me and you: petra collins' bffs machen jetzt mode

Mayan Toledano und Julia Baylis sind die Köpfe hinter dem Girl-Power-Modelabel und der Website Me and You.

von Alice Newell-Hanson
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13 April 2015, 9:35am

Barbie and Diana by Petra Collins

Mayan Toledano und Julia Baylis' Welt ist flamingopink und mit Regenbogen-Stickern und Kussmündern übersät. Bester Beweis dafür ist ihr Instagram-Account, der voll damit ist. Aber genauso wie ihrer Freundin, der Fotografin Petra Collins, geht es ihnen nicht nur um eine verträumte Teenie-Ästhetik, sondern um eine feministische Botschaft und sie bestehen darauf, dass „Feminismus kein Trend ist." Sie sind Teil der Pastell-Power-Bewegung, eine Bewegung junger Künstlerinnen und Fotografinnen, die genau das beweisen wollen.

„Mädchen können wer auch immer sein, wann auch immer und sie können das tragen, was auch immer sie wollen", erklären Mayan und Julia i-D. „Wir wollten ein Label, das genau dieses Gefühl anspricht." Deshalb gründeten sie Me and You, ein Modelabel und seit Kurzem eine Website, auf der sie die Arbeiten ihrer Freunde und Gleichgesinnter teilen, inklusive Petra Collins und die der Fotografin Arvida Byström aus L.A., eine weitere Fürsprecherin der bonbonfarbenen Emanzipationsbewegung.

Exklusiv für i-D von Petra Collins fotografiert, verkörpern die Mädchen genau das, wofür Me and You steht: furchtlose Girl-Power im 21. Jahrhundert. Wir wollten mehr über das Label erfahren und trafen Julia und Mayan zum Kaffee. 

Wie habt ihr euch getroffen? Und wann wusstet ihr, dass ihr Freundinnen werden würdet?
Julia: Wir haben einander auf dem College kennengelernt. Die Leute haben mir immer gesagt, dass ich unbedingt Mayan kennenlernen soll, weil wir uns so gut verstehen würden. Dann hat sie mich eingeladen, die erste Folge von Girls zu schauen, was perfekt gepasst hat. Wir haben dieselben Kurse belegt und waren unzertrennlich. Die Leute dachten sogar, dass wir einander daten!
Mayan: Wir haben einander im ersten Jahr auf dem College kennengelernt und haben uns auf dem Flur einfach über ganz normalen Studentenkram unterhalten. Ich kann mich sogar daran erinnern, was Julia getragen hat. Später hat Julia dann in meinen Sketchbook geblättert und mir Fotos von Petra vom Salvation Mountain gezeigt. Ich war selbst da. Da wird jetzt so unzertrennlich sind, bringt mich diese Erinnerung zum Schmunzeln.

Was kann man auf euer Website kaufen?
Julia und Mayan: Wir freuen uns, dass es endlich los geht. Im letzten Jahr haben wir so eine treue Fangemeinde bekommen, dass wir uns jetzt einfach darüber freuen, die Mode mit allen teilen zu können. Die feministischen Unterhöschen, T-Shirts und Babygirl-T-Shirts kann man online bestellen, Kleider werden extra angefertigt. Wir entwerfen gerade auch Sweatshirts, die bald erhältlich sein werden!

Aber bei Me and You geht es um mehr als Mode. Was erhofft ihr euch von der Website?
Julia und Mayan: Ursprünglich haben wir damit angefangen, weil uns nur eine Ausdrucksform - wir haben Mode studiert - zu wenig war. Wir lieben es beide, unsere Persönlichkeiten auf jede Art und Weise auszudrücken und Me and You soll diesen Ansatz widerspiegeln. Wir sind außerdem in der glücklichen Lage, Teil einer Bewegung von Künstlerinnen zu sein, die Großartiges leisten und Kunst und Design verändern; das wollten wir auch auf unserer Website widerspiegeln. Die Modewelt ist viel offener; es geht nicht mehr darum, dass dir ein erlauchter Kreis sagt, was du tragen sollst und wie du aussehen musst.

