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Cottweiler ist für Herbst/Winter 2018 zum Mittelpunkt der Erde gereist

Das Londoner Duo gehört zu den Highlights der Londoner Männermode-Woche.

von Felix Petty; Fotos von Mitchell Sams
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Jan. 8 2018, 10:31am

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Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Die große Frage am ersten Tag der London Fashion Week Men's für Herbst/Winter 2018 lautete: Wie geht es für die Londoner Männermode-Woche weiter? Die meisten großen Namen und Werbekunden blieben dem dreitägigen Event dieses Jahr fern. Kein Burberry, kein Vivienne Westwood, kein J.W. Anderson, keine Martine Rose und kein Christopher Shannon. Dafür konnten die verbliebenen Namen heller strahlen. Während der erste Vormittag noch etwas leise und monoton wirkte, zeigten am Abend mit Liam Hodges und Cottweiler zwei Labels, was die britische Menswear am besten kann: die Energie der Subkulturen einfangen. Übersetzt wurde das in tragbare und dennoch konzeptionelle Looks, die voller Ideen stecken.


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Ganz besonders gilt das momentan für das Label Cottweiler, das den Zeitgeist perfekt einfängt. Die Designer, die hinter dem jungen Kult-Label stehen – Ben Cottrell und Matthew Daintly – haben letztes Jahr auf der Pitti ihre Kollab mit Reebok präsentiert und den angesehenen Woolmark-Preis gewonnen. In den letzten zwölf Monaten hat es die Brand geschafft, begeisterte Kunden auch jenseits der eingeschworenen Fans der ersten Stunde zu begeistern.

Liam Hodges

Die Fashionshow für Herbst/Winter 2018 fand im Natural History Museum in London statt und wecke damit nicht zufällig Assoziationen an den Film Nachts im Museum. Das berühmte Museum wurde dafür extra bereits am Abend geschlossen und versprühte eine gespenstische Leere. Die Besucher wurden durch das verlassene Foyer gelotst, vorbei an einem Dinosaurier-Skelett, das lange Schatten an die Wand und die abgedeckten Schaukästen warf. Der Catwalk bestand aus einem langen, schmalen Gang mit schwach beleuchteten Fossilien, Muscheln, Kristallen und Steinen aus dem Innersten der Erde. Man musste schon sehr nah am Laufsteg sitzen, um die Kollektion bestaunen zu können. Die Models liefen schnellen Schrittes durch den schwach ausgeleuchteten Raum. Den Soundtrack steuerten Palmistry und Kamixlo bei, die mit dem bass- und beatslastigen Set, inklusive prähistorischen Folklore, auch musikalisch das Thema umsetzten.

Bei Cottweiler – das Label ist für seinen synthetischen Futurismus, seine frühe Zusammenarbeit mit der digitalen Kunstszene und dem Thema einer urbanen Dystopie bekannt geworden – ging es schon immer um die Zwischenräume, in der die Natur und der Mensch aufeinanderprallen. "Wir erkunden den Raum, in dem sich die Zukunft, Technologie und Natur überschneiden", erklärten die Designer backstage.

Für die Herbst-/Winterkollektion 2018 haben sie sich weniger aufs Menschliche in dieser Gleichung konzentriert, sondern mehr darauf, was unterhalb der Erdoberfläche passiert. Dazu wurden Ben Cottrell und Matthew Daintly durch einen Urlaub in Osteuropa inspiriert. Herausgekommen ist dabei ein Materialmix aus synthetischen Fasern, Merino-Wolle, handverarbeitetem Leder und bedruckter Seide. Mit dem reichen Materialmix und dem Layering bewegen sie sich weg vom Minimalismus vergangener Kollektionen. Die Prints sind ursprünglich Fotografien gewesen, die das Duo auf ihrem Trip durch den Osten Europas geschossen hat, und auf der Seide nun zu abstrakten Mustern wurden. Auch die Farbpalette – leuchtendes, sattes Grün kombiniert mit kräftigen Grau- und Schwarz-Tönen – spiegelt das wider.

"Wir haben immer wieder neue Materialien ausprobiert und waren sehr technisch", erklärt Ben. "Diese Saison wollten wir nur natürliche Fasern verwenden. Das ist auch durch unsere Zusammenarbeit mit Woolmark entstanden. Wir haben uns in den letzten sechs Monaten sehr intensiv mit den Möglichkeiten von Wolle beschäftigt und uns war es wichtig, dass unsere Ergebnisse nicht zu sofort zu sehen sind. Wir waren in den letzten Kollektionen sehr minimalistisch. Jetzt geht es uns mehr um die Struktur, ums Layering und um mehr Luxus."