Links: Barbi Billionz, Atlanta, GA 2019. Rechts: Cleo and her son Andy, Stone Mountain, GA 2019. 

Hinter den Kulissen des legendären Strip Club 'Magic City'

"Ich sehe diese Frauen als wichtigen Teil der HipHop-Szene in Atlanta. Nicht durch die Augen eines Mannes, sondern durch die einer Frau." - Hajar Benjida

von Lianne Kersten
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16 August 2019, 10:05am

Links: Barbi Billionz, Atlanta, GA 2019. Rechts: Cleo and her son Andy, Stone Mountain, GA 2019. 

Vielleicht ist Magic City in Atlanta der berüchtigste Strip Club aller Zeiten – zumindest wenn man darauf schaut, wie häufig Rapper wie Drake und Future den Namen in ihren Songs droppen. Alle Menschen, die irgendwas mit HipHop am Hut haben, wissen, dass Magic City mehr ist als ein konventioneller Strip Club. Er spielt eine wichtige Rolle in der lokalen Szene, ist ein Treffpunkt für aufstrebende Produzent_innen, Rapper_innen, Promoter_innen und Talent Scouts. Ein Ort, an den Künstler_innen wie Cardi B und Offset immer noch zum Feiern kommen. Als Newcomer_in willst du, dass deine Musik genau hier gespielt wird und diesen einflussreichen Menschen zu Ohren kommt. Aber: Wenn die Tänzerinnen die Nummer nicht fühlen und das Publikum die Scheine bei sich behält, werden die Songs für immer verbannt. Regnet es dagegen Geld, stehen die Chancen gut, dass es ein Hit wird, im Club und darüber hinaus. Auch für die Tänzerinnen kann Magic City ein Sprungbrett sein für ihre Kariere in der Entertainment-Industrie.

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XTC ganz in Blau gekleidet als Tribut an Nipsey Hussle kurz nach seinem Tod, Atlanta, GA 2019.

Es war besonders die einflussreiche Roller der Tänzerinnen, die die Fotografin Hajar Benjida so faszinierte. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Porträt-Fotografie und Backstage-Polaroids großer HipHop-Stars. Es hat nicht lange gedauert, bis sie zum Mittagessen im Magic City landete, schließlich war sie für ein Foto-Praktikum in Atlanta und das Studio nur ein paar Schritte vom Strip Club entfernt. Sie freundete sich mit der "Hausmutter" Ms. Elaine an, die schon seit 30 Jahren in dem Club arbeitet. Sie war diejenige, die Benjida die Tänzerinnen vorstellte. Die junge Fotografin entschied sich dazu, nach ihrem Praktikum wiederzukommen – und dieses Mal mit einer Kamera. Benjida verbrachte einige Wochen mit den Tänzerinnen, fotografierte sie bei Tag und Nacht, porträtierte sie in ihrer vertrauten Umgebung: im Club, in den Umkleideräumen und zu Hause. Magic City war der Anfang ihres fortlaufenden Projekts Atlanta Made Us Famous, in dem sie Tänzerinnen aus verschiedenen Strip Clubs in Atlanta dokumentiert.

"Ich sehe diese Frauen als wichtigen Teil der HipHop-Szene in Atlanta. Indem ich sie fotografiere, zeige ich die andere Seite der Stadt. Nicht durch die Augen eines Mannes, wie es so oft der Fall ist in dieser Szene, sondern durch die einer Frau", sagt Benjida am Telefon. "Außerdem werden Sex Worker im Mainstream-Feminismus immer noch viel zu oft in eine Ecke gedrängt. Die Tänzerinnen sind sich über die Vorurteile in der Gesellschaft bewusst, was manchmal zu einer Distanz zwischen ihnen und der Außenwelt führt. Mit meinen Fotos wollte ich das ändern, ein anderes Narrativ zeigen."

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Charlene, Atlanta, GA 2019.

Benjida möchte im nächsten Jahr zurückkommen und ihre Serie fortführen – sie spricht immer noch viel mit den Tänzerinnen auf Social Media und über Email. "Indem ich die Leben der Tänzerinnen aufzeichne und sie besser kennenlerne, erhoffe ich mir, mehr über sie zu lernen. Über ihre Vision, ihre Sexualität, die Kontrolle über ihr Image, aber auch über die Beziehung zwischen ihrer Arbeit und dem Muttersein", so Benjida. "In erster Linie wollte ich die Frauen in den Mittelpunkt rücken – sie sind die Stars dieser Stadt."

@hajarbenji

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Atlanta, GA 2019.
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Homemaker, Tastemaker, Ass shaker. Stone Mountain, GA 2019.
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Ebony, Atlanta, GA 2019.
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Nunu, Atlanta, GA 2018.

Credits


Fotografie: Hajar Benjida

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der niederländischen Redaktion.

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