liss ist die boyband für leute, die keine boybands mögen

Du fragst dich, ob es jemals wieder eine Boyband mit guten Popsongs, stylischem Look und keinem Einfluss von irgendwelchen Labelmanagern geben wird? Wir sagen dir, dass es die schon gibt. Liss ist die angesagteste Boygroup aus Dänemark, die du dir...

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03 Juni 2016, 10:25am

Liss besteht aus dem Sänger Søren Holm, dem Bassisten Villads Tyrrestrup, dem Gitarristen Vilhelm Strange (ja, er heißt wirklich so) und dem Schlagzeuger Tobias Hansen. Alle sind zwischen 19 und 21 Jahre alt und kommen aus dem dänischen Aarhus. Eigentlich ist die Stadt für ihre Underground-Punkszene bekannt und nicht so sehr als Hort zukünftiger Poptalente. Das Quartett hat sich vor vier Jahren zusammengetan, nachdem sie sich über ihre Freundinnen kennengelernt haben. Bei den ersten Proben haben sie nur mittels Musik kommuniziert und dann relativ schnell begriffen, wie ähnlich sie sich sind und dass es wahrscheinlich einfach so ein soll. Man könnte man meinen, dass Dev Hynes seine Hände im Spiel hatte: Auf ihrer First EP sind soulige Popsongs wie „Sorry", „Try" und „Miles Apart" vertreten, die auf sehr charmante Weise die Geschichte von problematischen Beziehungen erzählen.

Natürlich nehmen sie ihre Karriere sehr ernst, aber eigentlich machen hier vier Freunde einfach nur Musik. Sie machen Witze und beenden gegenseitig ihre Sätze. Man merkt, dass sie froh sind, sich zu haben und sich nicht alleine durch den Musik Dschungel kämpfen zu müssen. In ihren Musikvideos fahren sie durch die Gegend und hängen am Strand bei Lagerfeuern ab. Im Sommer sind sie auf US-Tour sowie auf diversen Festivals, unter anderem auf dem Melt! Festival am 15. Juli, zu sehen. Wenn du die Chance hast, sie live zu erleben, dann tue dir den Gefallen. Sie sind authentisch. Sie wirken ein bisschen reserviert (wie man das eben im Norden ist), sind höflich, bescheiden—und sehr talentiert. Man möchte mit ihnen einfach zusammen am Strand nachts beim Lagerfeuer abhängen und ihnen beim Singen lauschen.

Wir haben sie vor ihrem Auftritt im Rahmen des The Great Escape-Festivals in Brighton getroffen und mit ihnen über die dänische Musikszene gesprochen. Es ist windig und Villads, der aus Versehen seinen Koffer am Flughafen in Stockholm vergessen hat, ist kalt. Unser Gespräch wird mehrmals von sehr lauten Möwen und Jazz-Piano-Sounds aus einer nahen Bar untermalt. „Das ist eine komische Stadt", sagt Tobias. „Sie erinnert mich an ein Computerspiel oder so was." Wie Rollercoaster Tycoon? „Ja, genau!".

Euch gibt es als Band schon ein paar Jahre. Welcher fiktionalen Crew ähnelt ihr eurer Meinung nach am meisten?
Vilhelm: Vielleicht einer Cartoonserie aus den 90ern? Mir fällt gerade der Name nicht ein.
Tobias: Ed, Edd n Eddy?
Vilhelm: So was in der Art, aber nicht die. Die nerven einfach nur.

Erinnert ihr euch an die Bikermaus vom Mars? Die war gepierct und ihre einzige Beschäftigung war es, cool zu sein.
Villads: Ja! Das war eine gute Fernsehserie, vielleicht so wie die.
Tobias: Wir haben sogar eine paar Motorräder.

Wie passt Liss in die dänische Musikszene?
Vilhelm: Eher schwierig die Frage.
Villads: Es gibt viel Punk und Rock.
Vilhelm: Besonders in Aarhus. Da gibt es eine Underground-Rockszene. Wir geben an denselben Orten Konzerte.
Søren: Ja, wir sind Teil von allem, aber auf eine komische Art und Weise, weil wir was machen, was nicht so üblich ist.
Tobias: Genau. Der Vibe unserer Band ähnelt der Einstellung der Punkszene: Wir geben nicht vor, etwas zu sein, was wir nicht sind. Wir spielen einfach Musik und hängen mit unseren Freunden ab, wie andere Bands eben auch.
Vilhelm: Aber ich glaube, dass die anderen Bands nicht wissen, wie sie mit uns umgehen sollen.

