Dinge, die sie dir nicht übers Frausein sagen

Du kannst sowohl deinen Kuchen als auch den Alkohol haben. Das heißt dann Tiramisu.

von Georgie Wright
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30 Mai 2017, 10:55am

Eine Frau zu sein, ist ziemlich toll, oder? Du kannst ein unerschrockener Badbass-Boss sein, der die Haare zurückwirft. Du kannst den Mount Everest besteigen und in deinem Bauch einen neuen Menschen heranwachsen lassen und ihn dann auch noch durch deine Vagina drücken. Wenn das nicht der Höhepunkt von mentaler und körperlicher Stärke ist, dann weiß ich auch nicht.

Natürlich können wir all das – und das ist nur eine Schneeflocke auf einem riesigen Eisberg der Möglichkeiten, die wir Frauen haben, und trotzdem ziehen wir immer noch den Kürzeren. Oder korrekter: Der kleine Mann mit einem Napoleon-Komplex in einem zu großen Anzug, der in unserem Namen über unsere Körper bestimmt.


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Zwar gibt es mit Trump und Co einschlägige und abstoßende Beispiele für Leute, die Frauen vorschreiben, wie sie ihre Leben leben sollen, aber das ist nichts Neues. Jahre voller gesellschaftlicher Konditionierung von sogenannten akzeptablen Normen haben uns eingeimpft, wie wir als Frau zu sein haben. Der Kanon aus stereotypischen, romantischen Comedys zeigt uns, dass die einzigen Interaktionen mit anderen Frauen nur aus a) Kichern über Boys mit einem Wodkagetränk inklusive Schirmchen oder aus b) Rache an der Bitch, die dir deinen Boyfriend ausgespannt hat, bestehen. Die Unterwäsche-Werbung will uns erzählen, dass wir noch größere Brüste haben müssen, weil für dieses spektakuläre Dekolleté! Ich könnte ewig so weitermachen, aber das werde ich nicht, weil ich eine viel beschäftige Frau bin und für so einen Scheiß keine Zeit habe.

Wir könnten diese kleinen Dinge einfach so abtun, weil es doch alles halb so wild ist. "Ich bin eine unabhängige Frau und ich kann dieses Ikea-Regal ganz alleine aufbauen." Aber solche Dinge summieren sich. Genauso wie die Ikea-Anleitung gibt es eine Anleitung zum Frausein. Wenn du damit nicht klarkommst, fühlst du dich schlecht. Du musst all die Dinge ablegen, die du gelernt hast, dir neue Wege überlegen und sie dann in einen Artikel packen mit der Überschrift "Dinge, die sie dir nicht übers Frausein sagen".

Also los geht's.

Du darfst das lustige Partygirl sein und auch die Couchpotato, die ihren Fernseher liebt und das alles gerne gleichzeitig
Nun ja, nicht wirklich gleichzeitig, es sei denn du kochst Fettuccine um vier Uhr morgens für deine feiernden Freunde und servierst es ihnen auf dem Boden. Das wäre echt stark, oder? Aber leider wurde in uns reingeprügelt, dass wir uns für eine Persönlichkeit entscheiden müssen, dank süchtig machenden Buzzfeed-Fragespielchen, die uns sagen wollen, welches Spice Girl wir sind. Mal unter uns: Ich hätte 29 Partys und 87 Sonntagsessen zubereiten können, so viel Zeit habe ich als Teenager mit der Frage verschwendet, ob ich das Spaßige-Smirnoff-Ice-trinkende-auf-dem-Tisch-tanzende-ups-ich-habe-in-deinen-Garten-gekotzt-Partygirl oder die Backsüchtige-DSDS-am-Samstagabend-guckende-Hausmutti bin. Obwohl ich doch in Wahrheit ein Mix aus Posh und Sport mit einem Schuss Scary sein kann. Du kannst Karaoke genauso lieben, wie du Fäustlinge für deine Katze stricken kannst. Du musst überhaupt nicht rausfinden, was für eine Person du bist. Du bist einfach jemand, der viele Dinge macht und viele Interessen hat, die alle gleichermaßen toll und akzeptabel sind. Punkt. Du kannst sowohl deinen Kuchen, als auch den Alkohol haben. Das heißt dann Tiramisu. Und das ist wirklich verdammt lecker.

