jason schwartzman über wes anderson, bill murray und francois truffaut

Nach einem Screening von „Rushmore“ auf dem Ivy Film Festival nahm sich der Schauspieler Zeit für eine Skype-Fragestunde mit dem Publikum. Eine Aufzeichnung.

von Elizabeth Woodward
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27 April 2015, 10:10am

Das Ivy Film Festival ist das größte, von Studenten veranstaltete Filmfestival der Welt, bei dem jedes Jahr unzählige Skype-Gespräche mit Schauspielern, Regisseuren und anderen Persönlichkeiten aus der Filmbranche stattfinden. Damit vermeiden sie die merkwürdigen Formalitäten eines Podiums und zeigen die Leute, in ihrer gewohnten Umgebung. Letztes Jahr skypten sie mit Wes Anderson höchstpersönlich, der sich kurz von einer Dinnerparty losriss und über cineastische Stylings, seine Casts und seine Filmkarriere sprach. Hugo Guinness (Co-Drehbuchautor vom Grand Budapest Hotel) nahm dann später auch noch Teil am Gespräch teil.

„Das Geheimnis … Nun ich nehme an, dass du einfach etwas finden musst, was du liebst, und es dann für den Rest deines Lebens machen musst." Für seine Rolle als Max Fischer in Wes Andersons Rushmore bedeutete dies: Bienenzucht, Briefmarken sammeln, Theaterstücke schreiben, ein Aquarium bauen und einer schönen Lehrerin hinterhersteigen. Ähnlich wie seine Rolle als Max würde Jason Schwartzman immer alles mit Leidenschaft machen, auch wenn er nicht gut darin wäre, so jedenfalls Jason Schwartzman über Jason Schwartzman. Musik und die Schauspielerei blieben dann letztendlich übrig. Wir präsentieren dir seine interessantesten Antworten aus der Skype-Fragestunde im Rahmen des „Ivy"-Filmfestivals.

Über Musik
„Musik ist das Wichtigste in meinem Leben, weil ich sie immer bei mir haben kann. Ich wurde 1980 geboren, also gab es immer einen Weg, Musik mitzunehmen, egal wo man ist. Musik hat mich schon immer angezogen und als ich jünger war, hatte ich sie immer bei mir. Obwohl es VHS-Kassetten gab, fühlten sich Filme immer distanzierter an. Du musstest sie erst vorbereiten und konntest sie erst dann schauen. Filme fühlten sich sehr professionell an."

Über seine Lieblingsfilme
„Es gibt so viele, zum Beispiel Mishima. Ich liebe diesen Film, ich liebe Paul Schrader. Francois Truffauts Filme stehen auch ganz weit oben auf meiner Liste, den Film Geraubte Küsse kann ich immer und immer wieder anschauen. Es ist komisch, weil der Schauspieler Jean-Pierre Léaud in vielen von Truffauts Filmen mitspielt und er mein Lieblingsschauspieler sein könnte. Dabei spreche ich nicht mal Französisch. Also weiß ich gar nicht, ob er seinen Text korrekt und wahrheitsgemäß spricht. Ich mag ihn einfach als Mensch, er ist charismatisch. Er gehört zu den Leuten, die ich mir immer und immer wieder als Inspiration anschaue. Als Mensch gehört er zu meinen Favoriten. Und natürlich Al Pacino …"

Über die Charaktere, die er spielt
„Ich versuche, meine Charakteren nicht zu sehr zu intellektualisieren, aber am Ende tue ich es doch. Ich habe an diesem Film mitgewirkt, der noch nicht raus ist - 7 Chinese Brothers. Durch den Dreh hatte ich eine Offenbarung. In diesem Film spiele ich jemanden, der eigentlich die ganze Zeit nicht viel macht. Er lebt in einer Art benebeltem Dämmerzustand. Ich habe gemerkt, dass mir diese Rolle echt schwer gefallen ist, weil alle anderen immer ein großes Ziel hatten und auf dem Weg irgendwohin waren. Zum ersten Mal habe ich einen Charakter gespielt, der sich für Nichts interessiert. Die Rollen, die ich bisher hatte, strebten nach etwas und kämpfen hart für ihre Träume."

Über die Arbeit mit Wes
„Es ist so toll, weil er alles in seinem Kopf schon durchdacht hat und gleichzeitig lässt er dir genügend Freiheiten, damit du mit der Rolle experimentieren kannst. Das macht mir Spaß. Ich erinnere mich noch an den Dreh der Go-Kart-Szene in Rushmore: wir sind herumgefahren und Wes sagte, ich solle ihm folgen, also tat ich das und wir beide sind dann in unseren Go-Karts vom Set runter und in die Vorstädte von Houston gedüst. Er schafft es, Begeisterung am Set zu erzeugen."

Über die Arbeit mit Wes' Schauspielertruppe
„Bill Murray ist der Gott! Im Business gibt es diese Tendenz - ab einem bestimmten Budget -, dass Schauspieler in verschiedenen Hotels untergebracht sind und man nicht wirklich Zeit mit anderen verbringt. Bei Wes ist das komplett anders. Er will, dass am Set alle miteinander zusammenarbeiten. Er will, dass wir alle eine Gemeinschaft bilden. Es gibt einen Gemeinschaftsraum, alle quetschen sich rein, keiner haut ab. Beim Dreh zu Moonrise Kingdom hat er ein Haus gemietet und alle Schauspieler lebten mit ihm in diesem. Beim Dreh zu Grand Budapest Hotel in Deutschland hat er ein kleines Hotel gefunden und es praktisch ausgebucht, dort lebten nur die Schauspieler und die Leiter der verschiedenen Abteilungen. Das war wie im Ferienlager. Nach der Arbeit kam jeder dorthin, setzte sich in das große Esszimmer und alle redeten und haben zusammen gegessen. Der Dreh hört nicht auf, wenn die letzte Klappe am Tag fällt, sondern er geht bis in die Nacht weiter."

Über das Musikmachen
„Nachts mache ich nach dem Essen gerne Musik. Manchmal nehme ich Musik auf, lerne Musik von anderen kennen oder manchmal kann es auch einfach Nicht-wirklich-Musikhören sein. Es ist ein Ritual, das ich mache, um Dampf abzulassen. Ich versuche, mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen; Schrecklich kann das werden. Ich mache das solange, bis ich so viel Material habe, um ein Album daraus zu machen. Ich warte aber nicht darauf, dass ein Song daraus wird. Ich versuche, es als tägliche Übung anzusehen."

Über seine Fragestunde beim Ivy Film Festival
„Es macht gerade so viel Spaß mit euch zu reden, weil ihr euch für Dinge interessiert. Das hilft sehr. Es ist schrecklich, wenn du das Gefühl hast, dass sich keiner um dich herum für irgendwas interessiert oder von irgendwas fasziniert ist. Dann wird es eng. Aber wenn es einen Raum voller interessierter und faszinierter Leute gibt, wie ihr, dann finde ich es spannend. Wahrscheinlich spannender als mein ganzer bisheriger Tag."

Hier findest du unser Interview mit der Grafikdesignern des Grand Budapest Hotel, Annie Atkins.

www.ivyfilmfestival.com

Credits


Text: Elizabeth Woodward

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