Der ewig währende Stil von Subkulturen

Von Margate bis Blackpool: Owen Harvey ist durch Großbritannien gereist und hat die Welt der Mods und Skinheads dokumentiert.

von Giulia Mutti; Fotos von Owen Harvey
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18 Oktober 2016, 2:15pm

Dadurch, dass Social Media eigentlich alles leicht auffindbar und zugänglich gemacht hat, ist es für Jugendkulturen ein Leichtes worden, sich in Rekordzeit tot zu laufen. Die Gentrifizierung hat sie dazu noch weiter an die Ränder der Gesellschaft gedrückt. Das heißt allerdings nicht, dass Subkulturen komplett verschwunden, reif fürs Museum oder zu etwas aus einer längst vergangenen Zeit geworden wären.


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Es gibt sie auch heute noch, sie haben allen Widrigkeiten getrotzt und, auch wenn manche von ihnen neue Richtungen eingeschlagen haben, gibt es immer noch welche, die die Flamme ihrer goldenen Ära am Leben erhalten. Fotogen, hedonistisch und unangepasst: Mods und Skinheads sind nie verschwunden.

Der in London lebende Fotograf Owen Harvey hat es in bester Derek-Ridgers-Manier zu seiner Aufgabe gemacht, die Szenen von heute zu dokumentieren. Dazu reiste er quer über die britische Insel nach London, Brighton, Blackpool, Liverpool und Margate. Obwohl sich die Serien optisch wie Tag und Nacht unterscheiden, verbindet Mods UK und Skins eine große Gemeinsamkeit in der visuell-dynamischen Darstellung von Gruppenzugehörigkeit. Anlässlich seiner Ausstellung im Warrington Museum & Art Gallery haben wir uns mit Owen zusammengesetzt, um über Subkulturen, Inspiration und kreative Einflüsse zu sprechen.

Was hat dich auf das Thema Subkulturen gebracht und wofür interessierst du dich generell als Fotograf?
Es war eine natürliche Entwicklung, weil ich selbst in einer Band gespielt habe und Musik ein unglaublich wichtiger Teil von Subkulturen ist. Ich habe Mods und Skins schon immer gemocht; sie verfügen über eine Menge toller Attribute: Stolz, Gemeinschaft, Stil, Musik und Tradition. Ich bin immer schon an menschlichem Verhalten und Identität interessiert gewesen.

Wie bist du an deine Subjekte herangetreten?
Ich kannte jemanden an meiner Schule, der in der Mod-Szene war. Ich fand das spannend. Ich bin einmal mit ihm ausgegangen und war sofort angefixt. Die erste Mod-Party ist ein großartiges Erlebnis—selbst als Außenseiter. Die Leute tanzen dort – also, tanzen so richtig – bis 6 Uhr morgens.

Bei meiner Arbeit mit den Skinheads war es etwas anders. Ursprünglich wurde ich darum gebeten, eine Skinhead-Veranstaltung für Fred Perry zu fotografieren. Ich habe den ersten Tag dann damit verbracht, mit ihnen zu trinken und eine kleine Gruppe von ihnen kennenzulernen. Die sind inzwischen zu Freunden geworden. Die Inspiration kam durch die Menschen, die ich dort fotografiert habe. Sie alle waren voller Energie, was mich wirklich angezogen hat. Energie ist ansteckend, egal ob sie durch Tanzen kanalisiert wird, durch Kleidung oder eine positive Einstellung.

Die Skinhead-Bewegung wird ja tendenziell mit ein paar negativen Dingen assoziiert. Wie war deine Erfahrung?
Ich persönlich habe keine Probleme gehabt. Das waren ein paar der nettesten und offensten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Manchmal habe ich es mit Leuten zu tun, die uninformierte Dinge über die Menschen in meinen Bildern sagen. Das wandelt sich aber in der Regel ins Positive, wenn sie von der Herkunft und Geschichte dieser Subkultur erfahren.

Was möchtest du in deinen Porträts vor allem festhalten?
Die Gesichter, die Schnitte und den Stil der Szene-Zugehörigen. Ich hoffe, dass das den Charakter dieser Individuen reflektiert.

Deine Skinhead-Porträts sind ziemlich intim.
Ich habe mit ein paar Skinheads mehr Zeit auf engerem Raum verbracht, habe das Wochenende bei ihnen übernachtet, mir ein Zimmer geteilt, etc.. Vielleicht kommen deswegen ein paar Bilder intimer rüber, aber das liegt einfach daran, wie sich das Projekt entwickelt hat.

Wo hast du deine besten Subjekte gefunden?
In London, Brighton, Blackpool, Liverpool, Margaret und anderen Orten in England. Ich würde sagen, dass die elegantesten Mods in London anzutreffen sind. Die Skinhead-Szene ist weiter ausgebreitet. Da lässt sich das schwer sagen.

Was hoffst du mit deiner Arbeit zu erreichen?
Ich hoffe, beide Subkulturen in ihrer Gänze dokumentieren zu können. Ich habe das Gefühl, dass es besonders wichtig ist, das jetzt zu tun. Die moderne Kultur ändert sich schnell und immer mehr junge Menschen leben ihr Leben durch Technologie. Es gibt keine dahinterliegende Aussage als solche, aber die Fotos sind eine Wertschätzung und ich hoffe, das merkt man.

owen-harvey.com

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