wie es sich anfühlt, als frau in der kreativ-branche tätig zu sein

Wir sprechen mit Phoebe Lovatt – Gründerin von The WW Club , ein Ort für berufstätige Frauen aus der ganzen Welt, um sich zu treffen, zusammenzuarbeiten, zu lernen und gemeinsam abzuhängen.

von Tish Weinstock
|
09 Februar 2015, 8:50am

Phoebe Lovatt arbeitet als freiberufliche Reise-, Kultur- und Lifestyle-Journalistin sowie als Beraterin für diverse Marken und kann ein, zwei Geschichten darüber erzählen, was es bedeutet, als Frau in der Kreativ-Branche tätig zu sein. Nachdem jahrelangem Herumgejammere über den Mangel an frauenfreundlichen Arbeitsumgebungen in L.A., wo sie seit 2012 lebt, gründete Phoebe im Januar 2015 den WW Club, den Working Women's Club, benannt nach den traditionellen britischen Working Men's Clubs. The WW Club ist sowohl ein physischer als auch virtueller Ort für berufstätige Frauen aus der ganzen Welt, um sich zu treffen, zusammenzuarbeiten, zu lernen und abzuhängen. Zusätzlich erschien gerade ihr erstes Buch The Handbook for Women Who Do Creative Work, in dem sie Frauen Ratschläge für ihre Arbeit in der Kreativbranche erteilt. Wir sprachen mit Phoebe über ihre Arbeit, Frauen und die Story hinter The Working Women's Club.

Was ist der WW Club?
Der WW (oder Working Women's) Club ist ein physischer und virtueller Ort für berufstätige Frauen auf der ganzen Welt, den ich im Januar 2015 gegründet habe. Anfangs war es ein viertägiger Pop-up Arbeits- und Event-Ort in Downtown L.A.. Es gab den ganzen Tag kostenloses W-Lan, Kaffee und Arbeitsplätze plus karriereorientierte Events und Gespräche. Ich habe das Ganze alleine mit wenig Geld und Zeit auf die Beine gestellt. Das Feedback war unglaublich und ich habe so viele wunderbare Frauen aus ganz L.A. kennengelernt. Ich bin momentan ziemlich glücklich.

Was ist die Geschichte hinter dem Namen?
Der Name ist eine Anspielung auf die britischen Working Men's Clubs, die es früher überall in Großbritannien gab und heute immer noch existieren. Diese Orte wurden im 19. Jahrhundert gegründet, um für Arbeiter einen Ort der Bildung und Erholung zu schaffen, so wie der WW Club nun hier in L.A. nur für Frauen. Es ist ein Ort, um sich zu treffen, zu vernetzen, zu lernen, aber auch um Spaß zu haben!

Wie kamst du auf die Idee?
Die Idee stammt ursprünglich von meinen Londoner Freundinnen, alles kreative, coole und erfolgreiche Frauen, die mich immer unterstützt haben. Als ich 2012 nach L.A. gezogen bin, habe ich viele wunderbare Freundinnen gefunden, aber ich fühlte mich trotzdem isoliert. L.A. ist eine riesige Stadt und es kann sehr schwer sein, sich als Teil einer Community zu fühlen, was wiederum einen negativen Einfluss auf meine Motivation hatte. Nach zwei Jahren des Rumjammerns, habe ich mich entschieden, etwas dagegen zu unternehmen - so wurde der WW Club geboren.

Wieso brauchen wir einen Working Women's Club und was erhoffst du dir davon?
Ich denke, dass Gemeinschaft ein wichtiger Teil von Zufriedenheit und Fortschritt ist. Clubs sind ein guter Weg, um diese Form von Unterstützung hervorzurufen, besonders in einer Zeit, in der Technologie reelle zwischenmenschliche Kontakte einschränkt. Die Arbeitswelt ändert sich: Frauen erhalten endlich Wertschätzung und sind in Führungspositionen zu finden. Es ist wichtig, dass Frauen die bestmögliche Unterstützung erhalten, um von dieser Änderung zu profitieren. Auf eigene, bescheidene Art und Weise hoffe ich, dass ich Frauen helfen kann, selbstbewusst und vorbereitet diese Herausforderung zu meistern.

