im gespräch mit jaakko eino kalevi

Warum sein Album seinen eigenen Namen trägt, er in seinen Songs auf Finnisch und Englisch singt und er seinen Sound noch nicht gefunden hat, hat uns Jaakko Eino Kalevi vor seinem Konzert in Berlin verraten.

von i-D Staff
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28 September 2015, 8:50am

Jaakko Eino Kalevi ist uns das erste Mal mit seinem Album Modern Life 2010 aufgefallen und nachdem dann vor ein paar Monaten sein Video zu Deeper Shadow auf i-D Premiere feierte, war es ganz um uns geschehen. Sein neues Album, das seinen Namen trägt, ist musikalisch ausgereifter, von Syths getränkt und auf Finnisch und Englisch eingesungen. Ursprünglich aus Finnland, ist er letztes Jahr nach Berlin gezogen, wo wir ihn vor seinem Konzert zum Interview getroffen haben. Da hat er uns dann verraten, warum sein Album seinen eigenen Namen trägt und warum er seinen Sound noch nicht gefunden hat. 

Dein neues Album ist nach dir selbst benannt, außerdem singst du im Opener auf finnisch: Mein Name ist Jaakko Eino Kalevi.
Mir ist kein besserer Name eingefallen oder ein Name, der Sinn macht. Ich denke, an irgendeinem Punkt in deiner Karriere musst du sowieso ein Album nach dir benennen. Außerdem ist es nicht mein erstes Album, aber ich wollte mit der Idee spielen, dass es mein erstes sein könnte. Denn viele Leute werden denken, dass es so ist, aber dann suchen sie weiter und finden viel mehr von mir. Bei dem ersten Song fand ich es einfach einen schönen Satz: „Minun nimeni on Jaakko Eino Kalevi." Und außerdem ist es gar nicht so selten, über den eigenen Namen zu singen. Eine Menge Leute singen über ihren Namen, besonders Rapper.

Was ich besonders interessant fand, ist, wie du in machen Songs zwischen Englisch und Finnisch wechselst. Der letzte Track ist ganz auf Finnisch, warum hast du dich dafür entschieden?
Ich weiß nicht. Diese Songs haben einfach den finnischen Touch gebraucht (lacht), diesen gewissen Sound. In der Tat hab ich später festgestellt, dass all die gesprochenen Parts auf Finnisch sind und alle gesungenen auf Englisch, aber das war nicht beabsichtigt. Außerdem höre ich auch viel Musik ohne englische Texte oder in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Das gibt einem die Freiheit, eigene Bedeutungen zu erfinden.

Das war eine andere Frage, die ich dir stellen wollte: Als ich deine Texte gelesen oder gehört habe, hatte ich den Eindruck, dass sie sehr minimalistisch sind und eine Menge Raum für Interpretationen lassen, aber ich kann sie sehr einfach verstehen. Ich sage nicht, dass dein Englisch schlecht ist (beide lachen), aber es ist sehr einfach zu verstehen, im Gegensatz zum Finnischen, das auch sehr offen für Interpretationen ist, aber aus dem Grund, weil ich nichts verstehe. 
Man könnte es übersetzen, aber dazu braucht es einiges.

Ich glaube du, fändest es witzig, was der Google Übersetzer mit deinem letzten Song anstellt.
Ja, der Google-Übersetzer ist wirklich der Beste.

Wir haben bereits kurz über deine erste Platte gesprochen: Was ich spannend fand, als ich mir Modern Life, Dreamzone und dein neues Album angehört habe, war, dass ich den musikalischen Unterschied zwischen Modern Life und Dreamzone als sehr groß empfunden habe, du bist jetzt viel fokussierter auf einen Stil, deinen Stil. Ich fand Modern Life vielfältiger.
Ja, ist es.

Und dann hast du für dieses Album diesen Stil, den du gefunden hast, verfeinert?
Ja, genau, das war im Grunde genommen die Idee, aber ich wollte auch, dass dieses Album und die Dreamzone EP mehr zusammenhängen, weil Modern Life und das Album davor waren nur Sammlungen meiner Aufnahmen. Also ich habe Songs aufgenommen und habe sie zusammengefügt, wenn ich etwas veröffentlichen wollte. 

Für das erste Album hattest du auch mehr Zeit. Hast du danach fokussierter gearbeitet?
Ich wollte, dass dieses Album mehr wie eine Band Platte klingt, als wäre es in einer Session aufgenommen. Ist es aber nicht. Aber trotzdem.

Ich hatte auch das Gefühl, dass du auf dem ersten Album verschiedene Sounds, vielleicht sogar verschiedene Stile hattest. Jetzt klingt es alles stimmiger. 
Ja, aber ich kann nicht sagen, dass ich schon meinen Sound gefunden habe. Ich denke, dass ist heutzutage keine schöne Idee. Einen Sound zu haben, der für immer deinen sein soll, ist langweilig.  

Dann gibt man irgendwie auf.
Ja. (lacht)

Und das ist nicht gut. Die neue Platte ist in Helsinki und New York aufgenommen und jetzt lebst du in Berlin. Wann bist du hierher gezogen?
Vor anderthalb Jahren, irgendwann letztes Ostern.

Und warum nach Berlin?
Ich wollte irgendwo ins Ausland ziehen und ich bin oft hier gewesen und habe hier Freunde. Außerdem ist es nicht zu weit weg und billig.

Wer hat deine Musik am meisten geprägt?
Zwei Finnen mit verschiedenen Bands haben mich in der Vergangenheit sehr prägend. Die Bands heißen Larry and the Lefthanded und Op:l Bastards. Jetzt auch noch Uusi Fantasia und DJ Candle in the wind. Und Jimi Tenor, der hat mich sehr beeinflusst.

Das ist eine schöne Liste. Wie lang seit ihr jetzt noch auf Tour?
Bis Mitte Dezember. Es sind um die 50 Shows.

Und eine Menge mit Unknown Mortal Orchestra?
17 mit ihnen und dann spielen wir sowas wie eine Headliner Tour und ein paar Festivals, auch in Australien und Hong Kong.

Ich hab gelesen, dass du in Japan warst, wie ist es dir dort ergangen?
Ich hab nur ein Konzert gespielt und das war so eine Nacht mit nordischer Musik. Ich glaube, dass das Publikum ... eigentlich kann ich gar nichts über das Publikum sagen (lacht), weil die alle nur so waren... (macht ein eingefrorenes Gesicht, die Fotografin drückt ab, Jaakko lacht wieder)

Und das ist unser Bild... wie du das japanische Publikum imitierst. Wie ist es für dich, in Berlin zu spielen, jetzt wo es deine neue Heimatstadt ist?
Es ist gut, es war gut. Ich mochte auch die Release-Party im Urban Spree, das war sehr schön. Ich hab hier ehrlich gesagt, noch gar nicht so viel gespielt. Meistens trete ich als DJ auf, das ist häufiger der Fall.

Du hast Live nur einen Drummer dabei, manchmal Saxophon und dich selbst.
Ich plane gerade, noch einen Bassisten mitzunehmen. Ich hatte auch mal eine ganze Band dabei. Aber es hat sich einfach nicht so angehört, wie man die Musik von meiner Platte gewohnt war. Ich versuche jetzt das Stück für aufzubauen. Zuerst mit einem Drummer und den Sounds von meinem Computer, dann kommt ein Bassist dazu, dann ein Typ für die Synthesizer. 

@jaakkoeinokalevi

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Credits


Interview: Ludwig Abraham
Foto: Sylvie Weber 

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