dev und kindness sind freunde, kollaborateure und musikliebhaber

Letzte Woche feierte das neue Musikvideo von Kindness auf i-D.co seine Premiere, heute sprechen Adam Bainbridge und Dev Hynes über die Musiker, die sie respektieren, Instrumente, die sie hassen, und über den aktuellen Zustand der Musikindustrie.

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14 April 2015, 8:50am

Dev wears Jacket Schott NYC. T-shirt Calvin Klein Jeans. Jeans Guess. Sunglasses No Relation Vintage. Watch MoMa. Kindness wears t-Shirt Dâm-Funk. Shorts 3.1 Phillip Lim.

Devonté Hynes (aka Blood Orange) und Adam Bainbridge, besser bekannt als Kindness, kennen einander seit zehn Jahren, als Kindness Dev für das Nu-Rave-Modemagazin Super Super interviewte. Seitdem haben beide erfolgreiche Solokarrieren gestartet, zusammen kommen sie auf sieben Alben, dutzende Singles und teilen die Liebe der Musikkritiker.

Obwohl die Genialität der beiden noch nicht ganz im Mainstream angekommen ist, waren sie dennoch Mitte der 2000er die Gesichter der Londoner Nu-Rave-Szene. Erst seitdem 2012 bekannt wurde, dass Dev der Songwriter hinter Solange Knowles' „Losing You" und Sky Ferreiras „Everything is Embarrassing" ist, wurde er einem breiter Publikum bekannt. Gleichzeitig veröffentlichte Kindness sein hoch gelobtes Debütalbum. Die Musik der beiden weist Elemente von Elektronik, Disco, Easy Listening, Soft Rock und Funk auf, ist ehrlich und emotional, etwas naiv und genau deshalb unglaublich cool. 

Dev wurde in Amerika geboren, wuchs in Großbritannien auf und kehrte nach der Auflösung seiner ersten Band Test Icicles nach New York zurück, um an seiner Solokarriere zu arbeiten. Kindness lebt in Berlin. Wir trafen Dev und Adam in einem Londoner Pub zum Gespräch und plauderten über die Musiker, die sie respektieren, Instrumente, die sie hassen, und über den aktuellen Zustand der Musikindustrie.

Habt ihr manchmal unterschiedliche Ansichten über Musik?
Kindness: Ja, Silvester hat Dev ein bisschen zu lange mit Rostam [von Vampire Weekend] über die Smashing Pumpkins gesprochen.
Dev: Ich habe versucht aufzuhören, aber ich konnte nicht anders.

Worüber habt ihr diskutiert?
K: Rostam hat Dev herausgefordert: „Ich glaube nicht, dass du so viel über die Smashing Pumpkins weißt wie ich". Also hat Dev fast den ganzen Wikipedia-Eintrag heruntergebetet. Mich hat es gefreut, dass du recht hattest, aber ich möchte das nie wieder hören müssen.

Diskutiert ihr gerne über Musik?
D: Es gibt nur vier Personen auf der Welt, mit denen ich überhaupt über Musik sprechen möchte, und Adam gehört definitiv dazu.
K: Wie müssen nicht erst 60 Jahre Musikgeschichte durchkauen, wir verstehen einander einfach. 

Habt ihr als Teenager dieselbe Musik gehört?
D: Wir haben beide viel Ash gehört.
K: Dann haben wir uns aber in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Als wir 2005 zusammen als DJs aufgetreten sind, hat Dev immer Dem Franchize Boys aufgelegt und ich war so wie „Ich bin Three 6 Mafia. Damit will ich nichts zu tun haben." Aber es gibt auch Musiker, auf die wir uns nicht nicht einigen können.

Dev trägt eine Jacke von Études Studio. Hut: Beyond Retro. Sonnenbrille: MoMa. 

Zum Beispiel?
D: Arthur Russell.
K: Auch Lindsey Buckingham [von Fleetwood Mac]. [Dev lacht] Nicht?
D: Doch, na klar. Robert Palmer.
K: Lennon und McCartney.
D: Neil Young, Simon & Garfunkel, Paul Simon.
K: Dem kann ich nicht mehr so zustimmen.

Wann seid ihr euch nicht mehr einig?
D: Beim HipHop...
K: Dev ist ein riesen Eminem-Fan. Obwohl ich ihn schätze, würde ich mich nicht als Fan bezeichnen. 
D: Wenn du als Teen kein Eminem-Fan bist, dann ist es fast unmöglich, jetzt noch einer zu werden. Aber wenn du es warst, dann stehst du dazu.
K: Als wir das Video zu „Chamakay" in Guyana gedreht haben, haben Dev und Samantha [die Freundin von Dev] seinen neuen Song rauf und runter gespielt. Alles, was ich gehört habe, war, wie ihr beiden dazu gerappt habt.

Dev trägt einen Anzug von Trussardi. T-Shirt: Calvin Klein Jeans. Hut: Beyond retro. Sonnenbrille: MoMa. Kindness trägt einen Pullover von Pringle of Scotland. Hosen: Paul Smith. 

