alt werden mit julia, nick und jacob von sunflower bean

Für die neue Autumn-/Winter-15-Kampagne für Saint Laurent stand die Sunflower Bean-Sängerin und Cool Girl Julia Cumming erst kürzlich vor der Kamera von Hedi Slimane. Wir trafen sie zusammen mit ihren Bandkollegen Nick Kivlen und Jacob Farber zum...

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Juli 14 2015, 2:20pm

Aus Brooklyns vielbeschriebener Dreampop-Blase stechen Sunflowerbean - Julia Cumming, Nick Kivlen und Jacob Farber - mit ihrer Version des guten alten Rock'n'Roll hervor. Wir haben die Band vor ihrem Konzert im Molotow in Hamburg getroffen und über ihren Sound, musikalische Hybridformen, das Älterwerden und Tacos sinniert. Nur darüber, dass Julia nicht nur auf den Bühnen schäbiger Rockschuppen steht, sondern auch für Yves Saint Laurent über Laufstege stöckelt, haben wir diese Mal ausnahmsweise nicht gesprochen. 

Ihr habt eure erste EP „Show Me Your Seven Secrets" im Januar 2015 veröffentlicht. Jetzt folgt das Album?
Jacob: Ja, wir arbeiten schon länger dran.

Könnt ihr verraten wie es klingen wird?
Julia: Wir sind gerade noch dabei, das herauszufinden. Wir haben zwar eine Vorstellung, wie es klingen soll, aber es ist nicht ganz so einfach das umzusetzen. Was meinst Du, Nick?
Nick: Ich weiß nicht. Ich habe eine Idee, wie es klingen soll.
Julia: Momentan müssen wir eine Menge Punkte klären, wie die Frage, ob wir einen Produzenten ins Boot holen oder nicht und all diese Dinge.

Kritiker vergleichen euch gerne mit großen Namen wie Velvet Underground, Pink Floyd oder Black Sabbath. Schüchtert euch das ein?
Jacob: Klar, weil wir natürlich weit davon entfernt sind, denen nachzueifern. Ich meine, wie auch? Aber wir ziehen einen großen Teil unserer Inspiration aus deren Musik, was dann ganz natürlich eine Verbindung zu unserer Arbeit herstellt.

Glaubt ihr, dass ihr mittlerweile einen charakteristischen „Sunflowerbean-Sound" gefunden habt?
Nick: Ja, das haben wir, denke ich. Es ist ein Mix verschiedener Einflüsse. Wir klingen nicht zu sehr nach Sabbath oder Pink Floyd. Wir klingen eher nach einer Mischung aus allen zusammen.
Julia: Genau, manchmal klingen wir ziemlich heavy, manchmal eher seichter wie The Cure oder The Smiths. Das ist auch gut so, denn wenn du immer hart spielst, packen dich die Leute in eine Schublade. Wir brauchen die Freiheit, das zu machen, wonach uns gerade ist. Ganz unabhängig davon was das ist.

Journalisten beschreiben euren Sound häufig als „Hybrid". Ist das eine Beschreibung, mit der ihr euch identifizieren könnt?
Nick: Alles ist ein Hybrid von allem. Es gibt keine musikalische Urform nach dem Motto: „Das ist, was Musik ausmacht". Der Begriff „Hybrid" hat im Prinzip gar keine Bedeutung.
Julia: Du willst immer irgendwie originell klingen. Gleichzeitig kannst du nicht leugnen, dass du eine Kombination deiner Einflüsse bist.
Jacob: Viele Leute sind echt kreativ, wenn es um Sub-Genres geht. Aber ganz ehrlich, wir passen nicht in Kategorien wie „Doomchillslackwave", oder was auch immer.

Hört ihr eigentlich nur Rock'n'Roll? Ich hab nämlich gelesen, dass Julia und Jakob klassischen Gesang und Jazz studiert haben.
Julia: Wir hören schon unser ganzes Leben lang Rock. Aber irgendwann erreichst du einen Punkt, an dem du dich fragst, wie deine musikalische Zukunft aussehen könnte. Also habe ich dazu entschieden, klassische Musik zu studieren, weil ich mehr über diese musikalische Sphäre erfahren wollte. Aber davon mal abgesehen kann ich mir nicht vorstellen, das mein ganzes Leben lang zu machen.