Freundschaften zwischen Frauen müssen kein Albtraum sein, in der jede passiv-aggressive Nachrichten in Whatsapp-Gruppen schreibt
Ihr geht euch nicht auf die Nerven, weil ihr Girls seid. Ihr geht euch auf die Nerven, weil ihr Menschen seid. Und Menschen sind schräg, sprunghaft und haben nervige Angewohnheiten, wie alle Tassen in ihrem Zimmer zu horten (Ja, ich war's). Und ja, Freundschaften zwischen Frauen können anders, schwierig und emotional sein. Und ja, dazu gehört es auch, auf kryptische Nachrichten überzureagieren, weil Sarkasmus sich nur schwer in Nachrichten herauslesen lässt. Aber diese Freundschaften können auch die Definition von "chill as fuck" sein. Und sie können auch daraus bestehen, dass ihr in der Löffelchenstellung auf dem Küchenboden zusammen liegt und einen Ben-and-Jerry's-Becher esst.

Du bist ein Mensch, der über Körperflüssigkeiten verfügt
Es gehört zum Allgemeinwissen, dass die Monatsblutung scheiße ist. Ich werde sie in dieser Liste deswegen gar nicht aufführen. Aber weißt du, was auch beschissen ist? Eingewachsene Haare, juckende Brüste und wundgeriebene Körperstellen. Eben all die Dinge, über die keiner wirklich spricht, weil wir sie gar nicht haben sollten. Eigentlich solltest du ja auch ein leuchtendes Beispiel für eine haarlose, bronzefarbene, so glatt wie eine Marmorstatue aussehende Frau sein. Eine fleischgewordene Kosmetikwerbung mit einer Thigh Gap und einem Arsch, der zwar noch nie eine Toilette berührt hat und laufen, aber nicht sprechen kann. Wage es also ja nicht, vor deinem Freund zu furzen, weil er ja, oh mein Gott, mit dir Schluss machen könnte, weil du ein Mensch aus Fleisch und Blut bist, mit inneren Organen und einer Vorliebe für Kohl. Sogar Beyoncé muss irgendwann mal kacken. Denk da mal drüber nach.

Das Singledasein ist gar nicht so schlecht
Gemäß 99,8999 Prozent aller Filme und Werbespots für Haushaltsmittel werden durch den Mann definiert, mit dem wir zusammen sind. Wir sind das Accessoires zu seinem Leben, genauso wie wir unser Gesicht mit einer dicken Make-up-Schicht aufhübschen sollen.

Du kannst lustig und smart sein
Dank der Erfindung von Selfies und so ziemlich jeder Fast-Food-Werbung wird unverhältnismäßig viel Wert daraufgelegt, wie Frauen aussehen sollen. Ja, es ist cool, dein eigenes Bild und deinen eigenen Look zu kontrollieren – und das ist auch sehr wichtig. Genauso wichtig ist es aber, stolz darauf zu sein, wie du dich präsentierst. Ob im Internet, in Natura oder mit dem Selfie im Badezimmer, das du nur für dich machst, "weil das Licht hier so verdammt gut ist". Aber was ist wirklich wichtig und cool? Einen Plan zu entwickeln, den du sowieso nicht einhalten wirst. Lass dir ja nicht von der ungleichmäßigen Repräsentation von männlichen Comedians einreden, dass du nicht lustig oder smart sein kannst; und dass dein Gehirn die Größe von Trumps winzigen Fingern hat. Wir wissen das schon längst. Lass es auch andere wissen.

Du bist OK
Ich werde dir nicht sagen, dass du perfekt bist, denn sehen wir den Tatsachen ins Auge: du bist es nicht. Niemand ist perfekt. Und das „Wir sind alle perfekt, so wie wir sind"-Getue ist Bullshit und verbreitet nur weiter den Mythos, dass Perfektion etwas Erstrebenswertes ist. Das ist es nicht. Weißt du, was besser ist als Perfektion? Akzeptanz. Akzeptier dich selbst. Akzeptier die Pickel auf deinem Arsch, die Essensreste auf deinem T-Shirt oder die Tatsache, dass du nicht der pünktlichste Mensch auf der Welt bist; dass dich das aber nicht zu einer Totalversagerin macht. So, jetzt atme tief durch und sei die Frau, welche auch immer du sein willst.

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