hedi slimanes 81-Jährige muse, die keine sein wollte

Wir haben uns mit Billy Al Bengston, dem Maler und ehemaligen professionellen Motorradfahrer, der Saint Laurents jüngste Kollektion inspirierte, unterhalten.

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Juli 31 2015, 8:59am

In letzter Zeit blickt die Modewelt immer wieder erstaunt in Richtung amerikanische Westküste. Rick Owens eröffnet seinen ersten Store in Südkalifornien „auf einem schäbigen Abschnitt der La Brea Avenue", Nicolas Ghesquiere brachte die Louis Vuitton Cruise-Kollektion von Paris nach Palm Springs und Jeremy Scott leitet Moschino von den Hollywood Hills aus. Aber es ist wohl kein Designer mehr in L.A. zu Hause als Hedi Slimane.

Seit er 2012 das Zepter bei Saint Laurent übernahm, hat der Franzose der Couture der Marke ein bisschen kalifornische Coolness eingehaucht. Er verlegte das Headquarter von Paris ins südkalifornische Epizentrum, durchkämmte die subkulturellen Szenen der Stadt nach aufregenden, jugendlichen Talenten und machte aus den DIY-Punkbands Cherry Glazerr und The Garden Kampagnenstars. Hedi zollte auch der prächtigen Kunstgeschichte der Stadt seinen Tribut. Die Autumn / Winter 14 Womenswear-Kollektion enthielt Anspielungen auf John Baldessari in der Form von glitzernden Kleidern, die von Grace Hartzel und Edie Campbell präsentiert wurden. Diese Saison war der Maler, Bildhauer und Badboy Billy Al Bengston der Star. Seine Arbeiten dienten als Inspiration für Jacken, Knöpfe, Aufnäher und mehr.

PUERTO DEL CIELO, 1991. Acrylic on silkscreen, 13 1/2 x 30in.

Obwohl Billy in Dodge City, Kansas, zur Welt kam und aufwuchs, ist er durch und durch ein Kalifornier. Im Sommer 1944 kam er erstmals in den Golden State und ließ sich dort vier Jahre später nieder. Neben dem Studium an verschiedenen Kunstunis in L.A., surfte er zu einer Zeit, in der es noch keine Neoprenanzüge gab, war professioneller Motorradfahrer und machte andere Gelegenheitsjobs.

Man kann gut verstehen, weshalb Hedi vom Werk des mittlerweile 81-Jährigen so angetan ist. Billys Gemälde setzen sich intensiv mit seiner Verbindung zur Surf- und Motorradkultur auseinander. Viele seiner Arbeiten enthalten industrielle Materialien wie Aluminium direkt von Douglas Aircraft. Seine Techniken schaute er sich von den Produktionsmethoden von Motorradtanks und Surfbrettern ab. Aber in Billys Händen werden Sprayfarbenspritzer zu überwältigenden Flugzeugen am Himmel. 

HONOLULU WATERCOLOR, 1991. Watercolor on paper, 31 x 30in.

„Als ich jung war, hatte ich ein Ziel vor Augen", sagte mir Billy um vier Uhr früh übers Telefon, als er sich gerade in Honolulu befand und auf den Ozean hinausblickte, den er als „dunkel wie das Innere eines Kuhmagens" beschrieb. Seine ersten Shows fanden in der geschichtenumwobenen Ferus Gallery statt, wo Warhol vier Jahre nach Billys Debüt auch zeigte. 1967 erhielt er Förderungen der National Endowment for the Arts und 1975 der Guggenheim Foundation.

1962, mit 28 Jahren, packte Billy gerade seine Sachen nach einer erfolgreichen Einzelausstellung in der New Yorker Martha Jackson Gallery zusammen, als die renommierte Kunsthändlerin ihn dazu ermutigte, in der Stadt zu bleiben—sie würde ihm ein Studio kaufen und seinen Arbeiten zu Erfolg verhelfen. „Ich antwortete: ‚Was habe ich von Ruhm? Ich möchte nicht berühmt sein, ich möchte respektiert werden. In Kalifornien habe ich einen Sponsor, um professionell Motorradfahren zu können, ich kann surfen gehen und meine Freunde in der Kunstwelt bewundern meine Arbeit.'" Und damit hatte er recht. Sechs Jahre später schaffe es eine seiner Einzelausstellungen vom Los Angeles County Museum of Art in die Corcoran Gallery in Washington, D.C. und Ed Ruscha war für das Katalogdesign zuständig. 

UNTITLED, 1978. Acrylic on board, 2 x 4in.

Obwohl Billys direkte Zusammenarbeit mit dem Team von Saint Laurent sehr beschränkt war—„Ich bin sehr faul"—, fand trotzdem einige kuratorische Arbeit statt. „Hedi Slimane ist einer, der zupackt, soweit ich das beurteilen kann." Sein Galerist, Samuel Freeman, und seine Frau Wendy halfen Hedi, Billys Gemälde zu lebendigen Prints auf Bomberjacken, Blumenkleidern und Lederjacken zu übersetzen. Billy selbst ist jedoch mit der Marke vertraut: „Ich muss zugeben, ich kaufte mir einen Saint Laurent-Anzug, als ich jung war, mir solche Dinge wichtig waren und ich noch eine Größe 28 trug! Ich fand Saint Laurent großartig, die Mode vor 25 oder 30 Jahren war verdammt gut."

As wir über Donald Trumps versteckte Glatze und der Mangel an solidem, mexikanischen Essen in Hawaii sprachen, wird deutlich, dass sich Billy nicht im geringsten davon beeindrucken lässt, von einem der hellsten Sternchen am Modehimmel gefeiert zu werden. „Es ist interessant, weil ich immer versucht habe, jegliche Bekanntheit weitestgehend zu vermeiden, und jetzt plötzlich bin ich ein halber Star", lachte er.

billyalbengston.com

APRIL WATERCOLOR 12:12:03, 1997. Watercolor on paper, 12 1/2 x 30in.

Credits


Text: Emily Manning
Kunst © Billy Al Bengston, Images courtesy of the artist an Samuel Freeman Gallery, Venice, CA & Honolulu
Kunstwerk im Lead: LOLI DRACULAS, 1982. Silkscreen, 30 x 25in.
Laufstegfotos: Mitchell Sams