natalie massenets erklärt, worauf du achten musst, wenn mode und technologie aufeinandertreffen

Diese Woche kündigte die ehemalige Modejournalistin und Gründerin von Net-a-Porter Natalie Massenet ihren Rückzug vom Luxusmode-Onlinehändler an. Sie wird dem neuen Unternehmen nach der Fusion von Net-A-Porter mit seinem italienischen Wettbewerber Yoox...

von Steve Salter
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04 September 2015, 2:45pm

Natalie Massenet

Natalie Massenet arbeitete für eine der Großen der Modewelt - Isabella Blow - und entwickelte schon frühzeitig ein Interesse für E-Commerce. Sie sah und ergriff die Möglichkeit, 2000 Net-a-Porter zu gründen und sich so das Internet zu nützen zu machen. Mit einer Mischung aus wunderschöner Produktplatzierung, Serviceorientierung und aussagekräftigem Content überzeugte sie die Modeindustrie. Im September 2012 wurde sie zur Chairwoman des britischen Modeverbands berufen und unterstützte die Kreative dabei, ihre Ideen zu kommerzialisieren. Uns verriet sie, worauf man achten muss, wenn Technologie und Fashion aufeinandertreffen.

1. Du musst nicht wissen, was HTML und CSS sind, um technikversiert zu sein.
„Letztlich ist Net-a-Porter ein Technologie-Unternehmen. Wir sind ein Internetunternehmen und verkaufen Produkte in die ganze Welt. Zwar beschäftigen wir in unseren Tech-Teams 450 Leute, aber ich würde sagen, dass jeder, der hier arbeitet - und das sind fast 3000 Leute -, ein Tech-User ist. Es macht einen Großteil unserer DNA aus, aber wir erwarten nicht von jedem, dass er coden kann. Ich kann nicht coden. Als Konsumentin und als jemand, der online unterwegs ist und die ganze Zeit digitale Devices benutzt, weiß ich, was ich erwarte, und das leitet mich in meinen Entscheidungen."

2. Gerüchte und die Wichtigkeit von Abendessen.
„Immer auf dem neuesten digitalen Stand zu sein, kann schwierig sein, weil sich alles rasant verändert. Mittlerweile redet jeder über seine Lieblings-App oder über seinen neuesten digitalen Fund beim Abendessen. Ich lese viel, ich habe News-Alerts für so etwas. Ich folge allem und schaue mir an, was die anderen machen. Es fühlt sich so an, als ob sich etwas radikal ändern wird. Und wenn das passiert, will ich darauf vorbereitet sein."

3. Das Internet ist kein großes, schreckliches Monster.
„Als ich als Journalistin anfing, waren es noch die dunklen Zeiten von Interneteinwahl per Modem. Wir hatten einen Computer in der Ecke in unserem Büro bei Tatler und jeder sah das Internet als dieses große, schreckliche Monster. Es ist Wahnsinn, wie schnell es angenommen wurde. Mittlerweile nutzt die Modeindustrie Technologie. Als ich darüber gesprochen habe, Kleidung im Internet zu verkaufen, wussten Kunden noch nicht mal, dass sie das wollten."

4. … Dennoch muss man sicherstellen, dass man davon nicht verschlungen wird.
„Wir standen vor der Herausforderung, den Markenwert, das Prestige und das Luxusgefühl zu bewahren. Ich glaube, dass die Labels befürchteten, dass etwas, das den Massen so sehr zugänglich ist, etwas, das keine Grenzen kennt, und etwas, das nicht notwendigerweise mit einem Designanspruch entworfen wurde, ihnen sehr großen Schaden zufügen kann. Anfangs haben wir uns daran orientiert, wie sich Labels offline selbst vermarktet haben und alles wurde so schön wie möglich entworfen - vom Login bis zur Lieferung."

