junge liebe und braun gebrannte körper auf coney island

Der Fotograf Mark Hartman hat den Spätsommer am Strand in ausdrucksstarken Porträts festgehalten.

von Hannah Ongley
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06 Oktober 2016, 8:20am

Der Fotograf Mark Hartman ist vor Kurzem 35 geworden. Statt durchzudrehen oder einen extravaganten Urlaub zu buchen, nahm er seine Kamera mit auf die Strandpromenade von Coney Island. „Ich habe mir selbst diese Regeln gegeben", erinnert er sich. „Eine Kamera und ein Objektiv, kein Stativ und kein künstliches Licht." Die sonnengetränkten Porträts wurden schnell zum Ausgleich für sein alltägliches Leben. Was dieser Ausgleich war und warum er gerade auf Coney Island fotografiert, hat er uns verraten. 

Warum fotografierst du in Coney Island? 
Das hat ein paar Gründe. Die Crowd hier ist super international, was mir ein breites Spektrum von Themen gibt, mit denen ich arbeiten kann. Außerdem ist dieser Ort magisch. Alles hier ist entweder Himmel, Sand oder Wasser. Auch wenn ich auf der Promenade fotografiere, drehe ich mich zum Wasser. Ich wollte nicht, dass es um den Ort geht, sondern mehr um die Menschen und das Gefühl. Es hat sich richtig angefühlt, das jetzt zu machen. Ich bin vor Kurzem 35 geworden und denke viel über mein Leben nach.

Wie setzt du dieses Nachdenken in den Fotos um?
Manchmal mehr, machmal weniger. Mehr in den Bildern der Paare und dieser Idee der jungen Liebe und der Frage, wie sich ihr Konzept von dem, was Liebe ist, sich im Laufe der Zeit verändern kann. Vor allem in den Fotos der Eltern mit ihren Kindern gibt es eine direkte Referenz zum Älterwerden. Weniger in den Bildern im Wasser. Menschen, die aus dem Wasser kommen, ist eine große Sache in vielen spirituellen Texten. Wenn du aus dem Wasser kommst, ändert sich dein Bewusstsein. Viele verschiedene Religionen haben eine Menge Geschichten darüber. Bei anderen Fotos versuche ich, einfach nur die Emotionen zu illustrieren, die ich nicht wirklich in Worte fassen kann. Das werden dann die besten Bilder. 

Wie hast du die Leute gefunden, die du fotografierst? Was braucht jemand, um von dir fotografiert zu werden? 
Ich gehe immer den gleichen Weg und starte bei Brighton Beach. Ich versuche einfach, so viel wie möglich aus meinem eigenen Kopf zu bekommen, deshalb meditiere ich, bevor ich an den Strand gehe. Ich halte Ausschau nach Leuten, mit denen ich eine Verbindung spüre. Es kann das sein, was sie anhaben, oder wie sie sich bewegen. Ich rede mit ihnen darüber, was sie tun. Es ist wirklich eine Zusammenarbeit mit der anderen Person. Es ist wichtig, dass sie fotografiert werden möchten, weil sie ja schließlich posen müssen. Manchmal ist es ziemlich Hands-on.

Wie unterscheidet sich deine kommerzielle Arbeit von diesem Projekt? 
Es ist weniger geplant und spontaner, was mehr Lockerheit erlaubt. Sonst arbeite ich mit einem Stativ, hier ist alles ohne Stativ, ein Objektiv, eine Kamera, natürliches Licht. Ich arbeite damit, was ich habe und was die Situation hergibt. 

Wo in New York würdest du noch fotografieren?
Ich weiß es nicht wirklich. Coney Island ist schon toll. Mir gefällt die Energie hier und die Geschichte. Ich wollte lange etwas über New York machen, habe es dann aber sein lassen, weil ich das Gefühl hatte, dass alles schon mal gemacht wurde und ich wo anders hingehen muss, um an einem persönlichen Projekt zu arbeiten. Das stimmt aber nicht. Man kann überall arbeiten. 

markhartmanphoto.com

Credits


Text: Hannah Ongley
Fotos: Mark Hartman

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