Eine klassische Ausbildung vermittelt vor allem eine Menge technisches Wissen. Steht das in einer Verbindung zu dem, was ihr heute tut?
Jacob: Ja, sicher!
Julia: In der Uni hörst du eine Unmenge unterschiedlicher Musik. Was könnte dich besser auf ein Leben als Musiker vorbereiten?

Man könnte euren Sound als psychedelisch beschreiben. Das klingt aber verdächtig nach 60er Hippie-Kram. Was meint ihr?
Jacob: Ich denke schon, dass wir psychedelisch klingen.
Nick: Klar, ich glaube, dass dieses Label „Psychedelic Rock" immer bedeutet, dass etwas kreativ ist. Das gilt für jedes Sub-Genre wie Punk oder sogar Bands wie die Beach Boys. Psychedelisch kann man natürlich auch Jefferson Airplane oder Iron Butterfly nennen, aber so klingen wir nun wirklich nicht.
Jacob: Ja Mann, Nirvana ist psychedelisch. Das heißt einfach nur kreativ. Wir machen deshalb noch lange keinen 60er Jahre Hippie-Scheiß.
Julia: Wir nehmen ja auch keine psychedelischen Drogen.
Nick: Peinlich wäre, wenn die Leute uns psychedelisch nennen und herausfinden, dass wir kein LSD nehmen. Das wär verdammt peinlich. (lacht)

Was haltet ihr von Popmusik?
Jacob: Nichts, das ist einfach nur scheiße.

Seid ehrlich, im Tourbus hört ihr doch bestimmt heimlich Country oder Charts?
Nick: Ich weiß nicht, wie es in Europa ist, aber in Amerika ist Popmusik auf dem Niveau eines Romans für Zweitklässler.
Julia: Ich denke, dass die meiste zeitgenössische Musik von diesem Niveauproblem betroffen ist. Ich kenne vielleicht acht Bands, die wirklich Musik machen. Das heißt natürlich nicht, dass es keine guten Bands gibt, vielleicht setzen wir uns mit der Materie auch zu wenig auseinander. Aber Top40 Zeug hören wir eigentlich nur, wenn wir im Supermarkt einkaufen.

Da wir hier in Hamburg sitzen, würde mich interessieren, ob ihr deutsche Bands kennt?
Nick: Außer Kraftwerk und CAN? Nein.

Das ist eure erste Tour in Europa, richtig? Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen dem europäischen Publikum und dem US-amerikanischen?
Julia: Das hängt vom Alter der Leute ab. Wenn du in den Staaten eine „All-Ages Show" spielst, dann sind die Kids im Publikum 16 oder 17 Jahre alt. Die sind noch nicht so gesetzt. Mit denen macht es einfach Spaß, weil die noch ausflippen, wenn sie Musik hören. Bei 25-Jährigen ist das anders. Die gehen seit zehn Jahren auf Konzerte und sind nicht mehr so leicht zu beeindrucken.
Jacob: Eigentlich gibt's da keine Regeln. Das Publikum ist in Europa genauso unterschiedlich wie in den Staaten.
Julia: Aber die East Coast ist immer ernster als L.A..

Viele Leute, die zu euren Shows kommen sind älter als ihr. Fühlt ihr euch manchmal wie Teenage Rockstars?

Julia: Ich bin noch eine Weile lang 19. Nick und Jacob sind keine Teenager mehr.
Jacob: Genau, wir waren Teenager.
Julia: Aber auch mit 20 ist man immer noch sehr jung. Ich habe mit dreizehn angefangen, Musik zu machen, die Jungs mit vierzehn. Wir sind also schon ein paar Jahre dabei. Ich denke, dass du solange ein Teenager bist, bis es vorbei ist.
Nick: Wir sind jetzt Adult Contemporaries. (lacht)

Kriegt ihr Respekt von den alten Hasen der Szene? 
Jacob: Klar, wir sind ja auch schon seit fünf Jahren dabei. 
Julia: Es gibt immer jüngere Bands.
Nick: In LA fühlen wir uns nie sonderlich jung, weil es dort dutzende Teenage Bands gibt. Los Angeles ist eher eine Stadt für Familien. In New York leben einfach keine Kids.
Julia: Schwachsinn, es gibt in New York genauso viele Kids, wie in L.A.. Aber in L.A. ist mehr Platz. Wenn du eine Garage hast, in der du laut sein darfst, dann ist es viel einfacher eine Band zu gründen.