5. Wenn man nicht auf den Stand der neuesten Technik ist, dann kommt das dem sofortigen Tod gleich.
„Das Überraschendste für mich ist die Geschwindigkeit, mit der Technologie angenommen wird, und wie omnipräsent sie wurde. Man gerät da leicht ins Hintertreffen."

6. 3D-Druck ist die Zukunft der Mode.
„Wir recherchieren gerade, wie Kunden sich etwas nach ihren Wünschen zusammenstellen können, bevor sie es sich in ihren eigenen vier Wänden ausdrucken. Wir sind noch nicht soweit, etwas Tolles in diesem Bereich anzubieten, aber es gibt sehr spannende Projekte. Die Idee, dass Kunden in der Lage sind, das zu haben, was sie wollen, wann sie es wollen und sich direkt mit Modelabels in Verbindung zu setzen, gehört zu den aufregendsten Sachen, die zukünftig zur Realität werden."

7. Ein Mobilerlebnis schaffen.
„30 bis 50 Prozent unserer Verkäufe werden mittlerweile auf mobilen Enggeräten realisiert, auch wenn unser Unternehmen anfangs um das PC-Erlebnis gegründet wurde. Wir sind Pioniere im Mobilgeschäft."

8. Die Leute im digitalen Zeitalter möchten sofortige Bedürfnisbefriedigung.
„Fashionshows waren ursprünglich mal Messen, aber seit mehr als zehn Jahren sitzen Kunden digital in der ersten Reihe. Sie schauen sie mit den Fachbesuchern die Shows an, werden inspiriert und möchten shoppen. Auf einem Tech-Launch-Event würde niemand auf die Idee kommen und sagen ‚Hier ist das neue, aufregende Gadget und ihr könnt es in sechs Monaten kaufen'. Ich glaube, dass wir begreifen müssen, dass Fashionshows in erster Linie für Kunden da sind und dass die Produkte zu diesem Zeitpunkt schon in den Stores erhältlich sein müssen."

9. Social Media.
„Ich rate den Designern schon lange, Social Media zu nutzen. Sie können direkt mit ihren Kunden kommunizieren. Ich rate ihnen, visuelle Momente zu kreieren und ihre visuelle Marken-DNA zu entwickeln, die Internet-optimiert sind, sodass ihre Message auch abseits von Fashionweeks transportiert wird. Wenn sich Kunden für bestimmte Labels begeistern, setzt das Stores und Magazine unter Druck. Technologie spricht kreative Leute an. Es ist ein Mittel, um deine Geschichte einem Publikum zu erzählen, ob als Designer oder als Marke."

10. Sei innovativ! Entwerfe ein Minirock, der warm hält, ein T-Shirt, das sich selbst säubert, oder ein unsichtbare Uhr!
„Ich hoffe wirklich, dass im Laufe der nächsten Jahre coole Dinge auf den Markt kommen. Es ist wichtig, dass es nicht nur Spielereien sind, sondern dass die Dinge auch tatsächlich nützlich sind. Ich glaube, dass sich die Modeindustrie darauf einstellen wird, was die Leute wirklich tragen, aber an diesem Punkt sind wir noch nicht angekommen. Smarte Faser-Technologie, die auf die Umgebung reagieren kann. Ein wunderschönes kleines Kleid von Valentino, das einen eingebauten Wärmemechanismus hat. Wenn ich also zum Beispiel auf eine Party gehe und keinen Mantel anziehen möchte, aber trotzdem möchte ich nicht frieren. Künstliche Intelligenz ist auch ein wichtiges Thema. Der smarte Spiegel, der dir sagt, dass dieses Kleid ein wenig zu eng ist und dir vorschlägt, eine Nummer größer zu probieren. Da der Spiegel mit deinem Lieblings-Händler verbunden ist, kann der Onlinehändler dir schon vorschlagen: ‚Suchen Sie dieses Kleid eine Nummer größer, Frau Massenet?'"

net-a-porter.com

Credits


Text: Steve Salter
Foto: Natalie Massenet

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