Hier kommt die nächste Generation an Kreativen

Festgehalten von unserer neuen Lieblingsfotografin Daria Kobayashi Ritch, die uns mit ihren nostalgisch-verträumten Porträts mit in eine andere Welt nimmt.

von J.L. Sirisuk
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27 September 2017, 11:21am

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

Süße Typen und Mädels, vorstädtische Straßen und überall Palmen – Daria Kobayashi Ritch lässt vertraute Motive durch ihre Linse fast wie von einer anderen Welt erscheinen. Ihre Arbeiten haben etwas nostalgisch-romantisches an sich, was daran liegen mag, dass sie als Kind Aquarell-Kurse besucht und später am Venice Beach Porträts gemalt hat. Als Absolventin des Art Center College of Design hat sie ihr Talent für Porträts bei Zeitschriften wie dem Rolling Stone verfeinert, und sich außerdem in die Welt des Films gewagt — erst vor Kurzem hat die Fotografin ihren dritten Kurzfilm mit dem Titel Guppy fertiggestellt.

"Am liebsten shoote ich ganz alleine mit dem Model. Es ist wie eine Freundschaft für einen Tag", sagt Daria über ihre Arbeitsweise. "Manchmal geht es darüber hinaus. Es ist diese merkwürdige Interaktion, bei der man mit einem fremden Menschen sehr intim ist, die mich interessiert." Cole Sprouse, HAIM, Rowan Blanchard, Amandla Stenberg, Sasha Lane, und Kim Gordon sowie ihre Tochter Coco sind nur einige der Persönlichkeiten, die Daria vor ihrer Linse hatte. Mit ihren Arbeiten hat sie bewiesen, dass sie ein Auge dafür hat, die jugendliche Lebendigkeit und Tiefe aus ihren Motiven herauszukitzeln. Wir haben die Fotografin vor Kurzem in New York City getroffen, um mehr über ihre Ästhetik, Herangehensweise und Zukunftspläne zu erfahren.

Erinnerst du dich noch an deine erste Kamera?
Meine erste Kamera war eine Kompaktkamera die ich von meiner Mutter bekommen hatte, aber meine erste professionelle war eine Nikon FM2, die mir mein Vater zum Abschluss der achten Klasse geschenkt hatte. Wir sind damals zusammen zur Venice Promenade gefahren und er hat mir gezeigt, wie man sie benutzt, denn ich hatte damals keine Ahnung, wie sie funktioniert. Also habe ich einfach Porträts von Leuten gemacht, die an der Promenade entlangspaziert sind.


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Deine Bildsprache ist unverwechselbar. Was hat deine Ästhetik am meisten geprägt?
Ich bin in Malibu aufgewachsen, von der Natur umgeben, das hatte also sicher einen großen Einfluss, aber auch die Leute, die in L.A. leben und mit denen ich aufgewachsen bin. Eine Zeit lang haben mich die Musikwelt und allgemein die Jugendkultur in L.A. stark inspiriert. Die Jugend spielt ganz klar eine entscheidende Rolle in meinen Arbeiten.

Was haben die Leute gemeinsam, die dich anziehen?
Es geht um viel mehr als nur um das Aussehen. Jeder hat eine eigene Persönlichkeit, eine Tiefe, und viel zu erzählen. Ich habe einfach immer das Gefühl, dass es bei ihnen viel aufzudecken gibt, und dass sie meistens auch eine verrückte Seite haben. Mich faszinieren Leute, denen es relativ egal ist, was andere über sie denken.

Wie hat sich deine Herangehensweise verändert, seit du mit dem Fotografieren angefangen hast?
Als ich damit begonnen habe, ging es mir darum, mit meinen Fotos eine künstlerische Vision zu erschaffen. Ich habe an der U.C.L.A. bildende Künste studiert, und im Fotolabor gab es eine Labortechnikerin, zu der ich einen guten Draht hatte und die mir damals empfohlen hat, mehr in Richtung Porträt- statt Modefotografie zu gehen. Damals zählten für mich Ästhetik, Mode und hübsche Mädchen. Also hat sie mich dazu überredet, Menschen statt Mode zu fotografieren. Das hat meine Sichtweise auf die Fotografie sehr verändert.

Stimmt es, dass du deinen ersten großen Auftrag über Instagram an Land gezogen hast?
Ich habe mein Portfolio anfangs an all' die kleinen Zeitschriften geschickt, aber kein Glück gehabt, also habe ich meine Arbeiten auch auf Instagram gepostet. Ich weiß nicht mal genau, was der entscheidende Post gewesen ist, aber plötzlich folgte mir die Beauty Redakteurin von Nylon, und da ergriff ich die Gelegenheit und schrieb ihr in einer Nachricht, wie gerne ich mit ihr zusammenarbeiten würde. Mein Wunsch wurde dann auch tatsächlich wahr. Das war also mein erster Job für eine große Zeitschrift.

Du drehst auch Kurzfilme. Und auch dein neuester Film "Guppy" ist genauso verträumt wie deine Fotos.
Er wurde von dem gleichen Regisseur gedreht, der bisher alle meine Filme gemacht hat. Marz Miller hatte damals zufällig für ein Shooting eine andere Kamera ausgeliehen und meinte zu mir "Ich habe noch etwas Zeit, wenn du etwas machen willst." Ich hab rein nach Instinkt und Gefühl entschieden. Ästhetisch gesehen passieren darin viele Dinge auf einmal, aber darüber hinaus war es mir auch sehr wichtig, einen Moment und ein ganz bestimmtes Gefühl einzufangen.

Was würdest du gerne als nächstes machen?
Es wäre fantastisch, wenn mich meine Arbeit noch mehr in andere Länder führen würde. Ich liebe es, zu reisen, weil ich es extrem inspirierend finde, andere Kulturen, Menschen und Lebensstile kennenzulernen. Das kann uns dabei helfen, uns bewusst zu machen, wie ähnlich wir uns im Grunde alle sind, und uns selbst zu verstehen.

@dritch

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