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wie dylan rieder eine brücke zwischen der skateboardszene und der modewelt geschlagen hat

Egal, was du über ihn gedacht hast, eines war bei Dylan immer klar: Ihm war es egal, was du von seinem Style denkst. Er hat das gemacht, was er wollte. Er ist so Skateboard gefahren, wie er wollte. Er hat das angezogen, was er anziehen wollte, statt...

von Oliver Lunn
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28 Oktober 2016, 9:24am

Als die Nachricht vom Tod des Profi-Skateboarders und Models Dylan Rieder im Alter von 28 bekannt wurde, hat sich Instagram mit Hommagen an den Verstorbenen gefüllt. „Du warst mein Liebling, einfach weil du du selbst geblieben bist. Ich liebe dich und ich werde dich sehr vermissen!", so Profi-Skateboarder Alex Olson. „Einer der nettesten, bodenständigsten und unglaublichsten Menschen, die ich jemals getroffen habe", hat Cara Delevingne geschrieben, die mit ihm einmal gemodelt hat. Auch Ozzy Osbourne hat sich mit warmen Worten geäußert: „Einer der talentiertesten und mutigsten Männer. Ich fühle mich geehrt, dich kennengelernt haben zu dürfen."

Rieders Tod, der einen zweijährigen Kampf gegen die Leukämie verloren hat, ist ein großer Verlust für die Skateboardszene. Nicht nur, weil er ohne Frage einer der besten Skateboarder auf der Welt war oder weil er so unverschämt gut mit dieser Woke-up-like-this-Attitüde auf dem Skateboard aussah, sondern weil er eine Brücke zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen geschlagen hat: zwischen der Modewelt und der Skateboardszene. Das hat zu seiner Einzigartigkeit als Skateboarder gehört, gerade weil die Beziehung zwischen der Skateboardszene und der Modewelt nicht die einfachste ist. Das hat ihn zu einem Rebellen gemacht. Er hat nicht nur ungeniert seine Liebe zur Mode gezeigt, sondern er hat dafür gesorgt, dass es für andere Skateboarder OK ist, mit ihren Looks zu experimentieren und sich von anderen kulturellen Dingen inspirieren zu lassen.

Allein mit seinem legendären Video für Gravis hat er 2010 eine ganze Generation von Skateboardern inspiriert, dass sie ihre engen Jeans hochkrempeln und „Don Swankey"-Shirts tragen.

Rieder, zu dessen Sponsoren Supreme und HUF gehört haben, hat des Öfteren für modische Kontroversen gesorgt. Bekanntheit haben im Jahr 2010 eine Gravis Loafer gesorgt. „Als die rausgekommen sind, haben die für viel Gesprächsstoff gesorgt", sagt er in dem Video. „Ich habe viel Kritik dafür eingesteckt, aber ich sehe einfach verdammt gut darin aus."

Die Loafer waren keine typischen Schuhe für Skateboarder. Sie waren so elegant, dass man sie auch zu einer schicken Vernissage hätte anhaben können. Anscheinend brauchte es viel Selbstbewusstsein, um den Look in der Skateboarder-Community zu tragen. Für den Mitbegründer von Supreme, Jason Dill, erklärt das auch Teil von Dylans Anziehung. „Schau dir einfach mal den Look dieses Original Fuckers an", sagt er, „wie er in seinen süßen hochgekrempelten Hosen durch die Gegend fährt, seine Hemden zugeknöpft hat und Halsketten trägt. Es sieht großartig aus!"

Der bekannte Skateboard-Filmer Bill Strobeck bestärkt Dill: „Die Art und Weise, wie sich Dylan anzieht, erinnert mich an die Zeit, als ich Dill zum ersten Mal getroffen habe. Er war so wie: Hier sind meine schicken, modischen Schuhe und hier ist die Hose, die sonst keiner trägt ... Das hatte alles etwas mit Mode zu tun und ich glaube, Dylan steht einfach drauf."

