wie du dein eigenes label startest … von siblings cozette mccreery

Du willst so richtig in der Fashionwelt durchstarten, bist dir aber nicht sicher, welcher Weg der richtige ist? Wir haben ein paar Leute aus der i-D Familie gefragt—von Designern über Stylisten bis hin zu Autoren. Sie verraten dir, wie sie ihre...

von Cozette McCreey
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12 September 2016, 2:40pm

sibling fall/winter 16. photography jason lloyd evans.

Sibling ist aus dem Verlangen entstanden, Strickmode neu zu interpretieren. Anfangs konzentrierten sie sich auf Menswear, mittlerweile können alle Sibling tragen. Bekannt geworden ist das Label für seine verspielten Prints, seine muskulösen Models, Sexyness und gute Laune, die ansteckt. Seitdem Sibling 2008 lanciert wurde, bringen sie frischen Wind in die Modewelt. Ihr Angebot wird stetig größer und ihr Business wächst. Cozette McCreery hat für uns ihre Erfahrungen und Tipps aufgeschrieben und erklärt uns, wie kreative Talente ihre Träume wahrmachen können.

Was ich tue und warum ich es tue.
Ich bin neben Sid Byran die eine Hälfte des Knitwear-Labels Sibling. Wir bieten sowohl Menswear als auch Womenswear an. Ich verantworte die öffentliche Seite des Labels, also PR, Sales, Social Media, Brand Identity und so weiter. Es gibt nur uns beide, sowie Sarah im Studio, also insgesamt drei Leute. Wir bekommen Input was Recherche- und Design angeht, wie wir das Studio führen und Shows veranstalten. Wenn ich anfange, alles aufzulisten, was ich wirklich tue, dann würde mein Kopf explodieren. Ich sage es mal mit den Worten von Katie Grand: „I make it happen!"

Als Jugendliche wollte ich Lokführerin werden. Nachdem ich herausgefunden habe, dass ich auf einem Bahnhof arbeiten muss, und nicht einfach nur einen Zug fahren kann, habe ich die Idee schnell beerdigt. Danach war es Balletttänzerin, aber ich wurde zu groß, also war das auch vom Tisch, auch wenn wir Leute gesagt haben, dass ich noch andere Formen von Tanz machen könnte. Ich bin so dickköpfig, dass es sinnlos ist, mich von irgendwas zu überzeugen. Dann wollte ich Tierärztin werden. Dann Make-up-Artist. Dann wieder Tierärztin. Mode ist irgendwie passiert, als ich angefangen habe, ja zu sagen.

Meine Eltern hatten ohne Frage den größten Einfluss auf meine Entwicklung und waren meine größte Inspiration. Beide spielten modisch immer vorne mit. Mein Papa war metrosexuell, bevor das Wort überhaupt existierte. Ich bin mit zu den Anzug-Fittings gegangen, ich wurde mit zu Joseph genommen, um Pullover zu kaufen oder zu Biba für Pailletten und Federn. Mein Bruder und ich haben pastellfarbene Newman-Jeans und karierte Hemden oder von Kopf bis Fuß Schwarz getragen, während die anderen Kinder rosa oder blaue Sachen anhatten und sehr nach ihrem Geschlecht angezogen wurden. Ich hatte sehr progressive Eltern. Sie haben uns als Kinder behandelt. Sie hatten aber Respekt davor, dass wir unsere eigenen Gedanken haben und Vorstellungen haben.

