Still aus 120bpm über i-D UK

10 queere Filme, die du dieses Jahr gesehen haben solltest

2018 war für die LGBTQ-Community ein hoffnungsvolles Jahr auf der Kinoleinwand

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11 Dezember 2018, 12:59pm

Still aus 120bpm über i-D UK

Hier sind wir also. Am Ende eines in jeglicher Hinsicht turbulenten Jahres. Und für unsere queeren Lieblingsstars muss es noch aufregender gewesen sein, als sie sich je hätten erträumen können. Nach dem unglaublichen Erfolg von Moonlight und Call Me By Your Name hat das Kino sich hinsichtlich seiner queeren Geschichten gewandelt und ist auf das Bedürfnis der Öffentlichkeit eingegangen, die verschiedenen Facetten von Sexualität auch auf der Leinwand zu zeigen.

2018 ist geprägt von Stories, die mitten ins Herz treffen und die Community konnte endlich lang überfällige Meilensteine zurücklegen. Deswegen wollen wir dir diese zehn Filme nicht vorenthalten, die das Jahr zu dem gemacht haben, was es ist: unvergesslich.

McQueen
Während die Idee, queer und verliebt zu sein, die Handlung vieler anderer Filme auf dieser Liste dominiert, dreht sich hier alles um das kreative Genie Alexander McQueen. Diese unglaubliche Dokumentation von Ian Bonhôte und Peter Ettedgui über das Leben des legendären Modeschöpfers hat uns wohl allen in diesem Sommer das eine oder andere Tränchen in die Augen getrieben. Für alle, die selbst in der Modeindustrie arbeiten und gerne mal an ihr verzweifeln, ist McQueen eine imposante Erinnerung daran, dass es sich lohnt zu kämpfen, um seine revolutionären Ideen umzusetzen. Egal, woher du kommst und welche vermeintlichen Lücken sich in deinem Lebenslauf befinden mögen – du kannst es schaffen. Queerness kann dabei immer ein Katalysator sein, um bahnbrechende Kunst zu kreieren.

Disobedience
Der Oscar-nominierte chilenische Filmemacher Sebastián Lelio hat sich dafür ins Zeug gelegt, sich als Unterstützer der queeren Community im Jahr 2018 einen Namen zu machen – nicht nur einen, gleich zwei Filme hat er der LGBTQ+-Szene gewidmet. Gefilmt in London, erzählt Disobedience die Geschichte von zwei jüdischen Frauen, die sich nach langen Jahren unverhofft wieder treffen und sich in eine konfliktgeladene Romanze stürzen. Mit Rachel Weisz und Rachel McAdams in den Hauptrollen mag es so scheinen, als hätten mal wieder heterosexuelle Schauspieler den Platz homosexueller eingenommen. Trotzdem erzeigen die beiden so eine Leidenschaft und Hingabe, dass man es ihnen nicht übel nehmen kann. Die Geschichte über Religion, Liebe und die feine Grenze, die sich zwischen ihnen befindet, macht diesen Film zu einem der faszinierendsten Werke des Jahres.

Love, Simon
Unsere emotionalen Wunden, die uns Call Me By Your Name zugefügt hat, sind noch nicht einmal ansatzweise verheilt und da kommt schon der nächste nervenaufreibende Film daher. Diese aufwendige Hollywood-Produktion erzählt die Geschichte eines schwulen Schülers, der versucht, seine eigene Identität kennenzulernen, während er sie nach außen hin noch geheim hält. Love, Simon hat es geschafft, die Gefühle unzähliger Kinobesucher in Aufruhe zu bringen und war wohl das erste Beispiel dafür, dass auch Major-Filmstudios eine solche Thematik emphatisch behandeln können. Kritiker lieben ihn, die Community auch. Und auch der Umsatz hat gezeigt, dass Kinobesucher mehr als gewillt waren, einen Film über Queerness abseits kleiner Independent-Kinos zu schauen.

Hearts Beat Loud
Dieser Film war beim diesjährigen Sundance Film Festival ein echter Geheimtipp: Die Musical-Komödie hinterlässt einfach ein gutes Gefühl. Zwei queere Frauen spielen zwei queere Frauen und ihre Beziehung spielt in dem Film nur eine nebensächliche Rolle. Denn eigentlich geht es um einen Vater und seine Tochter, die gemeinsam Musik machen, um nach dem Tod der Mutter wieder zueinander zu finden. Sam, gespielt von Kiersey Clemons, und Rose, alias Sasha Lane, sind darin ein herzerwärmendes Pärchen. Falls du dich also satt gesehen hast an den häufig so trübseligen, queeren Filmen, solltest du diesem Film definitiv eine Chance geben.

A Fantastic Woman
Dieses meisterhafte Drama aus Chile ging in die Geschichte ein, als er Anfang des Jahres bei den Oscars den Preis als Best Foreign Language Feature einheimste – mit einer Trans-Frau als Hauptdarstellerin. Daniela Vega spielt die "Fantastic Woman" Marina, eine Frau, die ihren älteren, cis-gender Freund abgöttisch liebt und deren Sicherheitsnetz langsam zusammenfällt, nachdem er tragisch ums Leben kommt. Ganz allein, mit niemandem, an den sie sich mit ihrer Trauer wenden könnte (nicht einmal die Familie ihres verstorbenen Partners), beleuchtet dieser bestürzende Film die Lebensrealität einer Trans-Frau in Chile – und die einschlagende Erfahrung, wie es ist, eine geliebte Person zu verlieren.

