Diese Fotografien zeigen die intimsten und merkwürdigsten Momente zweier Schwestern

Turnübungen, liebevolles Kuscheln und ein halb nacktes Durcheinander.

von Sarah Moroz; Fotos von Lucasz Wierzbowski
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02 Mai 2018, 10:04am

Alles in Lukasz Wierzbowskis Bildern fühlt sich verspielt an. Nicht nur seine Motive – die gerne auf Bäume klettern, Kissenschlachten veranstalten und ihre Köpfe in Rollkragenpullovern verstecken –, sondern auch sein Blick auf die Dinge. Farbintensiv und lichtdurchflutet, so lassen sich Lukasz' Arbeiten am besten beschreiben. Kein Wunder, dass Wolfgang Tillmans und Guy Bourdin zu seinen Vorbildern gehören.


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Für die diesjährige Ausgabe des Circulation(s) in Paris – ein Festival, das jungen Fotografie-Talenten aus Europa eine Plattform bietet – gibt uns Lukasz einen Einblick in sein ganz persönliches Familienalbum. Zumindest fühlt es sich danach an, wenn du durch die wunderschön-schräge Serie seiner beiden Nichten scrollst, die tatsächlich genauso alt sind wie er selbst. "Sisters" fängt Turnübungen, liebevolles Kuscheln und ein halb nacktes Durcheinander ein. Eine Hommage an die Weiblichkeit, die an die enge Bindung in Sofia Coppolas Virgin Suicides erinnert (mit einem weniger krankhaften Schicksal, versteht sich).

Wir haben den polnischen Fotografen zum Interview getroffen und herausgefunden, warum merkwürdiges Posieren etwas Großartiges ist.

Wie haben sich deine Bilder seit deinen Anfängen entwickelt?
Es liegt mittlerweile viel Zeit dazwischen. Meine anfängliche Faszination für die Fotografie aus Kindheitstagen ist schnell verflogen, weil ich mich schon immer schnell für andere Dinge begeistern konnte. Ich glaube, dass ich diese Pause gebraucht habe, um zu wachsen und etwas zu finden, das sich gut anfühlt. Die Fotografie habe ich erst dann wieder für mich entdeckt, als ich angefangen habe, Sozialanthropologie zu studieren.

Kommst du aus einer kreativen Familie?
Mein Vater ist Zahnarzt und meine Mutter Näherin. Als Kind durfte ich immer mit künstlichen Zähnen herumspielen und hatte auch meine eigene Nähmaschine. Ich war ein Spätzünder. Meine Schwester ist fast 20 Jahre älter als ich, was sich manchmal ein bisschen merkwürdig angefühlt hat. Generell bin ich ein eher schüchterner Mensch und habe schon immer versucht, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Meine Nichten Anja und Magda lieben es hingegen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

Wie hast du die Fotografie für dich wiederentdeckt?
Als ich mit der Schule fertig war, war ich mir nicht wirklich sicher, was ich als nächstes machen wollte. Deswegen habe ich mich für Zahnmedizin beworben und wurde genommen. Ich wusste zwar, dass es da etwas anderes gab, das ich machen wollte, aber ich war mir nicht wirklich sicher, was genau. Zu dieser Zeit habe ich mich sehr fürs Werbetexten interessiert, also habe ich angefangen, Sozialanthropologie zu studieren. Währenddessen habe ich die Fotografie für mich wiederentdeckt – und nach einer Weile gemerkt, wie sehr es mich erfüllt.

In deinen Fotografien steckt viel Intimität. Fällt es dir schwer, mit jemandem zu arbeiten, den du nicht wirklich kennst?
Wenn ich zum ersten Mal mit jemandem arbeite, lerne ich die Person immer gerne ein bisschen kennen, damit sie sich wohlfühlt. Ich fotografiere immer sehr schnell, deswegen kommt selten Langeweile auf. Was ich aber in jedem Fall vermeide, sind typische Modelposen. Ich mag es lieber, allgemeine Anweisungen zu geben und fange ein, wie meine Motive sie umsetzen – egal wie unbeholfen das aussehen mag.

Würdest du deine Arbeiten als Modefotografie bezeichnen?
Ich suche immer nach etwas Aufregendem, das sich echt anfühlt. Und das passiert für mich vor allem dann, wenn verschiedene Genre aufeinandertreffen. Ich bin kein Fan von polierten Modefotografien, die du oft in Hochglanzmagazinen findest.

"Sisters" von Lukasz Wierzbowski’s kannst du dir noch bis zum 6. Mai auf dem Circulation(s) im CENTQUATRE-Paris anschauen.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.