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Mit 18 bin nach Cambridge und wollte Englisch studieren. Ein Studienberater hat mir gesagt, dass ich eine gute Lehrerin sein würde. Meine Dickköpfigkeit hat sich wieder gezeigt und so hatte sich das Thema für mich erledigt: Ich und studieren. Und dann noch Lehrer? Nein danke. Ich habe gemodelt, hauptsächlich für Catwalk-Shows in Kaufhäusern. Ich habe viel Geld damit verdient und war so durch mit Studieren. Versteht mich nicht falsch, ich habe die Schule geliebt. Ich bin mit Fat Tony feiern gegangen und habe Leute aus der Modewelt getroffen: Die haben für Max Mara, Fendi, Jasper Conran oder Alastair Blair gearbeitet. Wie bei jeder guten Beziehung: Du weißt einfach, wenn es passt. Du liebst einfach das, was du machst. Ich gehe mit Freude zur Arbeit. Wenn ich am Sonntagabend mal denken sollte, dass ich vielleicht doch lieber zur Uni gegangen wäre, dann weiß ich, dass es Zeit für was Neues ist.

Sibling Spring/Summer 17. Foto: Piczo.

Ein Tag in meinem Leben …
Ich bin ziemlich an den Computer gebunden. Ein typischer Tag sieht so aus: Ich beantworte E-Mails, kümmere mich um Social Media und alles, was noch mit Promotion zu tun hat. Das ist wichtig, denn das werden die Grundlagen deiner Brand Identity. Ich mache das selbst. Ja, ich bin ein Kontrollfreak, ich bin aber genauso besessen von Social Media und liebe es, wie sehr uns Social Media manipulieren kann und wie es im Gegensatz manipuliert werden kann. Das ist faszinierend. Ich wurde schnell zu einer Art Social-Media-Guru.

Daneben gibt es noch Presseanrufe und Interviews wie diesem hier. Außerdem gibt es da noch: Absegnen einer Kollektion, Versand an Händler, Rechnungen begleichen oder offenen Rechnungen hinterherrennen oder Vorbereitungen für eine Fashionshow.

Die erfüllendsten Momente sind scheinbar banale Dinge wie jemanden auf der Straße mit einem Sibling-Teil zu sehen oder wenn unsere Mode in Editorials getragen werden. Habt ihr Boxer Anthony Joshua auf dem Cover des ES Magazine in unserer Herbst-/Winterkollektion 2016 gesehen? Ich war so stolz, weil es viel Zeit und Mühe kostet, solche Fotos zu produzieren. Es ist echte Teamarbeit. Cover wie dieses sind für mich persönlich wie ein Klaps auf die Schulter. Das ist jetzt war nichts verglichen mit der Arbeit einer Hirnchirurgin, das meinte ich vorhin mit banal, aber solche Dinge machen mich glücklich. Mir haben Freunde geschrieben und gratuliert. Diese Leute arbeiten für große Marken: „Du bekommst mehr und bessere Berichterstattung als ich und dabei schalten wir da Werbung".

Das größte Missverständnis über diesen Job: Dass er glamourös ist. Das ist er auch, wenn du Karl oder Donatella heißt. Aber für den Großteil bleibt der Glamour eine Illusion. Das ist Teil ihrer Brand Identity und sie haben hart daran gearbeitet, an diesem Punkt zu kommen. Außerdem kommt dazu noch die geschäftliche Seite, dass man ein Aushängeschild ist; das man Verantwortung trägt und Mitarbeiter hat.

Sibling Spring/Summer 16. Foto: Jason Lloyd Evans.

Der Moment, der mich zu der gemacht hat, die ich bin. 
Angefangen hat es bei Jasper Conran. Bella Freud hat sich dann meiner angenommen und mir viel Selbstvertrauen gegeben und mich darin bestärkt, dass ich meinen eigenen Meinungen und Instinkten vertrauen soll. Wenn dir jemand so viel Freiheit gibt, zu tun und zu lassen, was du willst—in einem gewissen Rahmen—, dann gehst du darin auf oder komplett unter. Man wird dadurch auch erwachsen oder entwickelt seine Persönlichkeit.

Mein Karrierehighlight? Es gibt so viele. Mit Bella und Malkovich an Kurzfilmen zu arbeiten, unsere erste Catwalk-Show für Sibling im Rahmen der LCM für die Saison Frühjahr/Sommer 2013. Mein Vater saß in der ersten Reihe. Und die Reisen nach Tokio und Schanghai.