Wie wichtig ist es für dich persönlich mit anderen Frauen zusammenzuarbeiten?
Unheimlich wichtig. Für dieses Projekt habe ich mit so vielen Frauen wie möglich zusammengearbeitet. Von der Buchdesignerin Stephany Pollard über Dana Boulos, die Fotografin meiner Pressebilder, bis zur tollen Art Directorin Adi Goodrich.

Der Club war auch Showroom für die Arbeiten der kreativsten Frauen aus L.A. Zu sehen war eine Skulptur von Karolina Maszkiewicz, Blumenarrangements von Gemma Hayden Blest, Bücher und Zines von Nouvella Books und Dominica Publishing sowie Frühstück von Jessica Koslow von der preisgekrönten L.A.-Bäkerei Sqirl.

Was kann eine Frau, was ein Mann nicht kann?
Hängt von der Frau und dem Mann ab! Generell denke ich, dass Frauen mehr Empathie empfinden. Empathie ist eine wichtige Eigenschaft, wenn es darum geht, erfolgreiche Karrieren zu haben.

Ist der WWC männerfreundlich?
Der Club ist speziell auf Frauen zugeschnitten, aber ich bin mit Sicherheit keine Männerhasserin und ich würde niemals eine Anti-Männer-Agenda propagieren. Die meisten Männer sind toll! Besonders diejenigen, die mit mir an diesem Projekt gearbeitet haben, wie mein Grafikdesigner Rory Rockmore, Videografer Dom Ferris sowie Eric Johnson und Brendan Ravenhill, die mit ihrem Licht den Ort zum Strahlen gebracht haben. Um es klarzustellen: Beim WWC geht es nicht darum, dass Frauen gegen Männer aufstehen. Es geht darum, dass Frauen mit anderen Frauen interagieren.

Siehst du dich selbst als Feministin?
Absolut. Ich wurde als Frau geboren und ich liebe es, eine zu sein. Die Annahme, dass Frauen Männern nicht ebenbürtig sind, finde ich krank!

Sollte das Frausein einen Einfluss auf die Art und Weise, wie Frauen arbeiten, haben?
Es wäre unaufrichtig, darauf zu bestehen, dass Männer und Frauen auf die gleiche Art und Weise arbeiten. Frauen wurden körperlich, kulturell und sozial konditioniert, ihre Arbeit anders als Männer anzugehen. Das Entscheidende für uns ist, dass wir unsere natürlichen Stärken betonen und dem Druck widerstehen, die weniger guten, männlichen Tendenzen, die am Arbeitsplatz immer noch vorherrschen, zu übernehmen, nur um aufzufallen.

Woher stammt die Idee für das Handbuch?
Das Handbuch wurde aus meinen Wunsch, ein physisches Produkt zu machen, geboren. Als Journalistin, die viel online schreibt, fühlt sich viel von meiner Arbeit vergänglich an. Das Buch behandelt grundlegende Fragen wie Schaffung des perfekten Arbeitsplatzes, Ideenfindung bis zum Generieren von Geld und dem Umgang mit Geld. Ich habe viele Ideen für weitere Bücher im Ärmel, aber beim ersten dachte ich mir ‚Ich schreibe darüber, was ich weiß!'. Ich arbeite schon so lange als Freiberuflerin und habe selbst schon viele Ratschläge bekommen. Außerdem gibt es im Buch inspirierende und aufschlussreiche Interviews mit erfolgreichen Frauen, unter anderem mit der Gründerin von WAH Nails Sharmadean Reid, Journalistin Ann Friedman, der Chefredakteurin der britischen Cosmopolitian Louise Court und Neneh Cherry von MP Nails und mit vielen mehr.

Was der beste Ratschlag, der dir gegeben wurde?
Mach es einfach.

Was ist so toll daran, gerade jetzt eine Frau zu sein?
Wir sind knapp dran, die Welt zu regieren! Schau dich nur um! 

phoebelovatt.com

thewwclub.com

Credits


Text und Interview: Tish Weinstock
Foto: Zev Schmitz

Tagged:
LA
Feminismus
Tish Weinstock
phoebe lovatt
the ww club
working women’s club