über die bedeutung des ersten transmannes auf dem cover der deutschen „men’s health“

Benjamin Melzer ist der erste Transmann auf dem Cover der deutschen „Men’s Health“. Die Transfrau, „Siegessäule“-Redakteurin und Berliner Szenesternchen Kaey über die Bedeutung dieses geschichtsträchtigen Moments.

von Kaey Kiel
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17 Februar 2016, 12:10pm

Als das erste Mal Benjamin Melzers Foto in meinem Facebook-Feed auftauchte, war ich überrascht. Dieser durchtrainierte Adonis ist tatsächlich ein Transmann?!

Was mich daran überrascht? Ich selbst bin eine Trans*frau und würde mir zutrauen, einen geschärfteren Blick als der Rest meiner Umwelt zu haben, wenn es darum geht, Transmenschen zu erkennen. Doch dieser Blick hat in diesem Fall versagt.

Benjamin Melzer hat sich Ende letzten Jahres beim Covermodel Contest der Men's Health beworben. Das Männermagazin hatte seine Leser aufgerufen, Fotos und einen kurzen Lebenslauf einzusenden. Auf der Internetseite konnten die User abstimmen, welcher Kandidat eine Wildcard gewinnt und somit direkt vor eine Fachjury antreten und ein Probefotoshooting absolvieren darf.

Benjamin ging dabei sehr offensiv mit seiner Transidentität um und machte kein Geheimnis daraus, dass er mit einem Körper geboren wurde, den man im Allgemeinen als weiblich identifiziert, man ihm also bei der Geburt das Label „Mädchen" zugewiesen hat.

Mit seiner ehrlichen und offenen Art und einem Aussehen, das keinen Zweifel daran lässt, dass er ein Mann ist, hat er die User überzeugt und ging als einer der Gewinner hervor, die sich im Januar bei dem Fotoshooting in Hamburg beweisen durften. Die Jury—bestehend aus Men's Health-Redakteuren und Vertretern von Gillette—entschied sich dann leider für jemand anderen.

Doch dann passierte das Herausragende. Men's Health verkündete, dass sie eine Sonderausgabe, die Collectors Edition, veröffentlichen werden, auf der der Transmann zu sehen sein wird.

Eine kleine Sensation. Mittlerweile überschlagen sich die Berichte über den 28-Jährigen, der als erster Transmann in Europa auf dem Cover einer Männerzeitschrift zu sehen sein wird.

Es folgten diverse Fernsehauftritte und Interviews, in denen Medienmacher wieder einmal beweisen, dass das Thema Trans für viele immer noch schwierig ist. Immer wieder wird Benjamin auf seine Körperlichkeit reduziert und muss es sich gefallen lassen, gefragt zu werden, ob er denn jetzt einen funktionierenden Penis hat oder nicht. Es wird von Geschlechtsumwandlung gesprochen anstatt von einer Angleichung und selbstverständlich funktioniert ein Bericht über eine Transperson nicht, ohne Vorher-Nachher-Fotos zu zeigen und den alten Vornamen unzählige Male zu wiederholen.

Ich persönlich bekomme immer Bauchschmerzen, wenn ich das sehe und muss an Laverne Cox denken. Die amerikanische Schauspielerin (Orange is the New Black) und Transaktivistin sagte bereits vor zwei Jahren in der Talkshow von Katie Curie, dass es nicht viel Sinn macht, Transmenschen auf ihre Transition, also ihren Angleichungsprozess, zu reduzieren. Die Talkshow-Moderatorin fragte die ebenfalls anwesende Carmen Carrera, ein erfolgreiches Model, ob sie denn eine Genitaloperation gehabt habe. Cox unterbrach das Gespräch mit der Aussage: „Die Voreingenommenheit in Bezug auf die Transition und Operationen objektiviert Transmenschen und deshalb beschäftigt man sich nicht mit der wirklichen Lebenserfahrung der Person."

Transmenschen unterscheiden sich kein bisschen von allen anderen Menschen. Sicherlich mussten sie einen anderen Weg gehen, um ihr wahres Ich auch nach Außen zeigen zu können. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, sind wir im Grunde doch alle gleich und auf der Suche nach uns selbst. Die Persönlichkeit jedes Menschen setzt sich aus seinen Erfahrungen zusammen. Das ist das, was uns ausmacht und besonders macht.

Wenn man einen Benjamin Melzer also darauf reduziert, was er zwischen den Beinen hat, wird man ihm als Mann einfach nicht gerecht. Das gilt für jeden Mann. Ich zumindest kann mich nicht daran erinnern, ein anderes Interview im Frühstücksfernsehen gesehen zu haben, in dem es um den Penis des Talkgastes ging.

@kaey

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Credits


Text: Kaey Kiel von Siegessäule  
Fotos via Benjamin Melzer