die magie der musikfotografie

Wie kann ein Fotograf die wilde Energie eines Musikers einfangen? i-D erkundet die Welt der Musikfotografie.

von Jane Helpern
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13 Mai 2015, 10:15am

Getty Images / Michael Ochs

Porträts von Musikern zu machen, ist eine der Königsdisziplinen in der Fotografie. Mit einem Bild kann man umfassenden sozialen, politischen und persönlichen Einfluss von Idolen einfangen. Sie präsentieren eine Welt, die sehr weit weg ist von den unscharfen Smartphone-Fotos, die wir viel zu weit von der Bühne machen und die unsere Sozial-Media-Feeds überschwemmen. Aber ist Musikfotografie immer noch relevant? Wie kann man in einer Bilder übersättigten Welt etwas schaffen, was länger eine Bedeutung hat? 

Bob Marley by Dennis Morris

Bevor es Instagram gab, fingen Musikfotografen wie Glen E. Friedman, Henry Diltz und der Londoner DJ Schrägstrich Punk-Chronist Don Letts, dessen The Punk Rock Movie von 1978 auf Super 8 gedreht wurde und alle Schlüsselfiguren des britischen Punks (The Clash, The Slits, The Sex Pistols) zeigt, ein Stück Geschichte ein. Ihre Bilder waren gewöhnlich die einzigen Einblicke, die wir in diese Welt hatten, besonders wenn man außerhalb der Zentren der Punkbewegung wohnte und keinen Zugang zum Underground hatte. Die Fotografen waren auf der Suche nach den Momenten - verletzlich und fertig - backstage, in der Menge und in der Seitenstraße hinter dem Club. So bewegen uns immer noch die benebelten Bilder von Diltz, der offizielle Woodstock-Fotograf, der die 60er mit Joni Mitchell und der Folk-Szene um Laurel Canyon verbrachte, oder Aufnahmen vom Stage-Diving mit Edward Colver, der Punkfotograf, der die Entstehung des amerikanischen Hardcore festgehalten hat. Diese frühen Porträts haben unser Verständnis dieser Zeit geprägt.

Viele der heute größten Mode-, Kunst- und Werbefotografen fingen in der Musik an. 1970 fotografierte Annie Leibovitz als angestellte Fotografin (und später Chef-Fotografin) beim damals gerade erst gegründeten Rolling Stone Magazine und 2007 stellte Ryan McGinley mit Irregular Regulars Bilder von einer zweijährigen Tour durch die USA, Großbritannien und Mexiko mit Morrissey aus. Es gab schon immer eine dynamische Verbindung zwischen Mode und Musik und dank der Kollaboration von Opening Ceremony mit Spike Jonze für Autumn / Winter 15, bei der bislang unveröffentlichte Archivaufnahmen der Beastie Boys, Björk und Kim Gordon zu Collagen-Prints auf der Kleidung wurden, war Rock-Geschichte nie angesagter.

Spike Jonze's photographs of Björk and Thurston Moore at Opening Ceremony's autumn/winter 15 presentation. Image courtesy Black Frame.

Und dann gibt es natürlich noch Mick Rock, bekannt für seine Glam-Porträts der Sexbombe Blondie und des Genderchamäleons Bowie. Er produziert immer noch neue Aufnahmen und stellt sie aus. Rock hat mit zeitgenössischen Künstlern wie The Killers, Lady Gaga und Alicia Keys zusammengearbeitet. Trotz seiner Popularität unter der Tumblr-Generation gibt er zu, dass er die „Schockmomente" und Explosivität der 70er vermisst. „Was einst Rock 'n' Roll war, sehr schnelllebig und austauschbar war, ist jetzt Kunst. Mein Vision, ob nun gut oder schlecht, war immer die pure Musik", twitterte er als Bildunterschrift unter ein altes Foto von Queen. Mick Rock versucht sich an der Zukunft und erinnert sich an die Vergangenheit, aber er wird immer an die Zeit zurückdenken, in der Rock noch rebellisch war, als die Kostüme glamourös und die Gesichter glitzernd waren - als Rockgeschichte nicht nur der Hashtag #tbt war.

Wir leben in einer Gegenwart, in der Handyfotografie und Social Media jeden zum Amateurfotografen auf der Suche nach dem großen Money Shot machen. Während einige 35 mm-Anhänger diese Entwicklung dissen, begrüßen andere wie Fotograf/Regisseur Timothy Saccanti sie mit offenen Armen. „Das ist ein unleugbarer Wandel. Für meine Welt wurde es dadurch schwerer, die Mystik zu kultivieren und zu kontrollieren, aber es ermöglicht auch tolle Experimente", sagt er über Social Media. „Seitdem jeder so einfach Fotograf sein kann und die Welt mit Bildern geflutet wird, wurde es noch wichtiger, eine einzigartige Sichtweise oder einen einzigartigen Prozess zu entwickeln. Timothy Saccanti betont wie wichtig Hintergrundwissen und persönliche Anekdoten über den Künstler geworden sind, um ihn von anderen unterscheidbar zu machen: „Recherche ist ein so lohnender Prozess. Du musst psychologisch vorgehen und dann versuchen, deine Ergebnisse auf ihre körperlichen und emotionalen Eigenschaften zu übertragen."

James Murphy by Timothy Saccenti

Der 28-jährige Fotograf und Band-Manager von Odd Future Brick Stowell fotografierte das HipHop-Kollektiv noch bevor sie einen Plattenvertrag hatten. Aber er ist nicht der Typ, der alles und jeden dokumentiert, nur weil er Zugang dazu hat. Kuratieren ist ihm wichtig, seine Linse richtet er auf Odd Future und Trash Talk, so entsteht eine Sammlung von Arbeiten mit einer deutlichen Sichtweise, die eine Geschichte erzählt. Sein Geheimnis, um den Überblick nicht zu verlieren? „Mach deine Hausaufgaben. Rede über das, was du kennst. Eigne dir Wissen an und habe eine valide Meinung, indem du auf Konzerte gehst und die Leute dabei beobachtest, was sie tun. Sei kein Hater, nur weil du nicht genug weisst." Anstatt zu versuchen, überall zu sein, macht er es wie Fotografen wie Dan Monick, der 14 Jahre mit Atmosphere und Ryhmesayers verbracht hat. 

Odd Future by Brick Stowell

Es ist leicht das digitale Zeitalter als eine Zeit, der es an Originalität und Spontanität fehlt, niederzumachen. Das ist aber vielleicht nur Ausdruck einer Haltung, die sich an das, was war, klammert und dabei vergisst, was sein kann. Mick Rock fasste es mit der Bildunterschrift unter einem Foto von Ziggy Stardust ganz gut zusammen: „Es gibt die Kunst des Zurückschauens; wie man die Vergangenheit feiert, ohne von ihr gefangen genommen zu werden..." Nach wie vor kann auch das beste Kameraequipment nicht mit einem magischen Moment mithalten. „Die besten Bilder entstehen aus dem Unbekannten. Du kannst Sets planen und aufbauen und Requisiten haben. Aber sobald das Motiv da ist, vergisst du das alles und die Magie beginnt." 

Credits


Text: Jane Helpern
Foto: Getty Images / Michael Ochs

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