Wie wichtig ist euch euer Image?
D: Ich respektiere Adam dafür, dass er zweimal selbst auf seinem Album-Cover erschien.
K: Das hat echt keinen Spaß gemacht. 
D: Ich weiß. Deswegen respektiere ich dich. Ich würde es nicht tun. 
K: Viele engagieren einen Künstler, der für sie etwas Grafisches kreiert, aber ich packe mein dummes Gesicht in Nahaufnahme auf das Cover. Zwar bedeutete es, dass nur zehn Leute meine Platte kauften, aber Hey!
D: Für die beiden Blood Orange-Platten hatte ich die Cover fertig, bevor die Alben aufgenommen waren. Die Cover haben die Musik inspiriert.

Was sagt ihr zum aktuellen Zustand der Popmusik?
K: Mike Will Made It macht immer noch gute Musik.
D: Sremm Life ist ein solides Album. Es ist eine gute Abwechslung, ein lustiges HipHop-Album zu hören.
K: Als Mike Will mit Miley Cyrus zusammengearbeitet hat, dachte ich, dass die Welt explodiert.
D: Der neue Usher-Song mit Migos und Juicy J ist auch toll. 
K: Ich warte darauf, dass Juicy J Three 6 Mafia sampelt.

Ihr beide habt den Ruf, Musik-Geeks zu sein. Stimmt das?
K: Männer dürfen anderen aus Liebe zum Fußball mit Gewalt drohen und vor dem Fernseher weinen und niemand findet das komisch? Wieso gilt mein Interesse an Musik dann als besessen? Ich finde das normal. Ich habe eben eine starke Meinung zum Thema Musik. Ich würde wahrscheinlich jemandem eine verpassen, wenn der etwas Falsches sagt. Ich bin kein Geek, nur weil ich daran, was ich tue, glaube.

Wie wichtig sind Musiklabel heutzutage?
K:
Wenn du in die Top 10 willst, dann brauchst du vielleicht ein Label. Wenn nicht, dann solltest du einfach Musik machen und du wirst die Leute erreichen, die sie wertschätzen. Wenn du wirklich Talent hast und dafür bestimmt bist, dann wird sich etwas ergeben. Jemand wie WondaGurl kreieren einen Beat und drei Wochen später ist er auf dem Jay Z-Album oder Leute wie Odd Future tauchen aus dem Nichts auf. Wenn Jugendliche auf der anderen Seite aber den X-Factor-Weg wählen, dann wird es erbärmlich.

Kindness trägt eine Jacke von Levi's. T-Shirt: Dâm-Funk. Shorts: 3.1 Phillip Lim. Schuhe: Converse. Dev trägt einen Jacke von Schott NYC. T-Shirt: Calvin Klein Jeans. Jeans: Guess. Uhr: MoMa. Socken vom Model. Schuhe: Marc Jacobs.

Was sind eure Lieblingsinstrumente?
D: Ich kann dir sagen, welche Instrumente ich hasse. Ich hasse Gitarren. Es ist eine Hassliebe, überwiegend Hass. Das ist das Instrument, das ich am besten beherrsche. Wenn mir einer ins Gesicht schießen würde, könnte ich es immer noch spielen, aber es macht mir eigentlich keinen Spaß. Ich hasse es sogar, eine Gitarre in der Hand zu halten. Bei meinen Auftritten ist die Gitarre von der Location oder geborgt, ich besitze nicht mal eine.
K: Ich finde Klaviere ganz toll. Heutzutage basiert die meiste Musik auf Synthesizer-Sounds und das kann toll klingen. Was aber noch toller klingen würde, ist, wenn es dieselbe Struktur mit noch tieferen Akkorden geben würde. Man kann sich jede Doku über große Stars der globalen Musikindustrie anschauen und stellt fest, dass alle in riesigen Musikstudios aufnehmen, ihre Musik aber trotzdem billig klingt. Ich liebe Künstler wie Dam Funk, die Musik mit Anspruch kreieren; Musik, die keinen bevormundet und für die sie auch kein teures Equipment brauchen.

Was gefällt euch am besten daran, Musik zu machen?
D: Songwriting. Das ist das Einzige, woran ich denke.

Wo schreibt ihr am liebsten?
D:
 Eigentlich überall. Ich liebe Küchen.

Was ist mit dir, Adam?
K: Ich finde es immer mühsam. 

Mal ernsthaft, wann fühlst du dich musikalisch in deinem Element?
K: Komischerweise, wenn ich auflege. Es gibt Tage, an denen ich unglaublich stolz auf meine Musik bin, und dann gibt es Tage, an denen ich total depressiv bin. Ich weiß auch nicht warum. Aber wenn ich ein Set spiele, bin ich am glücklichsten.

Hier gelangst du zum Musikvideo „I'll be back" von Kindness.

@devhynes

@kindness

Credits


Text: Stuart Brumfitt
Fotos: Beau Grealy
Styling: Andreas Kokkino
Haare: Dennis Gots für Jed Root mit Produkten von L'Oreal Professional.
Grooming: John McKay für Defacto Inc.
Fotoassistenz: Porter Counts, Bummy, Tyler Ash.
Stylingassistenz: Lesley Macleod.