Diese absurden Fotografien zeigen das Leben in Kleinstadt-Amerika

VonLaura PitcherFotos vonChase Middleton

Die junge Australierin Chase Middleton hat in ihrer Garage mit dem Fotografieren begonnen und ist fasziniert von der Magie abseits der Großstädte.

Chace Middleton lebt seit Wochen ohne Internet und Handyempfang im Haus ihrer Tante und ihres Onkels. Der Festnetzanschluss ist die einzige Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Die Studentin lebt zurückgezogen – das ist vielleicht genau der Grund, warum sie sich ihre Motive jenseits der Hektik der Großstadt sucht. "Ich bin ein Mädchen vom Land und mag amerikanische Kleinstädte, weil ich mich dort zu Hause fühle", sagt die australische Fotografin. "Du kannst dich dort den Dingen tiefer widmen, mit denen du dich sonst nicht so gerne beschäftigst." Chase hat es geschafft, bereits früh ihre eigene Handschrift zu entwickeln, die unbequem und packend zugleich ist.


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Während es viele andere Australier nach New York oder Kalifornien zieht, lebt Chase Middleton in Sharon, eine Kleinstadt mit 3.000 Einwohnern im US-Bundesstaat Connecticut. Und weil die Aufnahmen der jungen Fotografin unglaublich schöne und schräge Kompositionen haben, wollten wir mehr über Chase und ihre seltsame Welt erfahren.

Nostalgia For The Mud.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Das ist etwas peinlich, aber mein Vater mag Fotografie und trinkt gerne. Als ich ein Kind war, waren wir mal essen, es wurde spät und er war angetrunken. Am Morgen danach hat er sich so dafür geschämt, dass wir in ein Geschäft gefahren sind und er mir eine Kamera gekauft hat. Ich war ungefähr acht oder neun Jahre alt. Aus dieser Zeit stammen peinliche Aufnahmen, wie ich in der Garage mein Studio für Shootings aufbaue, um mich selbst zu fotografieren.

Wie wichtig wurde diese Garage für dich?
Ich hatte meine Dunkelkammer in der Garage, als ich eine Teenagerin war. Ich bin nicht gerne zur Schule gegangen und war deswegen kaum da. Sie wollten mich sogar von der Schule schmeißen, weil ich so viele Fehltage hatte. In dieser Zeit war ich entweder in unserer Garage, in meinem Zimmer oder bin mit dem Auto herumgefahren.

Nostalgia For The Mud.

Die Menschen in deinen Fotos sehen teilweise ziemlich schräg aus. Wie bringt man Menschen dazu, so auszusehen?
Oft habe ich das Gefühl, dass mich die Leute auswählen und nicht umgekehrt. Ich gehe in eine Bar in der Stadt und spreche mit jemanden an der Theke, mit dem sich niemand unterhält. Wir kommen ins Gespräch und bauen eine Beziehung auf. Vielleicht schauen sie so unbeholfen auf den Fotografien aus, weil ich mich in ihrer Gegenwart komisch verhalte ...

Nostalgia For The Mud.

Du arbeitest gerade an deiner Fotoserie "Nostalgia for the Mud". Kannst du uns mehr darüber erzählen?
Dafür war ich viel in West Virginia, Connecticut und Rhode Island unterwegs. Ich habe mich in die Bar gesetzt und beobachtet, wer bis zum Schluss bleibt. Mit dieser Person habe ich mich später getroffen und sie fotografiert. Das passiert alles spontan, ich plane es nicht. Was ich bewusst suche, sind Räume und Orte, die mir vertraut vorkommen. Die Farbpalette in den Fotografien ist dadurch immer sehr ähnlich – das hat sich im Laufe der Zeit so entwickelt.

Wie ist die Aufnahme von den Jungs entstanden, die ihre Hände in die Luft reißen?
Ich war zufällig in Rhode Island in einem Restaurant, in dem all die Jungs arbeiten. Eines Tages habe ich sie gefragt, ob es ihnen was ausmachen würde, wenn sie sich fünf Minuten hinsetzen und ihre Hände in die Luft halten könnten. Das haben sie getan.

Terminal Mystery.

Woran arbeitest du im Moment?
Ich lebe gerade bei meiner Tante und meinem Onkel in Connecticut. Das Haus wurde im 18. Jahrhundert gebaut und ist ein bisschen gespenstisch. Es gibt kein Internet, keinen Handyempfang und nur ein altes Festnetztelefon mit Anrufbeantworter. Dieser Ort ist wirklich magisch. Zum Glück wohnt meine Mentorin Laurie Simmons gleich um die Ecke. Wenn ich sie besuche und Internet habe, merke ich, dass ich wirklich nichts verpasse.

Nostalgia For The Mud.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.