Wie denkt ihr, dass sie euch sehen?
Søren: Mainstream. Ich glaube, die Dudes in der Punkszene glauben, dass wir uns verkauft haben.
Tobias: Wir haben uns gar nicht verändert, also können wir uns gar nicht verkauft haben.
Vilhelm: Ich glaube einfach, dass sie eifersüchtig sind.
Villads: Wir werden oft im Radio in Dänemark gespielt, was selten ist.

Ist es euch wichtig, was die anderen in der Szene von euch denken?
Villads: Viele von denen sind unsere Freunde und uns ist wichtig, was unsere Freunde von uns denken.
Vilhelm: Es wäre zu einfach, zu sagen, dass uns das egal ist, aber natürlich ist uns das nicht egal.
Søren: Darüber haben wir noch nicht wirklich nachgedacht, aber das werden wir jetzt tun. Danke dafür!

Wer ist eurer Meinung nach die beste Boyband aller Zeiten?
Søren: Die Beatles. Das ist eine einfache Frage.

Und eine ziemlich gute Antwort. Ihr produziert den größten Teil eurer Musik selbst, aber manchmal holt ihr euch Unterstützung durch einen externen Produzenten. Als ihr angefangen habt, hattet ihr da schon einen Sound im Kopf?
Villads: Ganz am Anfang haben nur im Proberaum gespielt. Dann kam die Bassgitarre, die Synths und die Vocals dazu. Da war es gleich klar, wie wir klingen wollten. Wir wussten anfangs nicht mal, was ein Produzent ist. Wir waren so wie „Mmmh, vielleicht kann der Typ die Musik abmischen und sie besser klingen lassen?".

Kennt ihr Dev Hynes? Es gibt definitiv Ähnlichkeiten.
Søren: Wir hören alle seine Musik. Sie ist sehr 80er.

Die waren noch vor eurer Zeit! Was wisst ihr jetzt, was ihr aber mit 16 unbedingt schon wissen wolltet?
Villads: Mit 16 wollte ich auf die Musikschule, um zu lernen, wie man ein besserer Bassist wird. Ich weiß jetzt, dass das überhaupt nicht wichtig ist, weil ich einfach Musik machen will. Ich will kein technisch perfekter Musiker sein. Das finde ich nicht wichtig. Es wird Leute geben, die das anders sehen.

Seid ihr vor Auftritten immer noch nervös?
Tobias: Natürlich! Aber nicht mehr ganz so extrem. Früher war es so, dass ich den ganzen Tag vor einem Auftritt nervös war. Mittlerweile hat es sich auf die Stunde davor reduziert. Es wird besser.

Wer sind eure Fans?
Alle: Mütter!

Ihr arbeitet gerade an eurer zweiten EP. Wird die ähnlich klingen?
Vilhelm: Ich höre schon eine Entwicklung. Es klingt schon nach uns, aber ein bisschen anders.
Tobias: Eine Freundin von mir hat einen der Songs gehört und mir gesagt, dass sie nicht glaubt hat, dass das ein Liss-Song ist.

An welchem Traum erinnert ihr euch noch?
Villads: Ich träume oft von unseren Outfits, weil die immer eine Katastrophe sind.

Hört sich so an, als ob du davon heute schon was verloren hast.
Villads: Ich träume auch immer davon, dass wir die Outfits verlieren.
Vilhelm: Ich habe davon geträumt, wie wir auf der Mainstage vom Rokskilde-Festival spielen sollten und vergessen haben, vorher zu proben! Wir wollten auf die Bühne und dann fiel uns ein, dass wir überhaupt nichts vorbereitet haben.
Søren: Ich träume auch immer von Konzerten. Ich wusste einmal nicht, was ich singen soll und hab einfach For once in my life, I have someone angestimmt. Die Jungs sind eingestiegen und haben mitgesungen.

Und was macht ihr, wenn so eine Situation mal wirklich eintritt?
Søren: Sich einfach was ausdenken oder das Publikum dafür verantwortlich machen.

@LISS

Credits


Text: Francesca Dunn