken könnte, zu sehen, ist eine einzigartige Erfahrung. Es fällt am Anfang nicht besonders leicht, zu realisieren, dass du zum Beispiel unsymmetrische Augen oder einer komischen Beule am Kopf hast – je länger du dich aber anschaut, desto mehr wird dir bewusst werden, dass das nun einmal dein Gesicht ist und du es sowieso nicht ändern kannst. Und bald kommt der Punkt, an dem du lernst, die angeblichen Makel nicht nur zu akzeptieren, sondern sogar zu schätzen und zu feiern.

Angestarrt werden und blöde Kommentare werden zum Alltag
Auch wenn wir oftmals denken, dass wir in einer offenen und akzeptierenden Welt leben, muss du dich darauf gefasst machen, ständig angestarrt zu werden und blöde Kommentare von allen Seiten abzubekommen. Hier ist nicht die Rede von der mütterlichen Panik, dass das liebe Kind jetzt erst recht keinen Mann zum Heiraten finden wird, sondern von Trollen, die sich das Recht herausnehmen, auf gewisse Dinge zu schließen und Dinge zu sagen, die verletzen, nur weil man so aussieht, wie man aussieht. Und von Freunden, die denken, sie sind witzig, wenn sie dich fragen, ob du nun lesbisch seist (mehr dazu im nächsten Punkt) und immer und immer wieder darauf hinweisen, dass nun ein weiterer Junge in der Crew ist. Oder der Fakt, dass Leute einfach – ohne zu fragen –, über deinen Kopf streicheln, so als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Frage: Würde man das bei einer Frau machen, die volles Haar hat? Eben!

Nein, du bist nicht automatisch Feministin und auch keine Lesbe
Immer und immer wieder wirst du mit Vorurteilen konfrontiert werden, die auch in den Köpfen von denen, von denen du eigentlich denkst, dass sie weltoffen sind und nicht in Schubladen denken, fest verankert sind. Kommentare, dass du doch sicher lesbisch bist, wirst du oft bekommen. Genau so wie die Annahme, dass du Feministin bist. Denn wer würde sonst auf die Idee kommen, sich die Haare abzurasieren, außer jemand, der für das feministische Gedankengut steht? Die beste Antwort darauf ist, einfach zu fragen, woher diese Annahme kommt. Die meisten ertappen sich in ihrer eigenen Engstirnigkeit, wenn sie den Gedanken, dass es nur um die Haare geht, laut aussprechen. Wie in so vielen Fällen gilt auch hier: Setzt dich mit uns hin und rede mit uns, bevor du irgendwelche Vermutungen anstellst.

Aber natürlich bekommst du auch das eine oder andere Kompliment und der neue Look bringt auch witzige Momente
Neben all den negativen Kommentaren passieren aber auch witzige Dinge, wie zum Beispiel, dass du vor Menschen stehst und sie dich einfach nicht erkennen oder an dir vorbeilaufen und dich lange anstarren, bis sie merken, dass du das bist. Oder dass deine 90-jährige Oma dir sagt, dass dir dieser Look sehr gut steht und deine Mutter fassungslos daneben steht. Positive Kommentare gehen dann vor allem in die Richtung, dass man sehr stark wirkt. Das schönste Kompliment ist jedoch das, das du dir selbst macht, indem du Ja zu deinem Gesicht sagst.

Daten wird interessant: Alle Weirdos da draußen denken, sie haben einen Freischein
Als Singlefrau mit Mitte Zwanzig ist Daten sowieso schon eine ganz eigene Sache, die von komischen Begegnungen, ständigem Ausprobieren und Herzschmerz geprägt wird. Mit Glatze wird das nicht leichter. In Clubs locken Glatzen oder sehr kurze Haare die ganzen Creeps auf die Bildfläche, die sich wahrscheinlich nicht trauen, Frauen mit Haaren anzusprechen. Von Typen, die sich einfach vor dich stellen und dich anstarren, ohne ein Wort zu sagen; Fremde, die mit beiden Händen über deinen Kopf fahren und dir schmutzige Dinge ins Ohr flüstern, bis zu Männern, die dir ernsthaft erklären, dass sie kein Problem mit der Glatze hätten und sie sich deiner erbarmen würden, ist alles dabei.

Und last but not least: Nein, es handelt sich nicht um einen Nervenzusammenbruch oder die Quarterlife-Crisis
Alle mal tief durchatmen! Nur weil du dir die Haare abrasierst, hast du noch lange keine Lebenskrise und durchlebst auch nicht unbedingt deinen eigenen Britney-Moment. Manchmal muss eine Frau einfach tun, was eine Frau tun muss. In diesem Fall: Einfach Ja zu ihrem Aussehen sagen.