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die oscar-verleihung oder auch „white people’s choice awards“

Die #oscarssowhite-Debatte dominierte auf dem roten Teppich und auf der Bühne.

von i-D Staff
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29 Februar 2016, 9:50am

Kerry Washington is confident future Oscars will be more inclusive. Photo via Instagram

In Gesprächen und Dankesreden dominierte ein Thema bei den 88. Academy Awards: #oscarssowhite. Den Anfang machte ABC-Moderator Robin Roberts, als er Kerry Washington über ihre Meinung zu Vielfalt in Hollywood fragte.

Die Schauspielerin, die vor allem aus der Fernsehserie Scandal bekannt ist, antwortete: „Wenn man sich die Geschichten von Bewegungen anschaut, die Geschichte von gesellschaftlichen Veränderungen, dann waren daran immer viele Stimmen beteiligt. Deshalb hege ich für diejenigen, die heute Abend nicht hier sind, tiefen Respekt und bewundere sie. Ich verstehe sie total. Aber ich für meinen Teil denke, dass es besser ist, wenn ich vor Ort bin. Als neues Mitglied der Academy möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass es wirklich institutionelle Änderungen gibt, damit wir nie wieder so etwas erleben müssen wie dieses Jahr." Es geht dabei nicht ausschließlich um die Hautfarbe: „Es geht um Frauen, es geht um People of Color, es geht um das Alter; es geht darum, dass unsere Filme und Filmpreise die gesamte Menschheit abbilden."

Louis Gosset junior, der 1982 einen Oscar für seine Rolle in Ein Offizier und ein Gentleman gewann, sagte auf dem roten Teppich: „Wir werden das gelobte Land nicht erreichen, wenn wir uns nicht als Teil derselben Familie betrachten. Schwarze, Latinos als Teil derselben Familie. Das ist Amerika."

Comedian Chris Rock führte dieses Jahr durch die Preisverleihung und sprach die ausschließliche Dominanz von weißen Schauspielern bei den Nominierungen den ganzen Abend über an. Er nannte die Oscars „white people's choice awards".

Er beschönigte nichts: „Leute haben mich aufgefordert, den Job nicht zu machen, und ich habe darüber nachgemacht. Dann kam mir aber der Gedanke, dass die Oscars trotzdem stattfinden werden, ob nun mit mir oder ohne mich. Wieso boykottieren wir ausgerechnet diese Oscars? Es ist die 88. Preisverleihung. Dass keine Schwarzen nominiert sind, gab es ungefähr schon 77 Mal davor. Die Sache ist, dass wir wichtigere Dinge zu tun hatten, als in den letzten Jahren zu protestieren. Wir wurden vergewaltigt und gelyncht, uns hat nicht interessiert, wer den Oscar für die beste Kameraarbeit gewonnen hat."

Nachdem der Gewinner des Oscars für das beste Produktionsdesign, Colin Gibson für Mad Max: Fury Road, die Nationalitäten der Filmcrew aufzählte—Australier, Amerikaner, Südafrikaner und Namibier—, sagte er: „Dieser Oscar ist der erste Gewinn für Vielfalt heute Abend."

Ein Witz über das Thema zündete nicht so wirklich. Im Segment „Black History Month Minute", moderiert von Angela Bassett, wurde so getan, als ob Will Smith geehrt werden würde und dann erschien … Jack Black.

Comedian Kevin Hart hatte auf der Bühne seinen Moment, als er sagte: „Ich möchte den Moment nutzen und schwarze Schauspieler und Schauspielerinnen für ihre Leistungen im letzten Jahr danken. Bald wird es bei den Oscars eine größere Vielfalt geben und das wird alles hinter uns liegen."

Sasha Baron Cohen lieferte als Ali G mit seinem typischen Cockney-trifft-auf-Rastafari-Akzent einen willkommenen, lustigen Auftritt.

Der mexikanische Regisseur Alejandro Gonzàles Inarritu, der für The Revenant den Oscar für die beste Regie mit nach Hause nahm, spielte ebenfalls in seine Dankesrede das beherrschende Thema der diesjährigen Oscars an: „Im Film gibt es diesen Satz, dass sie dich nicht hören, sondern nur deine Hautfarbe sehen. Unsere Generation hat jedoch die Chance, Rassismus zu beenden."

Leonardo DiCaprio, der endlich den Oscars als bester Schauspieler für seine Rolle in The Revenant gewann, sprach in seiner Dankesrede über Umweltschutz: „Der Klimawandel ist echt. Wir können es nicht länger aufschieben, sondern wir müssen jetzt etwas für die Ureinwohner, für die Unterprivilegierten tun, die vom Klimawandel unverhältnismäßig hart betroffen sein werden. Lasst uns, unsere Erde nicht für selbstverständlich erachten."

Die 88. Oscar-Verleihung war lebendig und positiv. Man hatte das Gefühl, dass in einer engen, aber in Lagern zersplitterten Familie endlich über die Probleme, die sonst immer unter den Teppich gekehrt werden, gesprochen wird. Von den Comedians bis zur Präsidentin der Academy sagten alle, dass sich etwas in der Entertainmentindustrie ändern muss. 

Zum Schluss sagte Moderator Chris Rock: „Ich möchte euch alle zu den B.E.T Awards diesen Sommer einladen … black lives matter!"

Credits


Text: Laura Vogel
Foto via Instagram

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