Dieser Fotograf dokumentiert junge Kreative in ihren Schlafzimmern

Von selbstgestochenen Tattoos über Boys in Drag und nackte Pärchen: das alles versammelt Poem Bakers in seiner neuen Fotoserie "Hymns From the Bedroom", aus der wir dir eine Auswahl zeigen.

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Okt. 18 2017, 9:40am

Der in London lebende Fotograf Poem Baker hat ein Auge für das Coole. Seine Motive sind tätowiert, genderfluid und strahlen pure Lebensfreude aus. Für seine Fotoserie Hymns From the Bedroom hat er junge Kreative in ihren Safe Spaces besucht und dokumentiert. Zu sehen sind intime Momente von Jugendlichen, wie sie sich für Partys zurechtmachen und die junge Liebe. In den Fotografien von Poem wird die Kreativität und das Selbstbewusstsein der heutigen Generation sichtbar. Eine der stärksten Aufnahmen daraus ist das Bild von zwei Männern im Bett, die uns mit ihrem direkten Blick in den Bann ziehen.


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"Sie lassen mich in ihre Welt eintauchen", erklärt der Fotograf seinen Zugang und interessanten Mix aus Freunden und zufälligen Bekanntschaften. "Die Leute waren damit einverstanden, so ehrlich und intim fotografiert zu werden", erklärt Poem. Für die Fotoserie hat er fünf Jahre lange immer wieder dieselben Leute fotografiert, um aus "ihren Leben, Kämpfen und Beziehungen" ein visuelles Tagebuch zu erschaffen. Hymns From the Bedroom ist ein fesselndes Porträt junger Erwachsener und zeigt ihre Entwicklung zu den Menschen, die sie heute sind. "Das Projekt hat mich als Fotograf geprägt", sagt Poem. "Ich habe dabei gelernt, dass die besten Fotografien entstehen, wenn du nicht schüchtern bist und das fotografierst, was du willst — offen und ehrlich." Wir wollten mehr über Poems Ansatz erfahren und haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Welches Shooting hat dich am meisten bewegt?
Das auf einem Roadtrip durch die USA. Ich war auf meinem Hotelzimmer in San Francisco. Mit dabei waren meine Freundin Stef aus Sydney und ihre damalige Partnerin, eine Stripperin aus Brooklyn. Sie haben beide eine schwierige Zeit durchgemacht, als das Porträt von ihnen entstanden ist, sie mussten sich wegen eines ablaufenden Visums trennen. Sie waren auf ihrem Hotelzimmer und haben mich gebeten, dass ich mit meiner Kamera vorbei komme, weil sie ein intimes Porträt von sich haben wollten. Das Bild gehört auch zu meinen Lieblingen.

Wie lernst du die Leute kennen?
Manchmal auf der Straße, manchmal auf Partys und oft durch Freunde. Ich habe sogar mal eine Person auf der Bank getroffen. Ich glaube, ich habe ein gutes Auge, um die außergewöhnlichen Menschen zu finden, die über das gewisse Etwas verfügen.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe jahrelang im Theater gearbeitet, aber die Arbeit hat geschlaucht und war eintönig. Ich konnte nicht so kreativ sein, wie ich wollte. Dann habe ich mir eine Kamera geschnappt und wusste gleich, dass es das ist, was ich machen wollte. Das war vor ungefähr sechs Jahren. Das Tolle an der Fotografie ist, dass du deine Kreativität sofort umsetzen kannst. Ich kann rausgehen, etwas selbst machen und bin nicht auf andere angewiesen, damit es klappt. Außerdem lerne ich durch meine Arbeit neue Menschen kennen, die ich sonst nie getroffen hätte.

Wie hat dich die Kreativszene in London verändert?
Ich liebe es, hier zu leben! Wenn ich in einer anderen Stadt leben würde, wäre es schwieriger, die Fotos umzusetzen. London hat mir gebracht, mein eigenes Ding zu machen.

Woran arbeitest du im Moment?
Ich habe viele kreative Freunde, die Partys und Raves organisieren. Die möchte ich fotografieren. Und neulich habe ich Goths abgelichtet. Diese Subkultur möchte ich noch besser verstehen.

poembaker.co.uk

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.