Ihr seid besessen von Schlafzimmern. Wenn die Website ein Schlafzimmer wäre, wie sähe das aus?
Julia: Wahrscheinlich wie das Schlafzimmer, das Mayan für das Musikvideo zu „Move On" von Garden City Movement entworfen hat, oder wie das von Ama. Ama ist 15 Jahre alt und ihr Zimmer ist einfach nur ein Traum: überall gibt es kleine Lampen, Kerzen, ein Jesus-Hologramm und alte Videokassetten. Ihr Zimmer ist so ein angenehmer, verträumter Ort.
Mayan: Die Me and You-Welt ist wie ein unordentliches Teenie-Zimmer, mit vielen Postern, Stickern, Nippes, Zettel und anderem Zeug. Die Teenagerjahre sind verwirrend und haben etwas Magisches, alles ist so intensiv. Wenn man jung ist, ist das Schlafzimmer der wichtigste Ort. Man kann hier kreativ sein, es ist ein Zufluchtsort und man hat den Raum, verletzlich zu sein. Me and You versteht die Intimität und Privatsphäre eines jungen Mädchens.

Mit wem arbeitet ihr zusammen und auf wessen Arbeiten freut ihr euch am meisten?
Mayan: Petra war die Erste, die unsere Sachen fotografiert hat, noch bevor Me and You überhaupt existiert hat. Es fühlt sich gut an, wenn man merkt, dass jemand an einen glaubt. Aber die Zusammenarbeit mit all unseren Contributors war ein Traum: Arvida Byström, Sofy Mesa, Sam Guest. Unsere Freundin Zara [Mirkin] hat tolle Fotos von unseren Unterhöschen in der Wüste geschossen.
Julia: Das hört sich vielleicht klischeehaft an, aber alle sind so toll und bringen unterschiedliche Sichtweisen mit. Petras Fotos ergänzen unsere Mode perfekt und Arvida hat während unserer Zeit in L.A. eine Selbstporträtreihe fotografiert. Einfach so hat sie meine Meinung zu Selfie-Sticks geändert. 

Welche Rolle spielt Feminismus in der Mode? Und welche Rolle wollt ihr spielen?
Julia: Das Wichtigste ist, dass Feminismus nicht als Trend gesehen wird, weil es nämlich keiner ist. In den Medien gab es auch viele Berichte über junge Frauen, die sich selbst nicht als Feministinnen bezeichnen, weil sie das für Schubladendenken halten. Wenn es doch nur so einfach wäre. Wir leben immer noch in einer Welt, in der das Frau-Sein oft als Schwäche ausgelegt wird. Ich mag Emma Watsons He for She, weil es in der Kampagne nicht um den Geschlechterkampf geht, sondern darum, dass sich Männer und Frauen gegenseitig im Kampf für eine gleichberechtigte Welt unterstützen.
Mayan: Es ist traurig, wenn Feminismus als Trend missbraucht wird. Die Modewelt, in der der Aussehen so wichtig ist, sollte integrativer werden, als sie heutzutage ist. Sie sollte Frau-Sein feiern und nicht ausnützen. Ich wünsche mir eine größere Vielfalt an unterschiedlichen Körpertypen, Altersklassen, Hautfarben und Formen, und dass das auch in den Illustrierten und Werbekampagnen ankommt.

Wer sind eure Vorbilder - sowohl als Feministinnen als auch als Unternehmensgründerinnen?
Julia: Mayan ist von Fran Lebowitz besessen und ich werde auch langsam mit ihr angesteckt. Sie ist einfach so stark, einflussreich und tut, was sie will, darauf stehen wir. Wir haben beide ihr Interview in Elle gelesen, in dem sie darüber redet, dass Leute nicht wissen, wie sie sich anziehen sollen. Das ist so lustig. Sie ist einfach authentisch und sagt, was sie denkt.
Mayan: Fran Lebowitz und Meryl Streep. Beide sind inspirierende, zeitlose und starke Frauen.

itsmeandyou.com
@othergirl_julia
@thisismayan

Credits


Text: Alice Newell-Hanson
Fotos: Petra Collins

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