Fotos über i-D UK / Screenshots von Instagram

Alles, was du über die mysteriöse Dragqueen Hungry wissen musst

"Ich will etwas Einzigartiges erschaffen, das es so noch nicht gibt."

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Aug. 14 2018, 2:26pm

Fotos über i-D UK / Screenshots von Instagram

Hungry kommt eigentlich aus Bayern, lebt aber mittlerweile – Surprise – in Berlin. Bekannt wurde das Club-Kid für seine eigene Drag-Interpretation namens "Distorted Drag". Was das genau bedeutet und wie sich seine eigene Definition von Schönheit manifestiert, hat uns Hungry folgendermaßen erklärt:

Foto: Studio Prokopiou

"Ich war in meiner Kindheit und Jugend immer der Außenseiter. Das exzentrische Thai-Kind in einer größtenteils weißen und katholischen Umgebung in Bayern. Ich habe mich selbst nie als schön empfunden und deswegen versucht, so kreativ wie nur möglich zu sein. Ich habe es geliebt, Dinge mit meinen bloßen Händen zu erschaffen: zeichnen, malen oder nähen.


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Gleich nach meinem Schulabschluss bin ich nach Berlin gezogen, um Modedesign zu studieren. Hier wurde ich endlich akzeptiert und mir wurde bewusst, dass eine Taille und lange Beine zu haben, nicht unbedingt etwas Schlechtes ist. Diese Eigenschaften sind für das, was ich mache, sogar perfekt. Ich habe lange gebraucht, um mich selbst als schön wahrzunehmen. Umso glücklicher bin ich, dass ich es jetzt auch ausleben kann.

Als Kind habe ich Make-up nur in Schultheater-Aufführungen getragen. Ich habe mich schon immer für Performance-Kunst interessiert und schon als Kind Teil von verschiedenen Ensembles. Damals war Gender noch kein Thema – das ist es für mich auch heute nicht. Natürlich akzeptiere ich jede geschlechtliche Identität anderer und verstehe, warum die Gender-Debatte so wichtig ist. Doch für mich persönlich war das nie ein großes Thema.

Als ich Make-up für mich entdeckt habe, ging es mir weniger um die Drag-Kultur, sondern um die Club-Kultur. Durch Bücher wie Disco Bloodbath und Freak Show von James St. James und Filme wie Party Monster konnte ich nicht genug davon bekommen.

Die Figur Hungry wurde geboren, als mich meine Freunde zu einem großen Drag-Event in Berlin schleppten. Ich habe die Aufmerksamkeit geliebt. Auch wenn es ein Jahr gedauert hat, bis ich die Form von Drag für mich gefunden habe, mit der ich mich auch in der U-Bahn, außerhalb von Safe Spaces, wohlgefühlt habe.

Am Anfang habe ich mich noch dezent geschminkt, bis ich Farben für mich entdeckte. Ich habe es geliebt, zu übertreiben. Irgendwann kamen androgynen Outfits dazu, die ich während meines Studiums selbst entworfen habe.

Studio Prokopiou

Später bin ich für zwei Praktika bei Aitor Throup und Vivienne Westwood nach London gezogen. In dieser Zeit passierten die größten Veränderungen. In der britischen Hauptstadt gibt es so viele wunderschöne Dragqueens. Das hat mich begreifen lassen, dass ich keinem Schönheitsideal mehr gerecht werden muss. Also habe ich damit angefangen, viel zu experimentieren. Ein Jahr lang habe ich eine Linie im Gesicht getragen, die meine Knochenstruktur hervorgehoben hat. Manchmal habe ich es wie eine Narbe aussehen lassen, an anderen Tagen habe ich sie mit Glitzer oder Perlen bedeckt. Aus der Linie haben sich schnell mehrere Formen entwickelt. Zurück in Berlin habe ich zusätzlich mit Kontaktlinsen experimentiert.


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Ich wollte nie realistisch aussehen – das fand ich nie erstrebenswert. Mich hat die Übertreibung und das Verzerrte mehr angesprochen. Im Gegensatz zur langweiligen Realität in der deutschen Mode- und Drag-Szene wollte ich etwas Dramatischeres und Neues entwickeln. Ich habe mich immer weiter gepusht, um Grenzen zu sprengen und noch schrägere Looks zu entwerfen. Ich will etwas Einzigartiges erschaffen, das es so noch nicht gibt.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.