The Wound
Wenn es darum geht, queere Geschichten auf die Leinwand zu bringen, vergessen viele die Relevanz der Umgebung und ihrer spezifischen Umstände. Das südafrikanische Drama The Wound ist stark geprägt von der Wahrnehmung traditioneller Gemeinschaften auf die LGBTQ-Community. In den Bergen von Süd-Afrikas Ostkap wird die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, dessen verbotene Queerness seiner so bedeutenden "Coming of Age"-Zeremonie in die Quere kommt. Es wäre der Moment, in dem ihn seine Xhosa Stammesvorsitzenden in das Erwachsensein überführen würden. Maskulinität und Homosexualität finden noch immer nur selten nebeneinander statt, doch es scheint, als würde John Trengove in seinem Film etwas zu sehr mit der Überschreitung dieser Grenzen spielen. Noch bevor der Film in Südafrika erschien, wurde er als Erwachsenenfilm klassifiziert und befindet sich somit in derselben Liga wie Pornos. Doch der leidenschaftliche Einsatz seines überschäumenden Hauptdarstellers Nakhane konnte die Entscheidung rückgängig machen.

The Miseducation of Cameron Post
Das Jahr 2018 gehörte quasi Desiree Akhavan, die majestätische queere Künstlerin und Filmemacherin, die momentan großes Aufsehen mit ihrer Serie The Bisexual erregt. Doch dürfen wir bei all dem Hype nicht vergessen, dass sie uns in diesem Sommer bereits mit ihrer einwandfreien Adaption des queeren Romans The Miseducation of Cameron Post beehrt hat. Es ist die Geschichte einer Teenagerin, die in ein Therapie-Camp geschickt wird, nachdem sie dabei erwischt wurde, wie sie die Prom Queen küsst. Chloe Grace Moretz läuft in ihrer Hauptrolle zu wahren Höchstleistungen auf und auch i-D Coverstar Sasha Lane zeigt sich von ihrer besten Seite. Es ist ein faszinierender Film über die brillante Rebellion junger, queerer Menschen gegen das Establishment und zeigt, wie sie ihren eigenen Weg finden, um sie selbst sein zu können.

Maurice
In diesem Jahr haben wir endlich einen Film wiederentdeckt, der das queere Kino seit seiner Erscheinung im Jahr 1987 unmittelbar geprägt hat: Maurice. Es ist ein Drama über zwei aristokratische junge Männer, das im England des frühen 20. Jahrhunderts spielt und überhaupt einer der ersten Filme war, der schwule Charaktere mit Empathie und Verständnis einfing. Es ist also keine Überraschung, dass James Ivory, der Regisseur und Drehbuchautor von Call Me By Your Name, dahintersteckt. Doch während das Pfirsich-beglückende Meisterwerk eher scheu und zugeknöpft ist, deckte Maurice die ganze Bandbreite an Sex, Nacktheit und Knutschereien ab. Falls sich Ivory also dazu entscheiden sollte, einen zweiten Teil von Call Me By Your Name zu produzieren, bekommen wir vielleicht endlich die unmissverständliche Liebesgeschichte zu sehen, auf die wir innerlich doch alle immer noch warten.

Touch Me Not
Einige Kritiker fanden Touch Me Not alles andere als gut. Wirklich, der Hass war ganz schön groß. Als der Film dann den Goldenen Bären bei der Berlinale gewann – ein Preis, der zuvor an Spirited Away von Studio Ghibli vergeben wurde – waren sogar diejenigen, die den Film mochten, überrascht von der recht radikalen Entscheidung der Jury. Das Debüt des rumänischen Regisseurs Adina Pintille ist ein Mix aus Fiktion und Realität und handelt von drei Menschen, die die verschiedenen Nuancen von Sexualität erforschen. Sie finden heraus, was wir gewinnen, aber auch opfern müssen, wenn wir mit anderen schlafen. Es geht darin nicht nur um die queere Liebe, sondern der Film beleuchtet auch die Einschränkungen unseres Körpers aufgrund sozialer Konstrukte und Zwänge. Touch Me Not bricht mit eben diesen, legt sie offen und betrachtet jedes Detail in einer faszinierenden, teils unbequemen, aber immer offenbarenden Weise.

120 BPM
Wenn du im Kino sitzt und dir 120 BPM anschaust, kannst du förmlich hören, wie das Herz Hunderter Leute kollektiv bricht. Das Drama des französischen Regisseurs Robin Campillo hat einige Awards für seine herausfordernde Darstellung von der Arbeit der AIDS-Aktivismus-Gruppe ACT UP im Paris der 90er eingeheimst. Aber als es auf die Oscars zuging, schrammte der Film knapp in der Kategorie "Bester ausländischer Film" an der Zielgeraden vorbei. Aber auch ohne goldene Statue war es ein spürbarer Erfolg. 120 BPM zeigt die Schönheit marginalisierter und verfolgter Menschen, deren Community Jahrzehnte lang dämonisiert wurde. Er ist frech und sexy. Er ist all das, was Filme mit dem Thema AIDS bislang nicht geschafft haben – das unbestrittene queere Meisterwerk des Jahres 2018.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.