Fotos: Dudi Hasson

Von Sudan bis Tel Aviv: Die bewegende Geschichte einer geflüchteten Familie

Alan und seine Brüder sind Geflüchtete aus dem Sudan, die versuchen, ein neues Leben in einem neuen Land aufzubauen. Fotograf Dudi Hasson hat sich dabei begeleitet

von Clementine de Pressigny
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13 Dezember 2018, 9:13am

Fotos: Dudi Hasson

Als er gerade einmal fünf Jahre alt war, musste Alan Godin zusammen mit seinen Eltern einen gefährlichen Weg auf sich nehmen – sie flüchteten vor dem zweiten Bürgerkrieg in ihrem Land, Sudan. Schließlich landeten sie in Israel, wo später seine jüngeren Brüder Jock, Ashol und Yonantan geboren wurden. "Ich möchte, dass diese Fotos ihren Zusammenhalt in der Familie stärken und andere ihre Träume und Hoffnung auf einen sicheren Ort miterleben", erklärt Dudi Hasson, der die Fünf am Strand in Tel Aviv fotografiert hat. "Geflüchtete haben in Israel keinerlei Rechte, die Regierung will sie nicht anerkennen. Wenn sie krank werden, können sie nicht zum Arzt gehen. Und in jeder Sekunde müssen sie mit der Gefahr rechnen, plötzlich zurück in das Land geschickt zu werden, aus dem sie kamen. Alans Vater musste bereits zurückkehren."

Wir haben mit dem 18-jährigen Alen über die Schwierigkeiten, denen er und seine Familie ausgesetzt sind gesprochen.

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Kannst du dich noch daran erinnern, wie ihr nach Israel gekommen seid?
Ich war viel zu jung, als dass ich mich im Detail daran erinnern könnte. Ich weiß aber noch, dass wir viele Stunden gelaufen und auf dem Weg immer wieder in unterschiedliche Fahrzeuge gestiegen sind. Zum Glück wurde ich die ganze Zeit getragen. Wir musste so viele Länder durchqueren – vom Sudan, nach Äthiopien, Ägypten und dann kam Israel.

Wie ist dein Leben in Tel Aviv heute?
Ich habe vorher in einem Kibbutz gelebt, wurde dort aber nicht wirklich willkommen geheißen. Sie behandelten mich sehr schlecht, vielleicht weil ich anders war. Heute lebe ich im Süden von Tel Aviv. Die meisten meiner Freunde sind auch aus Afrika. In dieser Gegend fühlt es sich nicht an, als wären wir in Israel – es fühlt sich so an wie ein Zuhause.

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Erzählen eure Eltern manchmal von eurem Leben im Sudan?
Meine Mutter spricht nicht wirklich darüber. Es ist sehr schwer für sie. Ihr ist es lieber, wenn wir unsere Vergangenheit nicht erwähnen und einfach verschweigen, was wir dort erlebt haben. Sie hat einen optimistischeren Blick auf das Leben im Hier und Jetzt.

Hast du schon einen Plan, wie es jetzt nach der Schule weitergehen soll?
Am liebsten wäre ich professioneller Basketballspieler. Das mit dem Modeln ist eher zufällig passiert und ist nichts, für das ich mich bewusst entschieden hätte. Aber trotzdem werde ich mich darauf in der nächsten Zeit stärker konzentrieren und schauen, wie es sich entwickelt. Ich möchte weiterkommen und im Ausland für internationale Kampagnen fotografiert werden.

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Kannst du mit deinem Refugee-Status "normal" arbeiten gehen?
Das ist wirklich kompliziert. Jedes Mal muss ich eine Arbeitslizenz beantragen, was ein ziemlich langer Prozess ist. Dadurch kann ich auch keinen festen Lohn beziehen.

Was ist dein größter Wunsch für die Zukunft?
Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal Rechte in meinem Land bekomme und mir medizinische Pflege zustünde. Einmal habe ich zehn Stunden gewartet, bis sich jemand um meinen gebrochenen Finger gekümmert hat. Ich möchte mir gerne eine Zukunft aufbauen, egal in welchem Land, Hauptsache es akzeptiert mich – obwohl ich Israel natürlich liebe.

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Credits


Fotos: Dudi Hasson
Mit besonderem Dank an Alan Godin, Jock Godin, Ashol Godin und Yonantan Godin

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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