Die 2000er waren hässlich – und genau deswegen sollten wir sie feiern

Vor Kurzem wurde ein Museum für eine oft ignorierte und die vielleicht schrecklichste Mode-Ära aller Zeiten eröffnet; nach etlichen Jahren, in denen ihre Einflüsse strikt abgelehnt wurden, werden die frühen 2000er endlich wieder gebührend gefeiert.

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Aug. 10 2017, 10:52am

Im Rahmen der Ausstellung, die in New York eröffnet wurde, haben sich die Künstler Matt Harkins und Viviana Olen (die Genies hinter der Mary Kate und Ashley Olsen Ausstellung) mit den kreativen Köpfen von @PopCultureDiedIn2009 zusammengetan, um "Welcome to Nicole Richie's Memorial BBQ," zu launchen, eine Ausstellung, die durch die Brille von Richies berüchtigter BBQ-Party präsentiert wird, die damals mit Mischa Bartons Einlieferung ins Krankenhaus geendet hat.


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Denn seien wir mal ehrlich: das Comeback von Juicy Couture, die Fila-Kollaboration mit Urban Outfitters und die Wiederauferstehung von Paris Hilton beweisen doch nur, dass wir uns insgeheim nach den frühen Nullerjahren sehnen. Und das sollten wir auch. Hier erklären wir euch, warum wir die Grässlichkeit der 2000er selbstbewusst und so schnell wie möglich feiern sollten.

Velours-Jogginganzüge sind total bequem

Die Wahrheit ist, dass Jogginganzüge bequem sind und Jogginganzüge aus Velours — einem Stoff, der wahnsinnig weich ist, wenn man ihn in eine Richtung streichelt, und total kratzig ist, wenn man in ihn in die andere Richtung streichelt — umso mehr.

Juicy Coutures eigene Version der Loungewear wurde zum prägenden Outfit der frühen Nullerjahre und hat damit die Basis für die Athleisure gelegt, wie wir sie heute kennen. Wo die Neunziger Jahre von einem Übermaß an Stoffen dominiert wurden, hat JC den Sportanzug durch hüfthohe, knappe Hosen und eng anliegend geschnittene Jacken in knalligen Farben neu erfunden. Und wer hat am meisten Werbung für Juicy Couture gemacht? Paris Hilton. Und wer hat Kim Kardashian für ihren Durchbruch im Reality-TV vorbereitet? Paris Hilton. Und wer hat durch Kollaborationen mit Puma und Adidas den Athleisure-Markt erobert? Die Kardashian-Jenners. Was uns direkt zum nächsten Punkt führt


Ohne die Nullerjahre würde das Kardashian-Jenner-Imperium nicht existieren
Die 2000er waren — was die Unterhaltung angeht — ebenso reich wie billig. Paris und Nicole waren in The Simple Life zu sehen, Lauren Conrad hat uns in The Hills entertaint. Wie wir in einer umfassenden Recherche herausgefunden haben, ist Kim Kardashian in beiden Serien aufgetreten (wenn auch nur sehr kurz) und hatte damit schon ihren klitzekleinen Augenblick Ruhm, bevor Kris Jenner die Zügel in die Hand genommen und ihre Familie in die Dynastie verwandelt hat, die wir heute kennen.

Während die Kardashian-Jenners in alle möglichen Fettnäpfchen getreten sind, ist Kim immer noch die einzige Person, die eine Taylor Swift in die Schranken weisen kann — sie haben also auch ihre guten Seiten.

Mit unseren Selbstbräunern haben wir die Modeindustrie ordentlich angekurbelt
In den Jahren zwischen 2004 und 2007 haben wahrscheinlich ziemlich viele von uns ständig das gleiche weiße Polo-Shirt nachgekauft, weil wir immer wieder vergessen haben, kein weiß zu tragen, nachdem wir unsere Oberarme ungleichmäßig mit Selbstbräuner eingeschmiert haben. Fred Perry wäre ohne uns ein Niemand.

Einen (glücklicherweise relativ) kurzen Augenblick lang war unser Hals unnötig gewärmt
Von 2002 bis 2006 waren wir total verrückt nach Stoff, deswegen haben wir uns in der Hoffnung, unsere knappen Tops etwas arbeitstauglicher wirken zu lassen, dünne, größtenteils total sinnlose und immer länger werdende Stoffstreifen um den Hals gewickelt. Unsere Faszination dafür haben wir dann mit den Outfits der Charaktere aus der Serie Skins, Laguna Beach oder mit denen von Marissa Cooper gerechtfertigt, und uns nichts draus gemacht, wenn der Schal mal wieder in der Bus- oder U-Bahn-Tür hängen blieb (was schon ein bisschen lebensgefährlich war).

Schönheit im Übermaß
Die 2000er waren total überdreht. Britney und Christina haben bei den VMAs auf der Bühne mit Madonna rumgeknutscht (nur um erwachsen oder kontrovers zu wirken). Paris und Nicole haben in einer Fernsehshow mitgespielt, die sich einzig und allein um ihr privilegiertes Leben gedreht hat. Die ehemaligen Kinderstars Lindsay Lohan und Mischa Barton sorgten mit Drogen- und Alkoholexzessen für Schlagzeilen und Perez Hilton wurde zu unserer neuen Lieblings-Quelle für den neuesten Klatsch und Tratsch. Das Jahrzehnt war das historische Pendant zu einer Von Dutch Cap: zu viel von allem, und das ohne sich dessen auch nur ansatzweise bewusst zu sein.

Aber Zeitalter wie diese sind auch notwendig. Während das Ende der Neunziger Jahre von einer Aqua-in- Barbie-Girl Ästhetik geprägt war, war der Großteil des Jahrzehnts von gedeckten Farben, übergroßen Klamotten und einer Rückkehr zu 70er Jahre Prints gezeichnet. Die 2000er waren also nicht ohne Grund too much. Unsere Augenbrauen waren extrem überzupft, unser Schmuck viel zu groß, Trends entwickelten sich zu ästhetischen Albträumen und Boleros wurden zum Keypiece ganzer Outfits.

Es war schlichtweg schrecklich, somit konnten wir ab 2010 reinen Tisch machen und von vorne beginnen.

Trucker Caps waren total in
Und es wird wieder passieren, aber nur, um uns daran zu erinnern, warum sie noch nie wirklich schön oder cool gewesen sind. Diese Tatsache scheinen wir etwa alle sechs Jahre irgendwie zu vergessen.

Und genau deswegen bestehe ich darauf, unsere zukünftigen Kinder Von Dutch zu nennen. Alles, um die unausweichliche Rückkehr von Ed Hardy so lange wie möglich hinauszuzögern.