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Studieren oder nicht?
Wie ich vorhin schon meinte, ich habe nicht studiert. Ich habe Leute aus der Modeindustrie getroffen und war neuen Möglichkeiten immer sehr aufgeschlossen. Wenn dich jemand fragt: „Willst du für mich arbeiten?", sage ja! Und denke später darüber nach. Ich hatte oft Glück. Meine Familie ist wieder nach London gezogen, als ich 16 war. Ich musste also keine Miete zahlen. Und für jemanden, der ziemlich schüchtern ist, kann ich auf Leute zugehen und mit ihnen sprechen. Mein Name hilft auch: man vergisst ihn kaum. Ich bin aber meinen eigenen Weg gegangen. Jeder muss das tun, was für ihn richtig ist.

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Ich finde wichtig, dass man Erfahrungen sammelt. Absolventen sollen die Industrie aus so vielen Blickwinkeln wie nur möglich kennenlernen. Ich war Personal Assistant, ich habe in Fabriken gearbeitet, ich habe in Stores gearbeitet, ich habe gemodelt, ich habe tagelang Labels eingestrickt oder eingenäht. Die beste Lernkurve habe ich bei einem kleinen Label gemacht, weil ich so viel Verantwortung übernommen habe, wie es nur ging: Produktion, PR und alles, was dazwischen liegt. Sid hat freiberuflich für Designer gearbeitet und auch im Einzelhandel. Bevor du deine eigene Modelinie lanciert, sammle so viel Informationen und Kontakte wie nur irgendwie möglich. Es wird sicherlich Leute geben, die mir widersprechen, aber: in diese Industrie wirst du es nicht leicht haben. Sie war schon immer von Trends bestimmt. Das kann sich auf dein Selbstbewusstsein und erst recht auf dein Business auswirken. Wenn man nicht mehr länger das neueste Cool-Kid der Szene ist und nicht mehr die oder der Neue ist und die Party weiterzieht, hilft es, wenn man nicht in die Bodenhaftung verloren hat.

Sibling Spring/Summer 16. Foto: Jason Lloyd Evans. 

Was ich mir damals gewünscht hätte, das ich heute weiß.
Dass es gut ist, wenn man weiß, wenn es Zeit wird aufzuhören. Dass es nichts Schlechtes ist, aufzugeben oder nein zu sagen. „Verschwende nicht deine Zeit und Kraft" ist wahrscheinlich der beste Ratschlag, der mir gegeben wurde. Oder auch: „Wenn es dich glücklich macht, dann tue es. Wenn es das nicht tut, dann höre auf damit. So einfach ist das." Beides hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die in deine Fußstapfen treten wollen?
Das klingt jetzt wahrscheinlich ziemlich langweilig, aber: Sei nett! Wenn du es nicht sein kannst, dann hau ab! Dieser Grundsatz hat mich weitgebracht. Du sollst jetzt kein Schleimer werden, ganz im Gegenteil. Sei du selbst und noch wichtiger: der Erfolg darf dir nicht in den Kopf steigen. In der Modeindustrie gibt es viele Opfer und erst recht viele echte Modeopfer. In schwierigen Zeiten wirst du für echte Freunde sehr dankbar sein.

Ich freue mich auf morgen, weil …
Herbst/Winter 2017! Seitdem wir Menswear und Womenswear zusammengelegt haben, arbeiten wir nach dem Menswear-Kalender, was ein Segen ist. Dadurch haben Sid und ich die Möglichkeit, in Ruhe nachzudenken und kreativ zu sein. Jeder braucht mal einen freien Kopf. Wir haben uns gegen die immer die höheren Anforderungen von vier Modeschauen und fünf Kollektionen im Jahr entschieden. Bei Sibling arbeiten drei Leute und nicht 33. Schluss damit, dass wir uns selbst umbringen!

Credits


Text: Cozette McCreery
 

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