Dieses Interesse an Mode hat zu seiner Modelkarriere geführt, am bekanntesten ist wohl die DKNY-Kampagne neben Cara Delevingne aus dem Jahr 2014. Für Rieder waren die Modewelt und die Skateboardszene nie getrennte Sphären. Er hat mit seinem Werbespot für den neuen HUF Signature Shoe, bei der er auch Regie führte, die Mauern zwischen beiden ein Stück weiter eingerissen. Gedreht wurde der Schwarz-weiß-Spot in Berlin und zu sehen sind verträumte Aufnahmen von Dylan in einem Raum mit einem nackten Girl, das hinter ihm auf einem Stuhl sitzt und ihn natürlich beim Skateboardern in Slow Motion zeigt. Ja, er skateboardet und modelt in dem Film. Und natürlich hat über dieses Video auch wieder jeder gesprochen. Ein Kommentar auf YouTube fast die Debatte ganz gut zusammen: „Die Leute hassen er, weil es nicht das ist, was ihnen beigebracht wurde zu mögen. Denkt selbst und findet eure eigenen Interessen!".

Egal, was du über ihn gedacht hast, eines war bei Dylan immer klar: Ihm war es egal, was du über seinen Style gedacht hast. Er hat das gemacht, was er wollte. Er ist so Skateboard gefahren, wie er wollte. Er hat das angezogen, was er anziehen wollte, statt das anzuziehen, was er sollte. Bis zum Schluss ist er sich selbst treugeblieben.

Und er hat die Skateboard-Mode beeinflusst. Schon bald, nachdem das Gravis-Video 2010 erschienen ist, sind Skateboarder in weißen T-Shirts mit V-Ausschnitt und hochgekrempelten, schmalen Hosen in den Skateparks erschienen und wollten unbedingt so aussehen wie Dylan. Einige sind sogar so weit gegangen und haben ihre weißen Unterhemden in die Hose gesteckt und den ganzen Tag versucht, Impossibles zu stehen, Dylans Parade-Trick. Aber das waren schwache Kopien. Auch wenn die Trends kamen und gingen, und Skateboarder bald wieder lockere Jeans getragen haben und sich wie Mike Carroll in den 90ern angezogen haben, ist Dylan immer Dylan geblieben, der immer so aussah, als ob er direkt vom Laufsteg kommt.

Diese Originalität wurde nirgends sichtbarer als er bei der Street League, „der weltweit ersten Adresse für Street-Skateboarding", aufgetreten ist und so viele schockierte. Umgeben von Skateboardern mit „Monster Energy"-Caps und Bildschirmen, auf denen die Logos der Sponsoren flackerten, stach Dylan in seinem weißen T-Shirt und schmalen Jeans ohne Logos sofort heraus.

Dieses Jahr war eindeutig das Jahr, in dem der Einfluss der Mode auf die Skateboardszene am eindeutigsten spürbar war, ob es die Skater nun mögen oder nicht. Das gilt auch in die andere Richtung. Die „Skate Week" der Vogue hat in den Foren der Skateboardszene für viele WTF-Kommentare gesorgt und hat eine Debatte um kulturelle Aneignung losgetreten. Einige Skateboarder haben das Gefühl, dass die Modebranche die Kultur der Skateboarder nur benutzt, nach dem Motto: Nur ein Skateboarder kann ein Thrasher-T-Shirt tragen. Das dieser gegenseitige Einfluss aber nicht neu ist, erklärt Profi-Skateboarder Eric Koston: „Ob Skateboarder das nun hören wollen oder nicht, sie sehen aus wie aus einem Lookbook. Die Skateboardszene orientiert sich auch an der Mode. Für mich geht das alles in Ordnung."

Rieder hat das verkörpert. Er hat eine Brücke zwischen der Skateboardszene und der Modewelt geschlagen. Und diese Haltung war Punk, weil er sich eben nicht den Erwartungen der anderen davon, was oder wie ein Skateboarder aussehen sollte, gebeugt hat. Was er als Nächstes getan hätte und wie er den Status quo in der Skateboardszene verändert hätte, muss offenbleiben. Aber es wäre definitiv etwas gewesen, worüber wir alle gesprochen hätten. R.I.P. Dylan Rieder. 

Credits


Text: Oliver Lunn
Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video „HUF Quality Footwear Presents: The Dylan" von HUF