london grammar über höllische lügen, feminismus und ihr neues album

Heute erscheint das langersehnte zweite Album “Truth Is a Beautiful Thing“ des Londoner Trios, darum haben wir zum etwas anderen Musikinterview gebeten.

von i-D Staff
|
09 Juni 2017, 10:00am

Zwei Jahre lang sind London Grammar mit ihrem ersten Album durch die Welt getourt, danach haben die drei erstmal eine Pause gebraucht. Verständlich. Doch diese haben Sängerin Hannah Reid, Gitarrist Dan Rothman und Drummer Dot Major, der auch die Synthesizer bedient, umso kreativer genutzt und an ihrem neuen Album Truth Is a Beautiful Thing gearbeitet, das heute erscheint. Seit das Trio vor sieben Jahren in einem britischen Pub entdeckt wurde, verzaubert es uns mit seinen betörenden, elektronischen Sounds gepaart mit Hannahs magischem Gänsehaut-Gesang. Was uns auf dem zweiten Album der Band erwartet, erklärt die Sängerin wie folgt: "Die Produktion und Gitarrenparts sind ausladender und atmosphärischer geworden, meine Texte dafür bunter und bildhafter." Natürlich haben wir es uns wiedermal nicht nehmen lassen und die drei zu einem etwas anderen Musikinterview getroffen — dabei haben wir nicht nur viel über ihr neues Album erfahren, sondern auch, was dich wirklich in die Hölle bringt.

Auch auf i-D: London ist nicht nur für seine grandiose Musikszene bekannt

"Big Picture". Wenn ihr euch das Gesamtbild anseht, wofür steht euer neues Album?
Hannah: Es steht dafür, wie Kunst mit dem eigenen Selbst zusammenhängt, und wie sie die eigene Identität nachempfindet.

"Rooting For You". Welche musikalischen Wurzeln sind euch am wichtigsten?
Dan:
Wir haben alle sehr verschiedene, musikalische Wurzeln. Bei Filmmusik kommen wir aber immer auf einen gemeinsamen Nenner — Komponisten wie Thomas Newman oder Hans Zimmer lieben wir alle gleichermaßen! Deswegen klingt das neue Album an manchen Stellen auch sehr kinematographisch.

"Oh Woman Oh Man": Was ist typisch für Hannah, was ist typisch für Dan und Dot?
Hannah:
Dan und Dot lieben beide Fußball und halten zum selben Team.
Dot:
Wir sind aber beide keine typische Macker, um ehrlich zu sein. Ich bin ziemlich biegsam. Wir waren mal bei einer Yoga-Stunde und am Ende habe ich eine auf den Kopf gestellte Krabbe, oder so etwas Ähnliches zumindest, gemacht. [Lacht]
Dan: Hannah, und Frauen im Allgemeinen, sind viel einsichtsvoller, was ihre Sensibilität betrifft. Ich denke nicht, dass Männer weniger sensibel sind, aber sie sind sich selbst gegenüber weniger ehrlich, was ihre Sensibilität betrifft. Ich denke, darin sind Frauen einfach besser und deswegen ist Hannah eine so gute Texterin.

"Hell To the Liars". Abgesehen vom Lügen, was bringt einen in die Hölle?
Hannah:
Wenn man richtig unfreundlich ist. Das bringt mich total zur Weißglut.
Dot:
Menschen in Europa sind generell etwas unhöflicher, auf eine ehrliche Art irgendwie rau, wohingegen Leute in anderen Ländern oft etwas falsch sind.
Dan:
Ich dachte eher an so etwas wie Mord.

"Different Breeds": Was kann jeder einzelne von uns für mehr Gleichberechtigung tun?
Hannah:
Darauf ist Feminismus die Antwort. Wenn Leute keine Angst mehr davor hätten, und sich wirklich mal die Theorien des Feminismus ansehen würden, würden sie merken, dass die Gründe, warum Menschen alle gleich sind, alle zutreffen.
Dot:
Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten, ohne sehr politisch zu werden. Abgesehen vom Feminismus, bei dem wir uns alle einig sind, denke ich da in Richtung Rassismus. In einer Band zu sein und aus London zu kommen, macht einen sehr privilegiert. Du arbeitest mit so vielen Menschen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten zusammen. Niemand gleicht dem anderen. Da lernt man erst, die Schönheit in allem und jedem zu sehen. Aber natürlich ist es manchmal hart, zu sehen, wie der Rest der Welt auf verschiedene Menschen und Rassen reagiert.
Dan
: Aus irgendeinem Grund erfährt Multikulturalismus gerade einen Rückschlag. Vor allem in England. London ist so multikulturell, deswegen liebe ich es. Aber Leute werden hier teilweise wirklich wütend, wenn sie in den Bus einstiegen und fremde Sprachen hören. Dabei fände ich es echt seltsam, wenn alle gleich wären.
Dot
: Unser Nationalgericht ist sozusagen Chicken Tikka Masala.

"Truth Is a Beautiful Thing". Könnt ihr drei andere, schöne Dinge im Leben nennen?
Dot: Rotwein.
Dan: Ich mag grüne Sachen.
Hannah: Die Liebe — das ist sehr kitschig, ich weiß.

@londongrammar

Credits


Text: Juule Kay
Foto: über Katrin Brauer PR

Tagged:
Musik
London Grammar
Albumrelease
truth is a beautiful thing