Glaubt ihr, dass die Altersfrage euch unter Druck setzt?
Nick: Jeder hat irgendwie Druck.
Julia: Wir wollen das unser ganzes Leben lang machen, bis es vorbei ist. Wir werden nicht jünger. Ich finde alt werden ziemlich cool, weil diese ganzen Teenager-Probleme verschwinden und du dich endlich auf's Wesentliche konzentrieren kannst. Ohne dass dein Körper die ganze Zeit verrückt spielt.
Nick: Ich glaube, dass die Kindheit die beste Zeit deines Lebens war, oder nicht?
Julia: Klar, aber wenn du ein Teenager bist, stellst du dir plötzlich existenzielle Fragen und du denkst dir so: „No! Life!".

Ich dachte immer, dass mit dem Alter die Probleme kommen…
Nick: Nein. Definitiv Nein. Es wird einfach anders.

Ihr habt schon Unterschiede zwischen L.A. und New York angesprochen. Hat New York einen großen Einfluss auf eure Arbeit - abgesehen von den fehlenden Garagen?
Nick: Unsere Musik ist eine Reaktion auf die Szene Brooklyns. Als wir die Band gegründet haben passierten eine Menge Umbrüche und wir wollten etwas machen, das es bis dato noch nicht gab.

David Bowie oder Nick Cave haben eine entscheidende Zeit ihres Lebens in Berlin verbracht. Habt ihr auch schon einmal darüber nachgedacht?
Julia: Ich war noch nie in Berlin. Momentan denken wir eher an LA. New York ist einfach verdammt kalt. Du hast im Winter jeden Tag das Gefühl zu sterben. LA ist immer warm und viel günstiger als New York. Aber klar, New York ist ein magischer Ort. Wegzuziehen wäre verdammt hart für mich. Wie kalt ist es in Berlin?

Verdammt kalt. Berlin liegt gefühlt in Russland.
Julia: Wir denken schon wie Rentner. Vielleicht ziehen wir einfach nach Florida.
Nick: Ja, genau. Wir besorgen uns eine Eigentumswohnung.
Julia: Oder wir verbringen den Winter in LA und den Sommer in New York.

Apropos Zukunft. Teilt ihr einen gemeinsamen Traum, irgendetwas, das ihr in den nächsten fünf Jahren unbedingt machen wollt?
Nick: Oh mein Gott! Das ist verdammt lang. Vielleicht entwickeln wir unser Songwriting oder den Sound noch ein bisschen.
Julia: Ein paar gute Platten aufnehmen…
Nick: Gute Konzerte geben, mit anderen Bands spielen, andere Bands sehen… 
Julia: Aber das sind alles typische Wünsche von Bands. Ich will durch Asien touren. 
Nick: Ich will kein beschissenes zweites Album machen.
Julia: Vielleicht sollten wir erstmal das Erste machen.

Ihr seid ziemlich fleißig auf Facebook und Instagram. Denkt ihr, dass die sozialen Netzwerke einen wichtigen Beitrag zu eurem Erfolg leisten?
Jacob: Wenn du Erfolg haben willst, ist Social Media wichtig.
Nick: Vielleicht nicht, um ein Künstler zu sein, aber um eine Karriere zu haben.
Julia: Wir leben im Jahr 2015. Leute wollen wissen, was du tust und wo du bist.
Nick: Wenn du einen Haufen Geld und eine Menge Zeit in etwas investierst, dann willst du auch Menschen damit erreichen. Da führt kein Weg an Facebook & Co. vorbei.
Julia: Außerdem kauft niemand mehr Musik. Höchstens Menschen, die Mitleid mit den Künstlern haben.
Nick: Letztlich kommunizierst du ja eh nur mit Leuten, die dich unterstützen. Ich verstehe nicht, wieso viele Künstler damit ein Problem haben.

@sunflowerbean

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Credits


Interview: Lorenz Hartwig
Fotos: Tim Bruening